Letztes Update am Fr, 07.10.2016 18:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirbelsturm „Matthew“

Über 800 Tote in Haiti: Nun zittert Florida vor Hurrikan „Matthew“

Wie gefährlich Hurrikan „Matthew“ ist, hat er in Haiti gezeigt: Mehr als 840 Menschen starben, ganze Landstriche sind verwüstet. Nun richtet sich auch der Südosten der USA auf das Schlimmste ein. Der Küste könnte der schlimmste Hurrikan seit „Katrina“ 2005 bevorstehen.

Jacksonville, Florida: Hurrikan "Matthew" nimmt leicht abgeschwächt Kurs auf die US-Küste.

© AFP/Jewel SamadJacksonville, Florida: Hurrikan "Matthew" nimmt leicht abgeschwächt Kurs auf die US-Küste.



Miami/Port-au-Prince – Hurrikan „Matthew“ verwüstete Haiti – nun bangt die Südostküste der USA vor dem Wirbelsturm. Wetterbehörden warnten vor einer Bedrohung und Schäden lange nicht gesehenen Ausmaßes. Der Gouverneur des Bundesstaats Florida, Rick Scott, sprach von einem sich nähernden „Monster“. Auf seinem Weg in nordwestlicher Richtung an Floridas Ostküste hatte sich der Wirbelsturm am Freitag zunächst etwas abgeschwächt. Das US-Hurrikan-Zentrum in Miami stufte ihn von der zweithöchsten Kategorie 4 auf 3 herab. Trotzdem sei „Matthew“ weiter „extrem gefährlich“.

Zuvor hatte der Wirbelsturm in der Karibik getobt und Haiti verwüstet. Mindestens 842 Menschen kamen ums Leben. Nach Angaben der Behörden vom Freitag gab es außerdem vier Tote in der Dominikanischen Republik. Die Regierung von Haiti bat international um Hilfe.

„Dieser Sturm wird euch töten“

Freitagfrüh befand sich „Matthews“ Zentrum den Angaben zufolge 70 Kilometer östlich der Küstenstadt Vero Beach in Florida. Nach Angaben lokaler Medien waren bereits rund 300.000 Haushalte ohne Strom. Die Experten rechneten damit, dass das Auge des Sturms in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) entweder dicht an der Küste vorbeiziehen werde oder auch auf Land treffen könnte. Am Samstag sollte der Sturm die Küsten Georgias und South Carolinas passieren. Der US-Wetterdienst warnte, dass die extremen Winde bei einem Landfall katastrophale Schäden verursachen könnten und eine immense Lebensbedrohung darstellten. Auch die sogenannte Space Coast mit dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida galt als besonders gefährdet. Die die US-Raumfahrtbehörde NASA und die US-Luftwaffe räumten das Raketenstartgelände weitgehend. Nur 116 Angestellte sollten ausharren, erklärte NASA-Sprecher George Diller.

US-Präsident Barack Obama hat bereits den Notstand für Florida, South Carolina und Georgia verhängt. Dort wurden schwere Sturmfluten, Überschwemmungen, Stromausfälle für Hunderttausende Bewohner und massive Zerstörungen befürchtet. Allein in Florida waren 1,5 Millionen Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, weitere Hunderttausende in Georgia und South Carolina – die größte Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm „Sandy“ im US-Osten im Jahr 2012. Rund 4.500 Nationalgardisten standen für die Hilfe in besonders hart getroffenen Gebieten bereit.

„Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzte Chance. Bleibt weg von den Stränden“, appellierte Gouverneur Scott an die Küstenbewohner Floridas und warnte eindringlich: „Dieser Sturm wird euch töten.“ Es gehe um Leben und Tod. Nach Wetterdienstangaben könnten die Verwüstungen des Sturms einige Gegenden Zentral-Floridas „für Wochen oder Monate unbewohnbar“ machen. „Matthew“ sei anders als alle Stürme in den vergangenen Jahrzehnten. Laut CNN hatte die Behörde in dieser Intensität zuletzt vor Hurrikan „Katrina“ 2005 gewarnt.

