Letztes Update am Mi, 01.08.2018 16:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Hitze: Wenig Bierdurst, viel Stau und keine Pause für Fiaker-Pferde

Des einen Freud ist des anderen Leid: Die Hundstage lassen Tirol weiter nicht los — für Abkühlung sorgen lediglich vereinzelt Wärmegewitter. Zur Hitze gesellt sich am Wochenende eine starke Reisewelle. Dazu haben wir ein paar Stau-Tipps parat.

© ROLAND SCHLAGERBei grosser Hitze und Temperaturen über 30 Grad Celsius ist es auch für Fiakerpferde wichtig ausreichend zu trinken. Die Stadt Innsbruck appelliert an die Tierhalter, den Pferden hitzefrei zu geben.



Innsbruck — Der heißeste Tag des Jahres liegt (zumindest vorerst) hinter uns. Mit 36 Grad war es am Dienstag so warm wie nirgendwo sonst in Österreich. Teils herrschen dieser Tage auch im Schatten nicht weniger als 30 Grad — das ist nicht nur für uns Menschen kräftezehrend, sondern auch für Tiere.

Im städtischen Raum sind vor allem Fiaker-Pferde betroffen. Während die Wiener Fiaker-Pferde gemäß Gesetz noch diese Woche hitzefrei bekommen könnten, hat die Stadt Innsbruck dafür keine rechtliche Grundlage.

Auch kein hitzefrei für Arbeitende

Stadtrat Franz X. Gruber appelliert daher an die Tierhalter: „Wir bitten die Fiaker eindringlich, das Wohl der Pferde jetzt ganz besonders im Auge zu behalten." Am Freitag wolle sich eine Tierschutz-Arbeitsgruppe mit dem Thema beschäftigen. Die Innsbrucker Fiaker-Betreiber waren am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen.

Auf Abkühlung muss Bauarbeiter Christian aus Rietz vorerst noch warten.
- Thomas Boehm / TT

Das Recht auf „hitzefrei" gibt es auch für Schüler und Arbeitnehmer nicht. Wohl aber sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, erträgliche Arbeitsbedingungen zu schaffen — dies impliziert sowohl Raumtemperaturen unter 25 Grad als auch keine direkte Sonneneinstrahlung am Arbeitsplatz und für ausreichend Trinkwasser zu sorgen. Ausnahmen gibt es für Bauarbeiter: Wenn es drei Stunden durchgehend 35 Grad hat, muss ein kühlerer Alternativarbeitsplatz gefunden oder das Arbeiten im Freien eingestellt werden. Die Entscheidung darüber obliegt aber dem Arbeitgeber. Wie der ÖGB in einer Aussendung informiert, würden durchwegs hohe Temperaturen zu einem Leistungsabfall von bis zu 70 Prozent führen.

Viele Nerven am Wochenende gefragt

Die Unkonzentriertheit gepaart mit Müdigkeit mündet auch oft in ein gefährliches Fahrverhalten. Dabei ist vor allem in den staugeplagten Sommermonaten oft Ausdauer und Geduld hinterm Steuer gefragt.

Laut dem ÖAMTC rollt auch an diesem Wochenende wieder eine Blechlawine über die Autobahnen. Während in drei deutschen Bundesländern die Sommerferien enden, kommt zeitgleich die zweite Reisewelle aus Bayern und Baden-Württemberg daher. In Tirol vor allem betroffen sind einmal mehr die Fernpassstrecke (B179) zwischen dem Inntal und Füssen, die Brennerautobahn (A13) — vor allem im Raum Schönberg und in Südtirol zwischen Sterzing und Bozen — sowie bei der Ausreise nach Deutschland der Grenzübergang in Kufstein.

Einige Motorsportfans werden auch auf dem Weg zum Motorrad Grand Prix im tschechischen Brünn sein. Durch die Rückreise der deutschen Urlauber und heimfahrende Moto-GP-Besucher wird es besonders an den Grenzübergängen zu langen Wartezeiten kommen.

