Letztes Update am Mi, 03.01.2018 16:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europa

„Burglind“ fegte durch Europa: Böen von bis zu 200 km/h

Sturm „Burglind“ zog vom Norden fast durch ganz Deutschland und sorgte auch in Vorarlberg, Tirol und der Schweiz für Hunderte Feuerwehr- und Polizeieinsätze.

© APA(Symbolfoto)



München – Das Sturmtief „Burglind“ hat am Mittwoch nicht nur in Österreich Chaos angerichtet. Auch in Deutschland führten Sturmböen von um die 120 Stundenkilometer zu Beeinträchtigungen. Trotz einer Reihe von Verkehrsunfällen und beschädigten Gebäuden blieben die Folgen aber überschaubar.

„Burglind“ zog vom Norden fast durch ganz Deutschland. Im Laufe des Tages schwächte sich der Sturm aber zunehmend ab, der Deutsche Wetterdienst hob seine für viele Regionen ausgegebenen Unwetterwarnungen zum großen Teil nach und nach auf. Mit 191 Stundenkilometern wurden auf dem Hochgrat im Allgäu in 1720 Metern Höhe die stärksten Böen gemessen, in vielen niedrigeren Regionen wurden Böen von 100 bis 120 Stundenkilometern gemessen.

Ein Baugerüst an einem Neubau in Littau im Kanton Luzern in der Schweiz stürzte wegen des starken Windes ein.
- KEYSTONE

Beeinträchtigungen im deutschen Bahnverkehr

Im Bahnverkehr führten Schäden durch „Burglind“ zu Beeinträchtigungen. Im Fernverkehr wurden ab Köln, Aachen, Kaiserslautern und Stuttgart Strecken gesperrt. Im Nahverkehr musste die Bahn einzelne Strecken in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sperren. Über die Dauer der Sperrungen konnte die Bahn zunächst keine Angaben machen.

In Nordrhein-Westfalen prallte Mittwochfrüh ein Zug auf der Strecke zwischen Coesfeld und Dortmund im Bereich Lünen auf einen umgestürzten Baumstamm, wie die Bundespolizei mitteilte. Dabei entgleiste der Triebwagen und rutschte trotz Schnellbremsung etwa 120 Meter durch das Gleisbett. Von den rund 70 Fahrgästen wurde offenbar niemand verletzt.

Heftige Orkanböen haben am Morgen in Baden-Württemberg Bäume entwurzelt.
- dpa

In vielen Regionen waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. In Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei mehr als 1500 Einsätze und 128 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Dabei seien drei Menschen schwer und sechs Menschen leicht verletzt worden, der gesamte Sachschaden dürfte in Nordrhein-Westfalen mehr als drei Millionen Euro betragen. Auch der Fährverkehr zu den Inseln Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge und Helgoland wurde eingeschränkt.

Skifahrer saßen in der Schweiz in Gondelbahn fest

„Burglind“ hat auch die Schweiz nicht verschont und ist Mittwochfrüh mit Spitzen von bis zu 200 km/h über das Land gefegt. Der Verkehr auf Straße, Schiene und in der Luft war eingeschränkt, und auch Skilifte wurden geschlossen.

Vorboten des Sturms machten sich bereits in der Nacht bemerkbar. Auf dem Säntis wurden gegen 4.00 Uhr Böen von bis zu 146 Kilometern pro Stunde gemessen. Im Laufe des Vormittags wurden die Winde noch stärker. Laut Marco Stoll von MeteoSchweiz verzeichnete die Station auf dem Säntis Windspitzen von 160 Kilometern pro Stunde.

Die Winde führten zu Verkehrsbehinderungen. Die Appenzeller Bahn stellte wegen der noch erwarteten Böen den Betrieb zwischen Weissbad und Wasserauen vorläufig ein. In Zürich stellten die Polybahn und die Seilbahn Rigiblick ihren Betrieb ein. Auf das Jungfraujoch verkehrten ebenfalls keine Züge.

"Burglind" sorgte auch im Südwesten Deutschlands für Schäden.
- dpa

Zwischen Gettnau und Zell auf der Linie Wolhusen-Langenthal fielen die Regionalzüge wegen eines Hindernisse auf dem Gleis aus. Verspätungen und Zugausfälle gab es auf der Linie Luzern-Olten zwischen Emmenbrücke und Sursee wegen Unwetterschäden. Unterbrechungen gab es auch auf regionalen Linien in der Westschweiz.

Diverse Straßen in der ganzen Schweiz waren gesperrt. Der Schiffsverkehr auf dem Thunersee und dem Bodensee wurde eingestellt. Am Flughafen Basel-Mülhausen brachte der Sturm den Flugplan leicht durcheinander: Von rund fünfzig bis Mittag geplanten Flügen fielen fünf aus. Drei wurden nach Genf umgeleitet. Am Flughafen Zürich sorgte Burglind für Ausfälle, Verspätungen und Umleitungen.

Burglind brachte neben stürmischem Wind auch viel Niederschlag. Deshalb sprach das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) von einer „sehr kritischen“ Situation in den Bergen. In Teilen des Wallis herrschte bereits die vierte von fünf Gefahrenstufen.

Skifahrer saßen in Gondelbahn fest

Im Schweizer Skigebiet Pizol im Kanton St. Gallen sind mehrere Bäume auf die Tragseile einer Bergbahn gestürzt. Wie viele Menschen am Mittwoch in den Gondeln festsaßen und ob es Verletzte gab, war bisher unklar, teilte die Polizei mit. Helikopterflüge waren wegen des Sturmtiefs Burglind zunächst nicht möglich. Es wurde geprüft, wie die Wintersportler in Sicherheit gebracht werden könnten.

Wegen des Sturms gab es im Kanton St. Gallen bisher 120 Schadensmeldungen. Bäume stürzten auf Straßen. Zwei Autos und ein Traktor wurden beschädigt. Zudem wurden umgeknickte Schornsteine und Antennen gemeldet. Die Böen deckten mehrere Dächer ab. (APA, dpa, TT.com)

Sturm „Burglind“

- Sturmtief „Burglind“ erreicht Tirol: http://go.tt.com/2CzCQNg>

- Großeinsatz in Kitzbühel: Sturm legt Hornbahn lahm: