Letztes Update am So, 12.05.2019 14:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unwetter in Österreich

Großeinsätze: Starkregen und Hagel in Burgenland, Niederösterreich und Steiermark

Zahlreiche Feuerwehren waren ab Samstagnachmittag im Burgenland, Niederösterreich und in der Steiermark stundenlang im Einsatz. Straßen waren zentimeterhoch mit Hagel bedeckt, Keller überflutet, Muren gingen ab und landwirtschaftliche Kulturen wurden stark beschädigt. Betroffen waren vor allem die Bezirke Mattersburg, Neunkirchen, Wiener Neustadt und Bruck-Mürzzuschlag.

In und um Wiener Neustadt befanden sich die Feuerwehren im Dauereinsatz.

© Feuerwehr Wiener NeustadtIn und um Wiener Neustadt befanden sich die Feuerwehren im Dauereinsatz.



Mattersburg, Neunkirchen, Wiener Neustadt, Liezen – Gewitterzellen, die ab Samstagnachmittag mit Starkregen und Hagel niedergingen, haben im Burgenland, im Süden Niederösterreichs und in der Steiermark ihre Spuren hinterlassen. Eine Vielzahl überfluteter Keller, über die Ufer getretene Bäche und Vermurungen hielten bis in die Nacht alle Feuerwehren im burgenländischen Bezirk Mattersburg auf Trab, auch der Katastrophenhilfsdienstzug des Bezirks Oberpullendorf musste zur Unterstützung angefordert werden. Die Aufräumarbeiten waren am Sonntag danach in vollem Gange: Sie starteten nach Angaben von Richard Resch vom Bezirksfeuerwehrkommando Mattersburg gegen 9 Uhr, mit einem Ende wurde für die Nachmittagsstunden gerechnet. Die Feuerwehrmitglieder gingen vor allem in Mattersburg, Sigleß, Forchtenstein und Pöttsching zu Werke.

Nach Angaben der Landessicherheitszentrale (LSZ) Burgenland wurden von 16 Uhr am Samstag bis Sonntagfrüh um 7 Uhr 98 Einsätze von 39 Feuerwehren gezählt. Lediglich von 19 bis 21 Uhr seien die Alarmierungen am Samstagabend wetterbedingt etwas zurückgegangen. Verletze gab es nicht, betonte die LSZ. Hauptsächlich betroffen war der Bezirk Mattersburg, vereinzelt waren die Helfer auch im Bezirk Oberpullendorf und in Eisenstadt gefragt.

Der KHD-Zug des Bezirks Oberpullendorf, der mit 13 Fahrzeugen und 77 Mitgliedern im Unwettergebiet rund um Sigleß, Forchtenstein und Wiesen im Einsatz gestanden war, rückte gegen 2 Uhr wieder ein, sagte Resch. Jene Familie, deren Haus in Forchtenstein unterspült wurde, sei an einem sicheren Ort untergebracht. Es handle sich – aufgrund eines in der Nähe des Gebäudes vorbeiführenden Baches – um leidgeprüfte und überschwemmungserprobte Personen: „Sie sind es gewohnt, dass sie das Haus nach schweren Regenfällen verlassen müssen“, sagte Resch. Das gesamte Ausmaß der Unwetterschäden werde nicht vor Montag sichtbar werden, wurde seitens des Bezirksfeuerwehrkommandos betont.

50 Keller überflutet, Stadt ohne Strom

Begonnen hatte alles am Samstag um etwa 16.30 Uhr mit Regenfällen, schilderte Resch. Ein Hagelgewitter sei über Forchtenstein, Wiesen und Bad Sauerbrunn gezogen. Bald darauf begannen erste Auspumparbeiten.

Auf den Straßen kam es zu Überflutungen.
Auf den Straßen kam es zu Überflutungen.
- Feuerwehr Wiener Neustadt

Später, um etwa 20 bis 20.30 Uhr, sei ein weiteres Hagelunwetter über Mattersburg und Walbersdorf niedergegangen. Ihm folgte kurz darauf ein drittes Gewitter, das bis nach Pöttelsdorf reichte. In Pöttelsdorf seien größere Hagelkörner gefallen. „Es hat wahnsinnig geschüttet“, berichtete Resch.

In Mattersburg habe die Feuerwehr 50 Keller ausgepumpt: „Die Stadt war teilweise ohne Strom.“ Kanaldeckel seien vom Wasserdruck angehoben worden. Im Mühlgraben, einer Gasse in der Bezirkshauptstadt, sei das Wasser „wie ein Bach“ einen halben Meter hoch geflossen. In Forchtenstein sei ein Haus unterspült worden. Die Familie, die das Gebäude bewohnte, wurde in Sicherheit gebracht.

