Letztes Update am Mo, 06.05.2019 09:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Winterwetter in Tirol

Wintereinbruch in Tirol: Nach dem Schnee kommt der Frost

In ganz Tirol herrschen seit Sonntag winterliche Verhältnisse und es ist für Mai rekordverdächtig kalt. Mit dem Schnee ist es vorerst vorbei, aber die Temperaturen sinken noch weiter.

Tulpen im Schnee in einem Garten in Imst. Anblicke wie dieser bieten sich derzeit in ganz Tirol. Unter leserfotos.tt.com könnt ihr eure Schneebilder hochladen.

© Thomas BöhmTulpen im Schnee in einem Garten in Imst. Anblicke wie dieser bieten sich derzeit in ganz Tirol. Unter leserfotos.tt.com könnt ihr eure Schneebilder hochladen.



Innsbruck — Schneefälle bis ins Tal, Temperaturen um den Gefrierpunkt und auch darunter, Lawinengefahr: Obwohl laut Kalender bereits der Wonnemonat Mai angebrochen ist, sind die Verhältnisse in Tirol tiefwinterlich. Und es könnte noch schlimmer kommen: Meteorologe Werner Troger (Meteoexperts Lienz) rechnet von Montag auf Dienstag mit einer klaren und daher eiskalten Nacht: „Die Temperaturen werden in höheren Tallagen auf fünf bis sogar zehn Grad unter null sinken. Damit drohen enorme Schäden für die Vegetation." Auch schon am Sonntag war's vielerorts eisig. Am kältesten am Brunnenkogel im Oberland, wo das Thermometer selbst mittags nur 16 Grad unter null anzeigte. Am Patscherkofel hatte es zur selben Zeit minus neun Grad. Der kälteste bewohnte Ort war Hintertux mit drei Grad minus.

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Die besten Leserfotos: Das ist der Frühling in Tirol

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Apfelblüte und Sonnenuntergang in Hall

© Claudia Schneider

Sonnenaufgang auf der Serles

© Stefanie Valentini

Naturschauspiel in der Aschauer Tiefenbachklamm.

© Gertrud Hörhager

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Die „Hitzepole" lagen gegen 13 Uhr in Lienz und Haiming — jeweils 4,3 Grad plus. Begleitet wurde die Kälte von Schneefällen. „In Obertilliach lagen kurzzeitig 20 Zentimeter", berichtet Troger. Und auch in Reutte sammelten sich 16 Zentimeter an. Sogar in Innsbruck fielen am Vormittag Flocken, der Schnee blieb aber nicht mehr liegen. Unterm Strich Verhältnisse, die die ZAMG mit Ende Februar vergleicht. Im Mai war es zuletzt 1945 so kalt. Die Schneefälle führten aber auch zu einem Anstieg der Lawinengefahr auf Stufe 3. Der Lawinenwarndienst machte vor allem auf frische Triebschneeansammlungen oberhalb der Waldgrenze aufmerksam. Lawinen könnten bereits von einzelnen Sportlern ausgelöst werden. Auch Selbstauslösungen seien möglich.

Kaum Auswirkungen auf den Verkehr

Auf den Tiroler Straßenverkehr hatte der Wintereinbruch kaum Auswirkungen. Obwohl die meisten Autofahrer bereits mit Sommerreifen unterwegs waren, kam es zu keinen Staus. „Alle Straßen sind frei befahrbar", meldete Markus Widmann, Chef der Polizei-Verkehrsabteilung, am Nachmittag. Auch Unfälle blieben aus.

Großer Umzug beim Gauder Fest abgesagt

Beim Gauder Fest im Zillertal musste witterungsbedingt erstmals in der Geschichte der große Festumzug inklusive Feldmesse abgesagt werden. Bei Schneetreiben und Temperaturen um die Null Grad fand nur eine Messe in der Kirche statt. Im Festzelt trafen sich danach die restlichen Teilnehmer und feierten den letzten Tag des Gauder Festes.

Schafe im verschneiten Axams.
Schafe im verschneiten Axams.
- zeitungsfoto.at

Wetterberuhigung in Sicht, aber es bleibt kühl

Am Montag beruhigt sich laut ZAMG-Prognose das Wetter, es kann ein wenig auflockern. Es schneit und regnet vor allem noch an der gesamten Nordseite der Alpen zeitweise. Die Schneefallgrenze liegt anfangs bei etwa 600 bis 900 Metern, tagsüber dann bei 800 bis 1200 Metern.

Der Dienstag startet kalt und vor allem im Westen und Süden ist auch leichter Frost möglich. Am Nachmittag hat es dann zwischen 10 und 16 Grad. Außerdem bleibt es trocken und in vielen Regionen zeigt sich zumindest zeitweise auch die Sonne. Am Mittwoch in der Früh wird wieder kalt und besonders in einigen Tälern auch frostig, mit Temperaturen zwischen 13 und 21 Grad am Nachmittag

Weiterhin wechselhaft

Am Mittwoch wird es im Großteil Österreichs einigermaßen sonnig, besonders im Norden und Osten. Von Vorarlberg bis Oberkärnten ziehen im Laufe des Tages allerdings Wolken auf und bringen spätestens gegen Abend auch Regen. Die Schneefallgrenze liegt bei 2000 Meter.

Schnee und Kälte hielten auch im Zillertal Einzug.
Schnee und Kälte hielten auch im Zillertal Einzug.
- Fankhauser / TT

Am Donnerstag und Freitag kündigt die ZAMG wechselhafte Verhältnisse mit Sonne, Wolken und Schauern an. Für Mai sei es nach wie vor etwas zu kalt, mit Höchstwerten zwischen 13 und 20 Grad. Die Entwicklung für das Wochenende sei noch sehr unsicher. Nach einer sonnigen und sehr warmen Wetterlage sieht es laut den Wetterfröschen derzeit aber nicht aus. /TT.com)

Durchschnittlich nur alle sieben bis zehn Jahre

Kaltlufteinbrüche im Mai kommen in Österreich immer wieder vor, aber das aktuelle Ereignis ist doch eher ungewöhnlich. „Ein paar Tage mit Neuschnee gibt es im Mai unterhalb von 1000 Meter Seehöhe durchschnittlich etwa alle drei bis fünf Jahre", erklärt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Unterhalb von 800 Meter Seehöhe sei Neuschnee im Mai aber schon deutlich seltener und komme statistisch gesehen nur ungefähr alle sieben bis zehn Jahre vor."

Am Sonntag lag die Nachmittagstemperatur an rund 90 Messstationen unter sechs Grad. „So verbreitet so kalt war es in einem Mai zuletzt in den Jahren 1991, 1989, 1982, 1980 und 1979", so Orlik. Vor den 1990er-Jahren seien derartige Kaltlufteinbrüche deutlich häufiger vorgekommen als in den letzten Jahren. „Denn der Mai ist, wie alle anderen Monate, in den letzten Jahrzehnten deutlich wärmer geworden", betont Orlik.