Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


Winterwetter

Nach dem Schnee ist vor dem Schnee, Details zu tödlicher Lawine

Zumindest bis zum Sonntag setzen die heftigen Schneefälle der vergangenen Tage aus, die Lawinengefahr bleibt vorerst jedoch groß. Neue Details gibt es zum tödlichen Lawinenunglück in St. Anton vom Mittwoch.

Den tiefen Winter beim Seekirchl in Seefeld genossen gestern Gäste beim Wandern und auf der Loipe.

© Thomas Boehm / TTDen tiefen Winter beim Seekirchl in Seefeld genossen gestern Gäste beim Wandern und auf der Loipe.



Von Benedikt Mair und Nikolaus Paumgartten

Innsbruck — Durchatmen. Das Wetter heute und morgen verschafft den schneegeplagten Einsatzkräften und Straßendiensten zumindest eine kurze Verschnaufpause. Laut Meteorologen beginnt der Tag in weiten Teilen Tirols bereits heiter und auch im Unterland klingen die Schneeschauer langsam ab. Der leichte Schneefall am Abend und am Samstag geht am Sonntag allerdings wieder in kräftigere Niederschläge über. „Dieses Wetterfenster wollen wir nutzen, um ab Freitag in enger Abstimmung mit den Behörden und den Lawinenkommissionen Erkundungsflüge durchzuführen, um uns ein umfassendes Bild von der Schneesituation zu machen und weitere Beurteilungen treffen zu können", erklärt Marcel Innerkofler, Leiter der Landeswarnzentrale.

Die Lawinensituation bleibt jedoch trotz Wetterberuhigung angespannt. Gestern galt in Tirol noch Warnstufe 4, also große Lawinengefahr. Im Gebirge könnte es damit ab heute besonders kritisch werden. Vor allem deshalb, weil ein klarer Himmel und massenweise Schnee die Wintersportler auf die Berge locken werden, ist Rudi Mair vom Lawinenwarndienst für Tirol überzeugt. Er warnt daher eindringlich davor, die gesicherten Pisten zu verlassen: „Bei der vorherrschenden Situation reicht schon ein halber Meter abseits der Piste, um unter eine Lawine zu kommen. Wenn du dort erfasst wirst, dann bist du nur noch Passagier."

Dass es immer wieder Unverbesserliche gebe, die Lawinenwarnungen nicht ernst nehmen, damit müsse man leben, sagt Mair. „Allerdings darf man dabei nicht die überwiegende Mehrheit der Wintersportler vergessen, die vernünftig und verantwortungsvoll mit unseren Informationen umgehen und sich aufgrund dieser nicht leichtfertig in Gefahr begeben."

Details zu tödlichem Lawinenunfall in St. Anton

Wie schnell Leichtsinn in einem tragischen Unglück Enden kann, zeigte sich am Mittwoch in St. Anton. Ein 16-jähriger Australier wurde, wie berichtet, vor den Augen seiner Familie von einer Lawine verschüttet und konnte nach rund 20 Minuten nur noch tot in einem Bachbett liegend geborgen werden. Die vierköpfige Familie hatte sich, anders als zunächst angenommen, nicht in den freien Skiraum verirrt, sondern bereits mehrere Variantenfahrten unternommen. Gegen 16.40 Uhr geriet sie in extrem unwegsames Gelände, ein Notruf wurde abgesetzt. Beim Warten auf die Retter ging laut Polizei die Lawine ab. Wer oder was die Lawine auslöste, ist noch unklar. Der 16-Jährige wurde zwei Meter tief verschüttet, seine Mutter (55) nur teilweise und konnte sich selbst befreien. Vater (58) und Bruder (14) wurden nicht erfasst.

Die Gemeinden Galtür, St. Leonhard im Pitztal und Kaunertal, die vorübergehend auf dem Straßenwege aufgrund von vorbeugenden Sperren nicht zu erreichen waren, sind mittlerweile wieder erreichbar. Im Außerfern sind einige Ortschaften vorübergehend nicht erreichbar, ebenso wie das Kühtai, Hochfügen, Finkenberg Astegg, der Zillergrund und Teile Wiesings. Aus Sicherheitsgründen wurden gestern etwa 15 Menschen mit Hilfe des Bundesheeres aus dem Wattental gebracht.

Wegen anhaltend starker Schneefälle sind auch viele Bahnstecken in Tirol bis auf Weiteres unterbrochen. Dazu gehören die Verbindungen zwischen Hochfilzen und Saalfelden, zwischen Innsbruck und Mittenwald und seit gestern auch die Außerfernbahn-Strecke zwischen Reutte und Garmisch.


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