Letztes Update am Mo, 22.01.2018 10:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lawinengefahr

Starker Schneefall in den Alpen: Gefahr in Zermatt, Toter in Bayern

Wegen der hohen Lawinengefahr ist der Schweizer Skiort Zermatt von der Außenwelt abgeschnitten, Bewohner sind aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben. Auch in Italien sind Orte derzeit nicht zugänglich, in Bayern gingen mehrere Lawinen ab, ein Mann kam dabei ums Leben.

© dpaAuch Teile Deutschlands hat der Winter fest im Griff.



Zermatt, Livigno, München – Nach heftigen Schneefällen hat sich die Lawinengefahr in Westösterreich, Bayern und der Schweiz massiv verschärft. Wegen Straßensperren waren mehrere Wintersportorte nicht erreichbar, neben St. Anton am Arlberg, Ischgl und dem gesamten Paznauntal auch die Region um Zermatt (Kanton Wallis), Lech, Zürs, Stuben und der italienische Skiort Livigno.

In weiten Teilen der Schweiz wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Seit 1999 habe es nichts Vergleichbares gegeben, sagte eine Sprecherin des Schweizer Wetterdienstes. Zermatt hat die von der Umwelt abgeschlossenen Menschen im Ort aufgerufen, wegen der Lawinengefahr in ihren Häusern zu bleiben oder sich im Dorfzentrum aufzuhalten. Helikopterflüge in den per Straße und Schiene nicht mehr erreichbaren Ort waren zunächst nicht möglich.

Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen

Bis mindestens 11 Uhr am Montag könne keine Luftbrücke in Betrieb genommen werden, hieß es auf der Webseite von Zermatt Tourismus. Gründe seien schlechte Sicht und Staublawinen. Winterwanderwege und das Skigebiet sind geschlossen. Eltern wurden aufgerufen, ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt im Schnee spielen zu lassen. Sie könnten in den Schneemassen die Orientierung verlieren. „Das kann zu gefährlichen Unfällen führen.“

Ein Fußgänger im total verschneiten Zermatt.
- KEYSTONE

Im Wallis waren Erdrutsche und Überschwemmungen zu befürchten. Zahlreiche Straßen wurden sicherheitshalber gesperrt. Mehrfach mussten wegen Überschwemmungen Feuerwehren aufgeboten werden, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Gebiete wurden bisher evakuiert, vor allem in den Walliser Bergen. Wegen eines Erdrutschs ist seit Montagmorgen im Berner Oberland die Bahnstrecke von Lauterbrunnen nach Wengen hinauf unterbrochen. Der autofreie Tourismusort war damit von der Umwelt abgeschnitten. Räumungsteams waren an der Arbeit.

Skiort Livigno abgeschnitten

Nach heftigen Schneefällen in den Alpen war der renommierte Skiort Livigno in der Lombardei abgeschnitten. Die Straße, die zur Ortschaft führt, musste wegen Lawinengefahr geschlossen werden, berichteten italienische Medien. Am Montagvormittag wollten die Behörden entscheiden, ob die Verbindung wieder geöffnet werden kann.

Schneefälle gingen auch in Südtirol und der Region Abruzzen nieder. In der Apennin-Ortschaft Roccaraso wurden zwei Skifahrer von einer Lawine erfasst. Einer der beiden wurde verletzt. Am Samstag war ein italienischer Wintersportler in der piemontesischen Ortschaft Sestriere in einer Lawine ums Leben gekommen.

Seit Tagen schneit es in der Schweiz.
- Reuters

Angespannt war die Situation am Montag auch noch in mehreren Seitentälern des Obervinschgaus und im Schnalstal. Im Lauf des Tages soll entschieden werden, welche Verkehrsverbindungen im Vinschgau, im Oberen Gericht und im Münstertal wieder für den Verkehr freigegeben werden können.

Lawinentote in Bayern und der Slowakei

Laut Warndienst herrschte in den gesamten bayerischen Alpen erhebliche Lawinengefahr – auch am Montag. Durch den Neuschnee vom Wochenende seien störanfällige Ansammlungen von Triebschnee entstanden, hieß es am Sonntag. Bei drei Lawinenabgängen sind am Sonntag in Oberbayern mehrere Skifahrer verletzt worden – einer ist im Krankenhaus gestorben. Der 30-Jährige hatte am Sonntagvormittag eine Tour im Geigelsteingebiet unternommen. Er war mit einem 57-Jährigen unterwegs, der sich und auch den Jüngeren aus der Lawine befreien konnte. Die Reanimationsmaßnahmen bei dem 30-Jährigen blieben aber schließlich erfolglos.

Ein Teil der am Sonntag verunglückten Skifahrer konnte sich selbst retten, den weiteren half die Bergwacht, wie die Polizei mitteilte. Alle Betroffenen kamen zunächst in medizinische Behandlung.

Auch in Davos gab es jede Menge Neuschnee.
- Reuters

Auch in der Slowakei starb ein polnischer Ski-Tourist bei einem Lawinenabgang. Das Unglück ereignete sich bereits am Sonntag im Skigebiet Ziarska dolina im Westen der Hohen Tatra. Der 26 Jahre alte Verunglückte ist der erste Lawinentote des Jahres 2018 in der Slowakei. Bergrettung und Wetterdienst hatten zuvor vor einer erhöhten Lawinengefahr in der Region gewarnt.

Arlberg-Orte auf Vorarlberger Seite abgeschnitten

Bei anhaltend großer Lawinengefahr der Stufe vier waren am Montagvormittag in Vorarlberg die Arlberg-Orte Lech, Zürs und Stuben nicht auf dem Straßenweg erreichbar. Im Montafon bleib die Verbindung nach Gargellen vorerst ebenfalls gesperrt. In der Nacht auf Montag waren in den Bergen oberhalb von 1200 Metern noch einmal 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee hinzugekommen, lokal auch mehr. Ähnliches galt für Teile Niederösterreichs und Teile Salzburgs, auch in diesen beiden Bundesländern ist die Lawinengefahr derzeit erheblich. (TT.com/APA)