Letztes Update am Mi, 08.07.2015 19:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gewittersturm

Heftige Unwetter tobten in Tirol: Böen bis zu 140 km/h in Innsbruck

Die Rekordhitze in Tirol ist in der Nacht auf Mittwoch mit schweren Unwettern zu Ende gegangen. 14.000 Haushalte waren zwischenzeitlich ohne Strom, Keller wurden überflutet und Bäume entwurzelt. Die Meteorologen von UBIMET berichten von mehr als 17.000 Blitzen. Österreichweit sollen es 88.000 gewesen sein.

Zahlreiche Bäume, wie hier in Pettnau, knickten um oder wurden entwurzelt.

© zeitungsfoto.atZahlreiche Bäume, wie hier in Pettnau, knickten um oder wurden entwurzelt.



Innsbruck – Wegen heftiger Unwetter musste die Tiroler Feuerwehr am Dienstagabend sowie in der Nacht auf Mittwoch insgesamt 190 Mal ausrücken. Von Westen her zog eine gewaltige Gewitterzelle mit bis zu 140 km/h starken Windböen über das Land. Dieser Spitzenwert wurde in Innsbruck-Kranebitten gemessen. Auch bei der Innsbrucker Universität wurden Orkanböen bis zu 104 km/h registriert. Blitze zuckten quasi im Sekundentakt über den Nachthimmel. Exakt 17.213 waren es laut den Meteorologen von UBIMET in Tirol. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt oder umgeknickt und Keller überflutet. Zwischenzeitlich waren 14.000 Haushalte ohne Strom. Mittlerweile konnte die Versorgung bis auf wenige Ausnahmen wieder komplett hergestellt werden. Laut Tinetz gab es Mittwoch zu Mittag nur noch kleinere Stromversorgungsunterbrechungen.

Leserfotos vom Unwetter können Sie gerne an forum@tt.com schicken

Tinetz

Aktuelle Stromunterbrechungen: http://go.tt.com/1GKr5xg

Besonders stark wurden das Außerfern, das Oberland und der Großraum Innsbruck von den Unwettern in Mitleidenschaft gezogen, wie das Landesfeuerwehrkommando Mittwochfrüh mitteilte. Aber auch aus dem Unterland wurden zahlreiche Einsätze und Stromausfälle gemeldet. In den frühen Morgenstunden beruhigte sich die Situation zusehends.

Blitze zuckten in der Nacht auf Mittwoch quasi im Sekundentakt über Tirol, wie hier in Arzl im Pitztal.
Blitze zuckten in der Nacht auf Mittwoch quasi im Sekundentakt über Tirol, wie hier in Arzl im Pitztal.
- Leserfoto Volkan Bas

80 Tiroler Feuerwehren standen in der Nacht stundenlang bei Aufräumarbeiten im Einsatz. Sie befreiten Straßen von umgeknickten Bäumen, pumpten Keller aus und beseitigten zahlreiche weitere Unwetterschäden.

Die Fernpassbundesstraße wurde gleich an mehreren Stellen von Bäumen verlegt. Sie musste schließlich für den gesamten Verkehr gesperrt werden. Gegen Mitternacht konnten die letzten Fahrzeuge, die durch die entwurzelten und geknickten Bäume eingeschlossen waren, befreit werden, berichtete die Polizei. Auch die Ehrwalder Straße (L391) zwischen Ehrwald und Garmisch und die Bahnstrecke wurden kurzzeitig gesperrt. Bei Ehrwald beschädigte ein umgefallener Baum ein Auto. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon und blieben unverletzt.

Im Stubaital schlug der Blitz in einen Strommasten ein und setzte diesen in Brand. In einem Ortsteil von Neustift im Stubaital wurden mehrere Dächer teilweise abgedeckt und parkende Fahrzeuge durch herumfliegende Gegenstände und umstürzende Bäume teils stark beschädigt. Die Berufsfeuerwehr Innsbruck berichtete von zahlreichen Sicherungseinsätzen, größere Schäden habe es nicht gegeben.

Am Mittwochnachmittag schlug jedoch in einen Baum in einem Garten eines Wohnhauses in Aldrans ein Blitz ein. Der Baum riss dadurch einseitig und schlug ein Loch in den Boden. Steine und Erde wurden weggeschleudert. Personen wurden dabei laut Polizei keine verletzt.

Hitzerekord am Dienstag in Innsbruck

Mit den heftigen Unwettern ist auch die Hitzewelle vorläufig zu Ende gegangen. Hoch „Bigi“ hatte Tirol am Dienstag nicht nur hochsommerliche Hitze gebracht, sondern auch neue Rekordtemperaturen. Am Dienstagnachmittag hat Innsbruck (Station Universität) mit 38,2 Grad einen neuen Temperaturrekord erreicht. Es war der heißeste Tag seit Beginn der Messungen im Jahr 1877.

„In der Tiroler Landeshauptstadt stiegen die Temperaturen mit dem durchbrechenden Föhn auf nie dagewesene 38,2 Grad“, berichtet Ubimet-Meteorologe Clemens Teutsch-Zumtobel. „Der Tirolrekord von 38,3 Grad aus Haiming wurde zwar knapp nicht erreicht, aber der alte Rekord aus dem Jahr 1984 gebrochen (37,7 Grad).“ Der absolute Julirekord von Dellach mit 39,7 Grad aus dem Jahr 1983 blieb ebenso unangetastet, aber dennoch verdient diese Hitzewelle das Prädikat außergewöhnlich. „Selbst in einem der höchsten Orte des Landes, in Obergurgl, gab es am Sonntag und heute zwei Sommertage, normalerweise kommt dort ein Sommertag im Schnitt nur alle zehn Jahre vor.“

Am Wochenende wird es wieder heiß

Die Schlechtwetterfront, die seit Mittwoch über Tirol zieht, bringt deutliche Abkühlung mit sich. „Es gibt einen Temperaturrückgang von 10 bis 15 Grad. Die Höchstwerte werden nur noch bei um die 22 Grad liegen“, so Werner Troger von den meteo experts.

Am Donnerstag sollte sich das Wetter schon wieder bessern und beruhigen. Es bleibe aber noch „kühl“ bei 23 Grad. Ab Freitag geht es langsam wieder aufwärts. Und für Samstag ist bereits wieder sommerliches Badewetter mit 29 bis 30 Grad angesagt. (TT.com)


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