Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.01.2018


Tirol

Nach Wetterkapriolen in Tirol: Schutzbauten im Fokus

Die Lawinenverbauungen haben den enormen Schneemengen standgehalten. Jetzt müssen sie aber genau kontrolliert werden. In den kommenden Tagen folgt mildes Wetter.

© zeitungsfoto.atBei zahlreichen Flügen wurden die Verbauungen kontrolliert.



Innsbruck – Die ganz große Anspannung der vergangenen Tage bei den Verantwortlichen ist vorbei – so wie sich auch die Lawinengefahr fast stündlich gebessert hat. Und alle sind sich einig: „Gut ist’s gegangen. Nix passiert.“ So oder so ähnlich fällt auch die erste Bilanz der Wildbach- und Lawinenverbauung aus. Nachdem man gestern die Situation der Schutzbauten überprüft hat, stellte man fest, dass diese ihre Wirkung nicht verfehlt haben.

„Die starken Neuschneemengen führten dazu, dass zahlreiche Lawinenanbruchverbauungen tief eingeschneit sind. Aufgrund der teilweise orkanartigen Winde sind auch lokal einzelne mit Stahlstützwerken gesicherte Anbruchgebiete überschneit und es sind massive Schneeverwehungen festzustellen“, hielt der Chef der WLV, Gebhart Walter, in einer Aussendung fest. „Aus den gesicherten Bereichen waren keine nennenswerten Lawinenabgänge zu beobachten. Auch die vor allem nach dem Lawinenwinter 1999 zahlreich errichteten Schutzdämme verhinderten Schäden im Siedlungsraum und lenkten die abgegangenen Lawinen schadlos ab.“

Jetzt gelte es die Situation vor Ort im Detail zu begutachten. Insgesamt fünf Hubschrauber des Landes und des Bundesheers waren auch gestern überall unterwegs. Marcel Innerkofler, Leiter der Landeswarnzentrale, sagte: „Es gilt, den Zustand der Schutzbauten und ihre Kapazitäten im Hinblick auf den noch andauernden Winter zu erfassen.“

In Söll krachte ein Auto (l. u.) in eine Lawine. Bei zahlreichen Flügen wurden unterdessen die Verbauungen kontrolliert.Foto: zoom.tirol. Zeitungsfoto.at (2)
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Eine Bilanz zog man auch seitens der Info-Hotline der BH Reutte, die während der Fernpasssperre eingerichtet wurde. Insgesamt 374 Anrufer zählte man hier innerhalb von rund 24 Stunden.

In Söll ist unterdessen am Dienstagabend ein Pkw in den Schneemassen einer Nassschneelawine stecken geblieben. Eine 44-jährige Frau wurde urplötzlich überrascht, als sie mit ihrem Fahrzeug auf einer Gemeindestraße unterwegs war. Das Auto blieb stecken. Die Frau blieb unverletzt.

Gute Nachrichten gibt es vorerst vom Lawinenwarndienst. Die kritische Situation der vergangenen Tage entspannt sich langsam. Die mächtigen Schneeschichten verfestigen sich zunehmend. Allerdings gilt die Warnung vor frischen Triebschneeansammlungen auch weiterhin. Schon bei geringer Zusatzbelastung kann eine Lawine ausgelöst werden.

Die kommenden Tage versprechen laut den aktuellen Prognosen ein stabiles Hochdruckwetter und besonders milde Temperaturen. Einzige Ausnahme dürfte dabei der Samstag sein – hier könnte es besonders am Arlberg und im Paznaun noch einmal etwas Schnee geben. (TT, mw)