Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Bezirk Kufstein

Bachanrainer fordern nach Unwettern mehr Schutz

Die Stadt Wörgl schrammte Mittwochnacht knapp an einer größeren Unwetterkatastrophe vorbei. Jetzt wurden besonders im Ortsteil Wörgl-Mayrhofen Rufe nach mehr Schutz vor den Wildbächen laut.

© ZOOM.TIROL



Von Wolfgang Otter

Wörgl – „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“ – diese Meinung hat nicht nur Wörgls Stadtfeuerwehrkommandant Armin Ungericht, sondern viele andere Wörgler auch, wenn sie an die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag denken. Innerhalb kürzester Zeit gingen über der Wildschönau und der Möslalm gewaltige Mengen an Regen nieder. Das Ergebnis ist bekannt: Bäche, eigentlich ansonsten nur Gerinne, wurden innerhalb kurzer Zeit zu reißenden Wildbächen. So auch der Latreinbach in der Stadtmitte und der Stegerbach im Ortsteil Mayrhofen. Beide verklausten und führten in der Folge zu Überschwemmungen in der Stadt und in Wörgl-Mayrhofen.

Der Parkplatz vor dem McDonald’s-Restaurant und jener der Firma Berger wurden zu Retentionsflächen für den Latreinbach, „ansonsten wären die nachfolgenden Häuser unter Wasser gestanden“, weiß Ungericht. Da­runter wären auch Wörgler gewesen, die bereits 2005 Opfer eines Hochwassers von einer anderen Seite aus wurden: als im Jahre 2005 der Damm des Gießens zum Inn brach und das Flusswasser einen ganzen Stadtteil verwüstete. Dieses Ereignis führte auch zum umfangreichen Hochwasserschutzprojekt am Inn.

Kein Wunder, dass sich angesichts des 250-Millionen-Projekts am Inn im unteren Unterinntal die Bewohner im Süden der Stadt, der Stögersiedlung, vernachlässigt fühlen. Seit Jahren, so Anrainer Michael Kreitz, verlange man eine bessere Verbauung des Grabens. Der Bach trete regelmäßig über das Ufer: „Der ist zwar fünf Jahre trocken, aber wenn ein Wetter über die Möslalm drüberkommt, wird es gefährlich. Dann geht jedem hier herinnen der Reis.“ Seit Mittwochabend sei zudem der Graben voller Steine und Baumstämme. „Was mich ärgert, ist, dass erst was passiert, wenn der Schaden groß genug ist. Wir intervenieren fast jedes Jahr, dass wir dringend Schutz brauchen. Aber es zeigt sich niemand zuständig. Wir werden zwischen Gemeinde und Wildbachverbauung hin- und hergeschickt und vertröstet“, erklärt der Wörgler verbittert. Mittwochnacht blieb sein Haus zwar verschont, aber Nachbarn seien betroffen gewesen.

Im Mayrhofner Graben schoss das Wasser ins Richtung Stögersiedlung und transportierte Steine und Holz mit.
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„Wir kennen die Situation. 2013 hat die Stadt schon etwas gemacht. Aber es braucht eine fundamentale Maßnahme“, sagt auch Wörgls Bürgemeisterin Hedi Wechner. Nur zuständig dafür sei die Wildbachverbauung.

In deren Sektion unteres Inntal ist auf Anfrage zu erfahren, dass kein aktuelles Programm vorliegt, aber ein Ansuchen der Stadt von Mitte der 1990er-Jahre. Die Sicherung des Mayrhofner Grabens sei aber in der Prioritätenliste ganz weit hinten. Die Wildbachverbauung habe viele andere Objekte zu schützen, die in der roten Zone liegen. Aber es wurde vom stv. Sektionsleiter Andreas Bletzacher in Aussicht gestellt, dass man der Stadt bei den Aufräumarbeiten behilflich sei.

Bürgermeisterin Wechner will auf alle Fälle ein Gespräch mit der Wildbachverbauung führen und auf eine bessere Sicherung drängen, wie sie gegenüber der TT sagt. Auch der Latreinbach braucht eine Baumaßnahme, wie die Stadtchefin erklärt.

Wichtig, wie man auch bei den Feuerwehren Wörgl und Bruckhäusl betont, sei nun, dass die Auffangbecken und Geschiebesperren so rasch wie möglich geräumt werden. „Das ist auch bereits veranlasst“, sagt die Bürgermeisterin. Dabei darf übrigens das weggeräumte Material nicht einfach endgelagert werden. Es muss in ein Zwischenlager gebracht werden, wo dann ein Fachmann festlegt, wie das Material aus Sicht des Abfallwirtschaftsgesetzes weiter zu behandeln ist. Billig wird dies auf keinen Fall.




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