Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.03.2015


Verkehr

Auf Linie durch die Osttiroler Samstagnacht

Seit einem Monat tourt der Nachtbus des Verkehrsverbundes

zwischen Matrei und Nußdorf-Debant. Die Auslastung ist gut.

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© Blassnig



Von Christoph Blassnig

Lienz, Matrei i. O., Nußdorf-Debant – Martin Bucher ist Marketingleiter im Verkehrsverbund Tirol (VVT). Aus Sicht des Unternehmens ist der Nightliner auf der Iseltal-Route schon so kurz nach dem Startschuss ein voller Erfolg: „An den letzten beiden Samstagen haben wir zwischen 150 und 180 Fahrgäste gezählt. Auf nur vier Runden verteilt sind wir mit dieser Auslastung sehr zufrieden.“

Bis jetzt könne man positiv Bilanz ziehen, erst recht, weil das Angebot im Anlaufen sei und sich noch weiter herumsprechen werde. „Wir beobachten ganz genau und werden uns nach einem halben Jahr die Zahlen anschauen“, sagt Bucher. „Wenn eine neue Linie aber so gut startet, gibt es keine Bedenken.“

Auch eine Erweiterung sei möglich. „Ich glaube, die Osttiroler Bevölkerung ist wahnsinnig zufrieden mit dem Angebot.“ Schul- und LehrPlus-Tickets, die Jahreskarte für Senioren und auch Wochen- oder Monatskarten sind in den Nächten auf Sonntag zwischen Matrei und Debant gültig.

Der Bus ist unter der Woche im normalen Linienverkehr unterwegs. „Sein auffälliges schwarz-gelbes Erscheinungsbild ist optisch ein toller Hingucker, auf das wir stolz sind“, schwärmt Bucher.

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Es ist eine klare Samstagnacht, 22.34 Uhr. Minusgrade am Bahnhof Lienz. Wartende gibt es nicht. Der Nightliner kommt aus dem Iseltal. An die fünfzehn junge Leute verlassen stürmisch den Bus. Einer muss erst gebeten werden, entschließt sich nach kurzer Orientierung aber auch. „Die meisten von ihnen sind in Matrei zugestiegen“, weiß Busfahrer Hansjörg Schachner. Er hat noch eine zweite Iseltal-Runde vor sich, dann hat er von halb eins bis halb zwei Pause.

Probleme habe es noch nicht gegeben, verrät Hansjörg. Nur am Faschingssamstag sei der Bus stark verunreinigt worden. Kollegen hätten gemeinsam die Hinterlassenschaften beseitigt.

Der Bus dreht seine kleine Runde durch die Debant. Keine Fahrgäste in Sicht. Dann steigt Nicola Schett ein. Nicola ist achtzehn Jahre alt. Sie arbeitet in Lienz und hat deshalb eine Monatskarte. „Meine Freunde sind schon in der Stadt. Ich bin heute später dran und fahre jetzt nach“, lächelt sie. Ob sie den Bus auch nehmen würde, wenn sie ein eigenes Auto hätte? „Sicher, sonst darf ich nichts trinken!“ Nicola und ihre Freunde waren bisher auf Taxis angewiesen, nun nutzen sie den Nightliner schon regelmäßig zum Ausgehen: „Der Bus ist einfach volle cool!“

In Lienz verabschiedet sich Nicola und steigt aus. Hansjörg muss noch ein paar Minuten warten. „So ist das. Der Bus ist voll, dann wieder leer.“ Muster könne man keines erkennen, auch ein Trend in die Stadt sei nicht eindeutig abzulesen: „Nicht nur wenn in Matrei eine Veranstaltung ist, fahren viele dorthin.“ Die Hälfte aller Fahrgäste habe bereits gültige Tickets, schätzt Hansjörg. Der Rest würde bezahlen.

Gleich mit der ersten Fuhre habe er heute eine ganze Geburtstagsrunde zum Feiern nach Matrei gebracht. „Die waren schon lustig“, zwinkert Hansjörg, „da freue ich mich schon, wenn ich sie später wieder heim in die Debant fahren darf!“

Der Nachtbus wartet noch kurz, wendet und fährt wieder los.