Um die Fahrt bei den heißen Temperaturen etwas angenehmer zu gestalten, hier einige Tipps:

Tipps bei Stau in der Sommerhitze

  • GETRÄNKE: Autofahrer sollten sich vor Beginn der Fahrt mit ausreichend Getränken - im Idealfall in einer Kühlbox - ausstatten. Das Wasser dann lieber nicht zu kalt genießen, ansonsten ist der Körper damit beschäftigt, die Flüssigkeit wieder auf Körpertemperatur zu erwärmen, was Schweißausbrüche zur Folge hat. Energydrinks und Kaffee steigern die Konzentrationsfähigkeit nur kurzfristig und können eine ausgedehnte Pause — die auch Kindern und Tieren gut tut — nicht ersetzen.
  • MITTAGSHITZE MEIDEN: Wer die Möglichkeit hat, sollte längere Fahrten am besten in den Morgen- oder Abendstunden antreten - das verspricht teils freie Fahrt und erträgliche Temperaturen. Für die große Mittagshitze zwischen 12 und 15 Uhr lieber eine längere Pause im Schatten einplanen.
  • SONNENSCHUTZ: Auch hinter der Autoscheibe ist man vor direkten Sonnenstrahlen nicht geschützt. Eincremen lohnt sich auf jeden Fall. Für die hinteren Scheiben gibt es spezielle Folien, die nicht nur das UV-Licht, sondern auch die für die Hitze im Fahrzeug verantwortliche Infrarot-Strahlung filtern. Alternativ einen Sonnenschutz mit Saugnäpfen anbringen. Wichtig: Front und vordere Scheiben sind davon ausgenommen.
  • ÜBERPRÜFEN: Auch dem Auto machen die hohen Temperaturen zu schaffen. Darum vor Fahrtantritt unbedingt die Kühlmittel überprüfen - und: auf Warnsymbole im Cockpit achten, insbesondere die Motortemperatur. Wenn sie aufleuchtet, braucht der Motor dringend eine Pause zum Abkühlen. Im akuten Fall die Heizung auf die höchste Stufe stellen und die Lüftung voll aufdrehen — so wird dem Motor Hitze entzogen.
  • KLIMAANLAGE: Ist eine gute Sache — wer die Temperaturen aber zu stark herunterkühlt, kann Kreislaufprobleme bekommen. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur sollte nicht mehr als sechs Grad betragen. Der Luftstrom sollte möglichst über die Schultern von Fahrer und Beifahrer vorbeizielen, sonst erkältet man sich im Nu.

Thema Klimaanlage: Fast jeder hat sie mittlerweile, doch wie man sie einsetzt, sorgt oft für heftige Diskussionen zwischen Fahrer und Beifahrer. Ein ÖAMTC-Experte erklärt, wie es richtig geht:

Ohne Klimaanlage kann es im Auto recht schnell zu Temperaturen bis zu 80 Grad kommen. Darum gilt: Egal, wo und egal, wie lange: Wenn Sie das Auto verlassen, lassen Sie Kinder und Haustiere niemals alleine zurück.

Winzer jubeln, Bierbrauer nicht

Und während die einen unter der Hitze leiden, freuen sich die anderen: Die heimischen Winzer gehören zu den Gewinnern der Wetterlage. Nach einer Reihe eher unterdurchschnittlicher Jahre dürfte 2018 die Menge deutlich steigen. Der Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, Johannes Schmuckenschlager, geht von einem Plus von etwa zehn Prozent auf 2,8 Millionen Hektoliter aus.

Während Weinliebhaber Grund zur Freude haben, bremst die Hitzewelle zur Zeit den Bierdurst der Österreicher. „Bei Temperaturen jenseits von 28 Grad trinken die Leute mehr Wasser als Bier", sagt die Geschäftsführerin des österreichischen Brauereiverbandes, Jutta Kaufmann-Kerschbaum. Zudem wird auch die Braugerste aus Österreich knapp, im Vergleich zum Vorjahr geht die Menge um 12 Prozent auf 46.582 Tonnen zurück.

Generell sind die Österreicher aber nahezu „Weltmeister" beim Biertrinken. 106 Liter Bier wurden 2017 inklusive alkoholfreiem Bier pro Jahr und Kopf getrunken, damit liegt das Land im internationalen Vergleich auf Platz zwei nach Tschechien. Und ob sich Innsbruck in Sachen Temperaturen 2018 auf Platz eins halten kann, wird sich in den kommenden Tagen zeigen — denn: Mit der Hitzewelle ist es noch nicht vorbei. (tst)