Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.01.2019


Exklusiv

Entschädigung für den Einsatz Freiwilliger im Schneechaos

Der Bund soll Arbeitgeber finanziell unterstützen, die freiwillige Feuerwehrleute für mehrtägige Großereignisse freistellen. Die Verhandlungen mit dem Bund laufen.

Die außergewöhnliche Schneesituation hat den Freiwilligen auch in Tirol viel abverlangt.

© feuerDie außergewöhnliche Schneesituation hat den Freiwilligen auch in Tirol viel abverlangt.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck — Dächer von der Schneelast befreien, die eingeschlossene Bevölkerung versorgen, Lawineneinsätze abwickeln, Verkehrswege freischaufeln und Fahrzeuge bergen: Rund 22.000 Einsatzstunden der Feuerwehr, 2500 Einsatzstunden der Bergrettung — und das allein in Tirol.

„Wir sind mit der Tiroler Wirtschaftskammer im Gespräch über eine Auszeichnung ‚Bergrettungsfreundlicher Betrieb‘", so Hermann Spiegl 
(Bergrettung-Landesleiter).
„Wir sind mit der Tiroler Wirtschaftskammer im Gespräch über eine Auszeichnung ‚Bergrettungsfreundlicher Betrieb‘", so Hermann Spiegl 
(Bergrettung-Landesleiter).
- peter hoelzl

Die extreme Schneesituation hat den freiwilligen Kräften in Österreich vor allem in den vergangenen zwei Wochen viel abverlangt. Viele Freiwillige verschiedener Organisationen wie Bergrettung oder Feuerwehr waren tagelang im Einsatz, um die weiße Pracht in den Griff zu bekommen. Das hieß auf der anderen Seite für viele Arbeitgeber, dass sie in dieser Zeit auf ihre Mitarbeiter verzichten mussten. Grund genug für den Österreichischen Bundesfeuerwehrverband, seine seit Längerem bestehende Forderung an die Bundesregierung zu forcieren. Laut Tirols Feuerwehrkommandant Peter Hölzl geht es darum, „dass ein Bonussystem eingeführt werden soll, mit dem der Bund die Arbeitgeber finanziell unterstützt, die Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren freistellen. Damit wäre für Betriebe, die bereit sind, Freiwillige freizuspielen, viel getan."

Hölzl betont, dass es nicht darum gehe, „die Freiwilligenarbeit an sich zu entschädigen, sondern es geht um mehrtägige Katastropheneinsätze oder mehrtägige Großereignisse". Noch laufen die Verhandlungen mit dem Innenministerium, aber der Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, Albert Kern, zeigt sich in einer Aussendung zuversichtlich, „dass mit dem Rückenwind der aktuellen Ereignisse die Gespräche bald zu einem für alle Seiten zufriedenstellenden Ergebnis kommen werden". Die Einsatzsituation der vergangenen Wochen habe gezeigt, „dass Bedarf an einer bundesweit einheitlichen Regelung besteht", betont Kern. Wenn auch das Land Tirol mit einer finanziellen Unterstützung mitziehen würde, wäre der Tiroler Feuerwehrverband nicht abgeneigt, wie Hölzl betont.

Fahrzeuge mussten geborgen, Dächer abgeschaufelt und Verkehrshindernisse (wie hier umgefallene Bäume) beseitigt werden.
Fahrzeuge mussten geborgen, Dächer abgeschaufelt und Verkehrshindernisse (wie hier umgefallene Bäume) beseitigt werden.
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1200 Einsätze und rund 22.000 Einsatzstunden wurden von der Feuerwehr geleistet.
1200 Einsätze und rund 22.000 Einsatzstunden wurden von der Feuerwehr geleistet.
- ZOOM.TIROL

„Wir sehen uns jetzt einmal an, was mit dem Bund ausverhandelt wird. Es macht sicher keinen Sinn, das parallel in einzelnen Bundesländern zu regeln", sagt Christa Entstrasser-Müller vom Büro LH-Stellvertreter und Sportreferent Josef Geisler. Zudem dürfe man nicht vergessen, „dass es neben der Feuerwehr, die natürlich Großartiges leistet, auch andere Einsatzorganisationen gibt. Und was ist dann mit deren Arbeitgebern?", so Entstrasser-Müller. Nicht finanziell, aber mit der Auszeichnung „Feuerwehrfreundlicher Betrieb" belohnt werden bereits jene Firmen, die ihre Mitarbeiter für die Freiwilligeneinsätze (inklusive Ausbildung) dienstfrei stellen. Wie diese Dienstfreistellung genau aussieht, „wird betriebsintern gelöst", erklärt Hölzl. In manchen Unternehmen muss man sich Urlaub nehmen, in anderen geht es über den Zeitausgleich. Einige Firmen tun sich mit der Dienstfreistellung von Freiwilligen leichter, in anderen ist es schwieriger, gerade bei längeren Einsätzen. „Wenn es z. B. um einen Mitarbeiter geht, der auf Montage ist oder der Betrieb sehr klein ist."

In Österreichs am meisten betroffenen Schnee-Krisenregionen, „in denen die Menschen eingeschlossen waren, hat sich gezeigt, dass die Betriebe für die Freiwilligenarbeit viel Verständnis haben", sagt Hermann Spiegl, Landesleiter der Tiroler Bergrettung. Wie die generelle Einstellung der Tiroler Unternehmer zur Freiwilligenarbeit ist, „dazu gibt es leider keine Statistik". Man kenne nur die positiven Beispiele und diese sollen in Zukunft auch belohnt werden. „Wir sind mit der Tiroler Wirtschaftskammer im Gespräch über die Auszeichnung ?Bergrettungsfreundlicher Betrieb', wie sie es in Salzburg bereits gibt", sagt Spiegl.

Auch für die Bergretter gilt: Manche Firmen ziehen alle Stunden der Freiwilligenarbeit vom Urlaub ab, „andere brauchen zumindest am ersten Einsatztag keinen Urlaub zu nehmen", weiß Spiegl. Dass die Unternehmen für mehrtägige Einsätze nicht alles auf ihre Kappe nehmen können, ist für Spiegl verständlich. „Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Aber längere Einsätze sind in Wahrheit ja sowieso selten." Dass die Betriebe, die Freiwillige als Mitarbeiter haben, auch selber von der Freiwilligenarbeit profitieren, ist Spiegl überzeugt: „Es steigert die Motivation und das zahlt sich immer aus", sagt der Bergrettungs-Landesleiter.