Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


Wetter

Innsbruck - eine Stadt voll Wetter-Unterschiede

Trockener Süden, feuchter Norden: Die subjektive Empfindung vieler Innsbrucker lässt sich auch anhand von Daten untermauern. Auch sonst bietet das Wetter der Landeshauptstadt viele Herausforderungen.

© Jan HetfleischInnsbruck, Stadt der Wetter-Unterschiede. Wie auf diesem Symbolbild bietet die Stadt alles, was die Wetterküche so hergibt.Foto: Jan Hetfleisch



Von Marco Witting

Innsbruck – Die abendliche Grillage fällt für einen Innsbrucker buchstäblich ins Wasser – ein paar hundert Meter weiter ist es dagegen trocken und die Gäste können auf der Terrasse sitzen bleiben. Für viele Innsbrucker ist klar: Es gibt in der Stadt sehr große Wetterunterschiede. Und so gut wie jeder hat das Gefühl, dass es im Norden der Stadt mehr regnet als im Süden. Doch lassen sich diese subjektiven Einschätzungen beweisen?

Ja, sagt Alexander Radlherr, Meteorologe bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Die mittlere jährliche Niederschlagssumme liegt nördlich der Stadt teilweise bei 2000 Millimeter, im südlichen Bereich bei gerade einmal 850 Millimeter“, sagt Radlherr. Das Inntal sei so etwas wie eine Wetterscheide und südlich sei es eben markant trockener, was daran liegt, dass „das Wetter meist von Westen oder Norden zu uns kommt“.

Ein weiteres Beispiel ist folgende Situation im Umland: „Die Orte Gnadenwald und Rinn liegen auf einer vergleichbaren Höhe nicht weit voneinander entfernt. In Gnadenwald gibt es aber um rund 500 Millimeter Regen jährlich mehr.“ Die Untersuchung von Unterschieden im städtischen Bereich, so erklärt Manfred Bauer, Leiter der ZAMG, gewinne gerade allgemein an Bedeutung. Oft fehle es aber noch an genügend Messstellen – in Innsbruck werde durch die Universität aber speziell der Föhn schon sehr genau untersucht.

„Auch der geht natürlich nicht überall gleich stark“, sagt Radlherr. In der Stadt würde man die höchsten Geschwindigkeiten etwa bei der Messstation am Bahnhof und jener im O-Dorf messen.

Auch für große Temperaturunterschiede ist Innsbruck immer wieder gut. „An Föhntagen kann es im Winter schon sein, dass es am Flughafen noch minus fünf Grad hat, während es im O-Dorf durch den Föhn schon plus zehn Grad hat“, schildert der ZAMG-Meteorologe.

Bemerkenswerte Unterschiede für eine Stadt auf einem engen Raum. Genauso besonders sei die Situation, dass es in Innsbruck aus drei Richtungen Föhn geben kann. In den vergangenen Tagen gab es bereits die ersten Gewitter. Die treten besonders heftig meist im Westen der Stadt auf. „Das liegt daran, dass die Gewitter in diesem Bereich oft durch die Topographie kanalisiert werden.“

„Für Meteorologen ist Innsbruck durchaus eine Herausforderung“, sagt Radlherr. Und die kommenden Tage seien diesbezüglich keine Ausnahme. Nach langer Zeit gibt es „endlich wieder einmal Regen“, wie der ZAMG-Meteorologe erklärt.