Da viele der am stärksten betroffenen Gebiete nicht mehr erreichbar waren, ist das genaue Ausmaß der Katastrophe noch nicht abschätzbar.
Da viele der am stärksten betroffenen Gebiete nicht mehr erreichbar waren, ist das genaue Ausmaß der Katastrophe noch nicht abschätzbar.
- REUTERS

Ganze Teile Haitis verwüstet

Als Wirbelsturm der Kategorie 4 hatte „Matthew“ Haiti am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Häuser wurden zerstört, Bäume knickten um, und Straßen wurden überschwemmt. Die besonders stark betroffenen Regionen Sud und Grand‘Anse im Südwesten wurden vom Rest des Landes abgeschnitten. „Der gesamte Westen der südlichen Halbinsel ist schwer getroffen worden“, sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care im US-Fernsehsender CNN.

Die Hauptstadt von Grand‘Anse, Jérémie, sei zu weiten Teilen zerstört, sagte der Länderdirektor der Hilfsorganisation Care, Jean-Michel Vigreux. Alle Telefonverbindungen und die Stromversorgung seien zusammengebrochen. „80 Prozent der Häuser liegen in Trümmern. Die einzige Verbindungsstraße ist unpassierbar, und den Menschen gehen langsam Nahrung und Geld aus.“

- REUTERS

Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 1,5 Millionen Menschen in Haiti von dem Hurrikan betroffen, 350.000 benötigten Soforthilfe. „Unsere größte Sorge ist derzeit, dass wir vermehrt von Cholerafällen in den Überflutungsgebieten hören“, sagte Care-Länderdirektor Vigreux. Die Katastrophenregion brauche möglichst schnell einen Zugang zu sauberen Trinkwasser und medizinische Versorgung. „Im Moment müssen sie in Krankenhäusern ohne Strom versorgt werden.“ (dpa)

Die schlimmsten Hurrikane in den USA

Die USA werden häufig von mehr oder minder gefährlichen Hurrikanen heimgesucht. Beispiele für besonders verheerende Stürme:

- „Katrina“ gilt als einer der schwersten Hurrikane der US-Geschichte. Der Sturm wütete im August 2005 entlang der Golfküste. Mehr als 1.800 Menschen kamen ums Leben. Besonders betroffen war New Orleans. Teile von Louisianas größter Stadt wurden zerstört. Der Sturm soll einen Schaden von mehr als 100 Milliarden Dollar (heute etwa 90 Milliarden Euro) verursacht haben und die teuerste Naturkatastrophe in den USA gewesen sein.

- „Sandy“ wirbelte im Oktober 2012 die Ostküste entlang. Der Sturm, der zunächst die Karibik heimsuchte und dort etwa 70 Menschen das Leben kostete, hinterließ ein Bild der Verwüstung. Vor allem die Bundesstaaten New York und New Jersey traf er schwer. Tausende Häuser sowie Straßen und Stromleitungen wurden zerstört. In New York City wurden ganze Stadtteile überschwemmt. In den USA starben mindestens 110 Menschen. „Sandy“ rangiert mit einer Schadenshöhe von weit mehr als 50 Milliarden Dollar auf Platz zwei der teuersten Naturkatastrophen in den USA.

- Der Hurrikan mit den meisten Toten in der US-Geschichte wütete im Jahr 1900 in der texanischen Stadt Galveston. Bis zu 12.000 Menschen sollen ihm zum Opfer gefallen sein.

- Bis zu 3.000 Menschen starben 1928, als ein Hurrikan über Florida zog. Er beschädigte Häuser in Palm Beach und löste eine Sturmflut am Lake Okeechobee im Landesinneren aus.

- In Florida richtete zuletzt Hurrikan „Andrew“ 1992 verheerende Schäden an und kostete Dutzende Menschen das Leben.


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