Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.01.2018


Wetter

Schlechtes Fundament für Muren und Hangrutsche in Tirol

Auch nach dem Lawinenwinter 99 gab es Probleme für die Landesgeologie. Weitere Felsstürze bei milden Temperaturen „nicht unwahrscheinlich“.

© Zoom-TirolDas Tauwetter in Kombination mit dem vielen Schnee könnte zu Felsstürzen führen.



Von Marco Witting

Innsbruck – Eben noch im Schneechaos – jetzt schon fast Frühlingsgefühle. Sieben Grad plus gestern in Land­eck, in sonnigen Hanglagen oft über zehn Grad. Das freut die Skifahrer und bereitet den Landesgeologen einige Sorgen. Der Leiter der Landesgeologie, Gunther Heißel, will „kein Pessimist“ sein, gleichzeitig hält er es für „nicht unwahrscheinlich“, dass es in den kommenden Tagen zu vermehrten Hangrutschen und Felsstürzen kommen kann. Und: Der (schlechte) Grundstein für viele Probleme im heurigen Jahr ist gelegt.

Der viele Schnee und die hohen Temperaturen in den kommenden Tagen seien „eine Mixtur“, die für vielfältige Probleme verantwortlich sein könne. „Das hängt natürlich alles auch vom Wetter ab. Aber gerade im Oberland, wo sonst oft wenig Niederschläge sind, kann das zu Ereignissen führen“, sagt Heißel. Außerdem sei dieses Gestein mit jenem etwa in Vals durchaus vergleichbar. Das haben auch die Hangrutsche und Felsstürze am Mittwoch (die TT berichtete) gezeigt. Und Heißel erinnert sich an 1999. Der damalige Lawinenwinter, der ja in den vergangenen Tagen oft als Vergleich zitiert wurde, hatte nach intensiven Niederschlägen im Frühjahr dazu geführt, „dass bis November der Teufel los war“, wie Heißel sich erinnert. In diese Zeit fielen etwa auch die Katastrophe vom Eiblschrofen oder der große Abbruch bei Huben. „Das schlechte Fundament für so etwas ist heuer auch gelegt.“ Man müsse aber abwarten, was wettertechnisch in den kommenden Wochen und Monaten passiere. Gestern blieb die Lage vorerst ruhig. Die Landesgeologen sind in Alarmbereitschaft.

Ihnen steht am Wochenende auch der Black-Hawk-Hubschrauber des Bundesheers zur Verfügung. Er bleibt in Vomp in Wochenendbereitschaft. Insgesamt führten die Helis in den vergangenen Tagen 58 Erkundungsflüge durch, meist um die örtlichen Lawinenkommissionen zu unterstützen. Die fliegerischen Einsatzleitungen der Landeswarnzentrale und des Bundesheeres für diesen Katastrophenschutzeinsatz wurden gestern aber beendet. Die aktuellen Prognosen der Wetterkarten zeigen unterdessen, dass es möglicherweise bis kommenden Mittwoch sehr mild mit Temperaturen um die 10 Grad bleibt.