Letztes Update am Mi, 31.10.2018 15:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heftige Unwetter

Bereits zwölf Todesopfer in Italien, Kulturgüter in Venedig beschädigt

Eine Unwetterfront zieht seit Wochenbeginn über Teile Süd- und Mitteleuropas. Besonders betroffen sind weite Teile Italiens. Mittlerweile gibt es zwölf Todesopfer zu beklagen. In Venedig hat das Hochwasser der weltberühmtes Markusbasilika Schäden zugefügt.



Rom – Die Zahl der Opfer der schweren Unwetter in Italien ist auf zwölf gestiegen. Die Behörden haben keine Hoffnungen mehr, einen seit Sonntag vermissten türkischen Segler zu finden, der vor der Küste der Stadt Catanzaro in der süditalienischen Region Kalabrien verschwunden ist, berichteten italienische Medien.

Zuletzt wurde die Leiche eines 61-Jährigen aus dem Ort Falcade in der Dolomiten-Provinz Belluno geborgen. Sein Auto war mit laufendem Motor und offenen Türen unweit eines Flusses entdeckt worden, der wegen der schweren Niederschläge der vergangenen Tage über die Ufer getreten war. Es handelt sich um das zweite Todesopfer in der Provinz Belluno seit Beginn der schweren Unwetter. Die deutsche Sprachinsel in Belluno Plodn/Sappada war weiterhin nach Erdrutschen vom Rest der Welt abgeschnitten

Betroffen war ebenfalls die Hauptstadt Rom, in der viele umgestürzte Bäume am Dienstag die Straßen blockierten.
Betroffen war ebenfalls die Hauptstadt Rom, in der viele umgestürzte Bäume am Dienstag die Straßen blockierten.
- AFP

Zwei Miro-Wandteppiche beschädigt

In Venedig besserte sich allmählich die Lage. Der Markusplatz hatte am Montag bis zu anderthalb Meter tief unter Wasser gestanden. Die Behörden beklagten Schäden in der Markusbasilika. Einige Dutzend Quadratmeter des jahrhundertealten Mosaik-Fußbodens in Marmor wurden vom Salzwasser überschwemmt. Wasser drang auch in das Baptisterium und in die Kapelle Zen ein, in der sich Bildzyklen und Einzelszenen aus der Legende des Heiligen Markus befinden. Das Wasser erreichte auch die byzantinischen Bronzetore und die Säulen, teilten die Behörden in Venetien mit. „In 24 Stunden ist die Markusbasilika um 20 Jahre gealtert“, betonte Carlo Alberto Tesserin, der für die Basilika zuständig ist. Im neuen Jahrtausend wurde die Basilika zum zweiten Mal überschwemmt. Die Überschwemmung vom Montag war die fünfte in der tausendjährigen Geschichte der Basilika.

Der Markusplatz stand unter Wasser.
Der Markusplatz stand unter Wasser.
- imago stock&people

Zwei Wandteppiche des Künstlers Joan Miro (1893-1983), die im Rahmen einer Schau in Venedig hätten ausgestellt werden sollen, sind ebenfalls beschädigt worden. Infolge des Hochwassers kam es zu Problemen mit der Toilette im zweiten Stockwerk des Palazzo Zaguri, in dem die Ausstellung mit Wandteppichen großer Künstler am Donnerstag eingeweiht werden soll.

Wasser drang nachtsüber von den Toiletten in den zweiten Stock ein und beschädigte die Wandteppiche, die sich noch in Schachteln befanden. Jeder der beiden Teppiche ist mindestens eine halbe Million Euro Wert. Die beiden Werke wurden umgehend zur Restaurierung in ein Atelier gebracht.

- AFP

Rom bereitet sich auf weitere Niederschläge vor

Besonders schwierig ist die Lage in Ligurien. Bis zu zehn Meter hohe Wellen brachen sich am Dienstag an der Küste der Riviera. Im renommierten Badeort, rund 30 Kilometer südöstlich von Genua, riss der Sturm Luxusjachten aus ihren Vertäuungen und ließ sie aufs Ufer krachen.

Fast 200 Jachten wurden durch die bis zu zehn Meter hohen Wellen zerstört, darunter auch die „Suegno“ im Besitz des Sohnes von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Pier Silvio Berlusconi und seine Familie konnten die Badeortschaft Portofino nicht verlassen, da eine Zufahrtstraße zur Ortschaft schwerbeschädigt wurde und nicht befahrbar ist.

- AFP

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi warnte vor weiteren Niederschlägen in den kommenden Tagen in der Hauptstadt. Die Gemeinde Rom sei bemüht, die Straßen sauber zu halten, um Überschwemmungen zu verhindern. Die Schulen sind in Rom am Mittwoch nach zwei Tagen wieder offen.

Der italienische Wetterdienst sagte für die nächsten Tage weiteren Regen vorher, doch dürfte sich die Lage im ganzen Land langsam wieder beruhigen. (APA, TT.com)

In Ligurien riss der Sturm Luxusjachten aus ihren Vertäuungen und ließ sie aufs Ufer krachen.
In Ligurien riss der Sturm Luxusjachten aus ihren Vertäuungen und ließ sie aufs Ufer krachen.
- AFP