Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.09.2016


Bezirk Landeck

Nach Mure in Grins: „Wir stehen jetzt komplett bei null“

Der Grinner Transportunternehmer Harald Wille steht vor völlig zerstörtem Betrieb, sein „Büro“ ist derzeit die Straße nebenan. Feuerwehr-Einsatzleiter Hubert Senn spricht von „gut koordinierten Aufräumarbeiten“.

Blick von der Mühlbach-Brücke (Grins) in Richtung Landeck: Die Mure hat das Sanna-Becken um fünf Meter erhöht.

© WenzelBlick von der Mühlbach-Brücke (Grins) in Richtung Landeck: Die Mure hat das Sanna-Becken um fünf Meter erhöht.



Von Helmut Wenzel

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Grins – Es ist vor allem schweißtreibende händische Arbeit, die in der schlammigen „Murenzone“ in Graf bei Grins geleistet wird. Zudem waren am Montag fünf Bagger am Sanna-Ufer im Dauereinsatz, um das Geschiebe aus dem Flussbett zu räumen.

Dem Grinner Transportunternehmer Harald Wille hat die Mühlbach-Mure – die TT berichtete – am Samstagabend verheerende Schäden beschert. Die Situation für seinen Betrieb bringt der Geschäftsführer so auf den Punkt: „Wir stehen jetzt komplett bei null.“ Das Inventar im Firmengebäude einschließlich Büros ist zerstört. Er selbst steht auf der Straße, sein „Werkzeug“ ist das Handy. „Ich muss mit Kollegen von Partner-Firmen reden, damit wir die laufenden Aufträge erledigen können“, schildert er zwischen den Telefonaten. Mehrere neuwertige Silo- und Planenfahrzeuge stecken tief im Schlamm. Nur drei Lkw habe er in aller Eile umparken und damit retten können. „Ich habe den Rumpler am Mühlbach gehört und bin zum Betrieb gelaufen. Aber da war die Katastrophe schon fast perfekt.“

Ziel des Bagger-Einsatzes ist es, die Sanna möglichst weit weg von Gebäuden zu verlegen.
Ziel des Bagger-Einsatzes ist es, die Sanna möglichst weit weg von Gebäuden zu verlegen.
- Wenzel

Nachdem das Firmengelände auch vom Hochwasser 2005 schwer betroffen war, fragt er sich, ob es vielleicht besser wäre, einen neuen Betriebsstandort aufzubauen, anstatt das zerstörte Objekt samt Gelände zu sanieren. Am aktuellen Standort müsste, so der Unternehmer, jedenfalls ein massiver Schutzdamm gebaut werden.

Die Nachtpause von Sonntag auf Montag war für zahlreiche Feuerwehrmänner nur kurz. Auch für Einsatzleiter Hubert Senn von der Grinner Feuerwehr. Am Montag in der Früh waren wieder Aufräumarbeiten angesagt. Feuerwehr-Katastrophenhilfsdienstzüge (KHD-Züge) mit mehr als 80 Männern aus dem Bezirk trafen ein, dazu kamen 50 Soldaten vom Baupionierzug des Bundesheeres. Und 40 Firmenmitarbeiter sowie freiwillige Helfer. „Unsere Hauptaufgabe ist es, die vermurten Gebäude zu räumen, zu säubern und auszuwaschen“, fasst Senn zusammen. Das funktioniere nur mit „Manpower“, also mit händischer Arbeit. Die Einsatzdauer sei vorerst nicht abschätzbar. „Ich hoffe, dass wir bis zum Wochenende das Gröbste geschafft haben.“

Zum Assistenzeinsatz des Bundesheeres sagte Oberst Willi Tilg: „Wir bleiben mit unseren Grundwehrdienern hier, solange wir gebraucht werden.“ Die Soldaten sind in Landecks Pontlatz-Kaserne untergebracht. Im dortigen Katastrophenlager fassten sie Gerät wie Schubkarren, Pickel und Schaufeln aus.

Am Montag trafen auch 50 Soldaten vom Baupionierzug des Bundesheeres mit Schubkarren, Pickeln und Schaufeln in der „Murenzone“ ein.
Am Montag trafen auch 50 Soldaten vom Baupionierzug des Bundesheeres mit Schubkarren, Pickeln und Schaufeln in der „Murenzone“ ein.
- Wenzel

Schließlich fuhr gestern ein „Bagger-Konvoi“ am Murenkegel und am Sanna-Ufer auf. Tausende Tonnen Geschiebe lagern im Flussbett, im Abschnitt Pians – Landeck hat sich das Becken um teils mehr als fünf Meter erhöht. „Das Flussbett wird vertieft und möglichst weit weg von Gebäuden verlegt“, so Senn. Die Aufräumarbeiten insgesamt würden reibungslos und kooperativ funktionieren, sagte der Einsatzleiter.




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