Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 15.10.2017


Wetter

Im Schnitt beginnen Winter etwas später mit Kälte

Jahrhundertwinter oder grüne Pisten? - Langzeitprognosen lassen vorausblicken, doch heimische Meteorologen sind vorsichtig. Einiges lässt sich aber doch voraussagen.

© imagoJahrhundertwinter ja oder nein: Künstliche Beschneiung wird auch künftig das Skifahren in Tirol sichern.



Innsbruck — Kaum fallen die ersten Blätter von den Bäumen, taucht sie auf: die große Frage, welcher Winter uns wohl bevorsteht — ob mit Kälte, Schnee und Eis zu rechnen ist oder mit milden Temperaturen und Regen. Weiße Pracht oder doch eher grüne Pisten? Meldungen über Langzeitprognosen, die einen Jahrhundertwinter voraussagen, machen derzeit die Runde, doch Manfred Bauer, Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck, ist skeptisch: „Prinzipiell halte ich sehr wenig von dieser Art saisonaler Vorhersagen, auch weil solche Prognosen in mittleren Breitengraden, in denen wir leben, wegen der vielen aufeinandertreffenden Hoch- und Tiefdruckgebiete kaum möglich sind."

Was dagegen feststeht und laut Bauer auch nicht mehr geleugnet werden kann, sind der Klimawandel und seine Auswirkungen. „Wer mit seiner Prognose auf Nummer sicher gehen will, wird deshalb also eher sagen, dass der Winter mit einiger Wahrscheinlichkeit zu mild ausfallen wird. Schließlich war es in den letzten Jahren in durchschnittlich neun bis zehn von zwölf Monaten zu warm." Genaue Prognosen für den konkreten Winterverlauf seien derzeit aber noch keine möglich. Nur Vorhersagen für bis zu zehn Tage gelten als seriös. Ein Rückblick auf die vergangenen 60 Jahre zeigt, dass die Temperaturen in den Wintermonaten angestiegen sind, doch die Folgen des Klimawandels seien in Tirol im Frühling, Sommer und Herbst deutlicher spürbar. Außerdem gab es zwischendurch auch Jahre mit kalten Wintern. Noch schwieriger als die Vorhersage von Temperaturen sind laut Bauer Prognosen des Niederschlages: In den Langzeitmessungen ist noch kein eindeutiges Signal zu erkennen. Laut Klima­szenarien sollte es in Zukunft im Schnitt weniger Tage mit Niederschlag geben, wenn es aber regnet, dann mehr als früher.

Auch wenn die subjektive Wahrnehmung eine andere war. „Die letzten beiden Winter waren kurz und zeitweise sehr mild, davor gab es aber einige Winter, die gar nicht so schlecht waren." Auch dass sich der Winter in Richtung Frühling verschiebt, will Bauer nicht bestätigen, wohl aber, dass er im Schnitt später beginnt. Auch wenn es im Oktober, November und Dezember noch warm werden sollte: Das zu Ende gehende Jahr wird 2014 — das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen in Tirol — wohl nicht übertreffen. Grund sind der „ungewöhnlich kalte" Jänner und der sehr kühl­e September. Ein neues Rekordjahr 2017 hält Baue­r deshalb für „sehr unwahrscheinlich". Was für ihn als sicher gilt: „In 20 Jahren wird man in Tirol noch Ski fahren können — schon allein aufgrund der künstlichen Beschneiung und Schneedepots." In einzelnen Gebieten hat die Anzahl der Tage mit Skibetrieb dadurch sogar zugenommen. (ms)




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