Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.10.2017


Exklusiv

Skigebiete: Das große Hoffen auf kalte Tage

Nachdem im Vorjahr eine Rekordsumme von 300 Millionen Euro investiert wurde, setzen Tirols Seilbahner heuer auf ein Mehr an technischer Schneeerzeugung.

© akiebler/FotoliaKinder sind für Liftgesellschaften die Kunden von morgen. Kostenlos Ski fahren dürfen sie aber nur, wo es sich finanziell ausgeht.



Innsbruck – Wenn an diesem Wochenende alle Augen auf das Ski-Spektakel in Sölden gerichtet sind, läuft auch bereits ein Teil anderer Skigebiete in Tirol im Winterbetrieb. Bereits geöffnet haben neben Sölden etwa der Hintertuxer Gletscher (ganzjährig), der Stubaier, der Pitztaler und der Kaunertaler Gletscher sowie die Bergbahn Kitzbühel. Die nächsten Openings folgen ab sofort Schlag auf Schlag (siehe auch Infobox rechts unten).

Seilbahner und Touristiker blicken zuversichtlich in die neue Saison: „Jetzt gilt es vielerorts noch, die letzten Arbeiten anzugehen, um spätestens im Dezember in eine neue Saison starten zu können. Wir hoffen auf einen kalten Spätherbst, um unsere Pisten beschneien zu können“, sagt Seilbahn-Chef Franz Hörl. Nach der Rekord-Investition der letzten Saison von rund 300 Millionen Euro darf man heuer von etwa 200 Millionen Euro ausgehen. Fixe Zahlen will Hörl als Obmann des Fachverbandes Seilbahnen allerdings erst Anfang Dezember bestätigen bzw. nennen. Erst da werde es einen Überblick geben, um genaue Summen kommunizieren zu können. Fakt ist, dass in der anstehenden Saison die Schneesicherheit samt neuer Investitionen ein großes Thema sein wird. So entsteht u. a. in der Axamer Lizum ein neuer Speicherteich, aber auch in Seefeld und Ischgl wird es neue Teiche geben: „Wir können aktuell über 90 Prozent der Tiroler Pisten technisch beschneien. Jedem Versuch, dem Wasser chemische Zusätze beizumengen, erteilen wir eine klare Absage. Unser Schnee wird auch weiterhin nur aus Wasser und kalter Luft bestehen“, so Hörl. Es wird im Land aber auch einige neue Bahnen und erweiterte Lifte geben, um Skifahrer-Staus zu vermeiden, beispielsweise eine Achter-Gondelbahn als neuer Zubringer auf den Schatzberg in Auffach. Kritik übt der Seilbahn-Obmann an den Behördenverfahren: „Wir müssen auch weiterhin konkurrenzfähig bleiben, es kann nicht sein, dass Verfahren über acht Jahre lang dauern und Millionen an Projektkosten verschlingen.“

Optimistisch blickt auch Tirol-Werber Josef Margreiter in die Saison: „Wir blicken der kommenden Wintersaison recht zuversichtlich entgegen. Zum einen lassen uns die bisherigen Rückmeldungen aus der Branche und von den Märkten auf eine gute Nachfrage schließen. Zum anderen ist die Ferienlage wieder besser als im Vorjahr.“ Ähnlich wie in den Jahren davor rechnet man mit einem hohen Teil kurzfristiger Buchungen, die vor allem bei Gästen aus dem Nahraum eine immer größere Rolle spielen. Bereits die jüngste umfassende Gästeerhebung aus den Jahren 2013/14 habe gezeigt, dass ein Viertel der heimischen Gäste den Winterurlaub in Tirol spontan bucht – das heißt innerhalb einer Woche vor Urlaubsbeginn.

Wetter- und Schneeberichten kommt damit für den Verlauf der anstehenden Saison eine immer entscheidendere Bedeutung zu. (lipi)

Drei Fragen an ZAMG-Direktor Michael Staudinger

Weihnachten wird eher grün als weiß. Jetzt zum Winterstart haben Meteorologen Hochsaison — vor allem die Wintersportler wollen wissen, wie der anstehende Winter wird.

Von Meteorologen hört man oft, dass mehrwöchige Prognosen ungenau sind, vor allem in den Alpen. Ist das so?

Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): Die meisten Vorhersagen machen alle Wetterdienste für die nächsten drei bis vier Tage. Für diese Zeitspanne kann man ganz konkrete Vorhersagen machen, mit jedem weiteren Tag nimmt die Genauigkeit ab. Die Technik entwickelt sich aber so rasant, dass man in Zukunft immer bessere Prognosen machen wird können.

Was kann man jetzt schon sagen?

Staudinger: Der November bringt in Österreich mit rund 50 Prozent Wahrscheinlichkeit überdurchschnittliche Temperaturen. Mit 35 Prozent Wahrscheinlichkeiten kommt es zu durchschnittlichen Temperaturen und in etwa 15 Prozent der Fälle muss man mit unterdurchschnittlichen Temperaturen rechnen. Im Dezember sinkt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen auf 45 %. In etwa einem Drittel der Fälle ist mit durchschnittlichen Temperaturen zu rechnen und mit ca. 25 % Wahrscheinlichkeit kommt es zu unterdurchschnittlichen Temperaturen. Grüne Weihnachten rund um Innsbruck sind also eher wahrscheinlich als weiße, aber wie z. B. wir im September gesehen haben, zeigten Mitte August nur 20 % der Fälle einen unterdurchschnittlichen September, der dann allerdings eingetreten ist.

Das Wetter als Wirtschaftsfaktor spielt eine immer größere Rolle, merkt das auch die ZAMG?

Staudinger: Ja, klar, mittlerweile holen sich mehr als 80 Prozent aller Ski-Zentren tagtäglich ihre Prognosen ab — etwa auch um Beschneiungen besser planen zu können.

Das Gespräch führte Liane Pircher




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