Samstagabend wurde auch der Katastrophenhilfsdienstzug (KHD-Zug) des Bezirks Oberpullendorf aktiviert und machte sich mit 13 Fahrzeugen und 77 Einsatzkräften auf den Weg ins Unwettergebiet, so der Feuerwehrsprecher. Diese Kräfte seien zunächst aufgeteilt worden auf Forchtenstein, Wiesen und Sigleß, wo gegen 0.30 Uhr Auspumparbeiten begannen.

In Sigleß habe ein Bach die Hauptstraße überflutet, so Resch. Zwischen Wiesen und Forchtenstein sei ebenfalls ein Bach über die Ufer getreten. Auf der S31 seien bei Mattersburg, wo die Schnellstraße derzeit verbreitert wird, Bagger und Schneepflüge eingesetzt worden, um die Fahrbahn frei zu halten.

Genau über die Erdbeergebiete in Wiesen und Bad Sauerbrunn war der Hagel niedergegangen.
Genau über die Erdbeergebiete in Wiesen und Bad Sauerbrunn war der Hagel niedergegangen.
- ÖHV

Schäden bei Erdbeerkulturen, Mais und Weizen

In Wiesen war die Feuerwehr noch nach Mitternacht mit dem Auspumpen von Kellern und mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Auch von Vermurungen in Wiesen und Forchtenstein wurde berichtet, so Resch. Auf Anhöhen seien Häuser bis zur Kellerdecke unter Wasser gestanden.

Der KHD-Zug des Bezirks Oberpullendorf sollte während der Nacht zunächst weiter Pumparbeiten durchführen. Feuerwehren im Bezirk Mattersburg würden dann einrücken und in Bereitschaft gehen, erläuterte Resch. Nach Abschluss der Auspump- und Aufräumarbeiten gelte es, die durch das Unwetter entstandenen Schäden festzustellen.

Auch das volle Ausmaß der Zerstörung bei den Erdbeerkulturen in Wiesen und Bad Sauerbrunn werde sich dann zeigen: „Der Hagel ist genau über die Erdbeergebiete drübergegangen“, berichtete der Feuerwehrsprecher. Landwirte hätten weiters von Schäden bei Mais und Weizen berichtet.

Über Wiesen und umliegende Gebiete war ein Hagelgewitter gezogen.
Über Wiesen und umliegende Gebiete war ein Hagelgewitter gezogen.
- Freiwillige Feuerwehr Wiesen

Straßen bis zehn Zentimeter hoch mit Hagel bedeckt

Auch der niederösterreichische Bezirk Neunkirchen südwestlich von Wiener Neustadt kam in der Nacht auf Sonntag wegen schwerer Gewitter mit Starkregen und Hagel nicht zur Ruhe. Rund 200 Mitglieder von 18 Feuerwehren waren bis etwa 1.00 Uhr im Einsatz, sagte Bezirkskommandant Josef Huber. Hauptsächlich betroffen waren das Wechselgebiet sowie das Pittental. In der zweiten Nachthälfte entspannte sich die Lage Huber zufolge.

Die meisten Einsätze wurden in Aspang, Tauchen, Edlitz, Grimmenstein und Thomasberg verzeichnet. Es habe „verschiedenste Szenarien“ gegeben, hielt Huber fest. So seien Straßen teilweise fünf bis zehn Zentimeter mit Hagel bedeckt gewesen, die Körner hätten wiederum Abflüsse verlegt. Wie auch der ORF Niederösterreich berichtete, rückte die Straßenmeisterei mit Schneepflügen aus, um die Fahrbahnen zu räumen.

Mehrere Keller und Wohnhäuser wurden von den Helfern ausgepumpt. „Es kam auch zu kleinflächigen Überflutungen“, sagte Huber. Aus der rund 50 Zentimeter unter Wasser stehenden Unterführung der Autobahnraststation Zöbern musste dem Bezirkskommandanten zufolge ein Auto geborgen werden. Insgesamt habe es bis zu 22 Schadensstellen gleichzeitig gegeben.

Angeschlagen habe zudem der Hochwasserpegel der Pitten bei Scheiblingkirchen, was die Feuerwehrleute zu mehreren Kontrollfahren veranlasste. Sonntagfrüh bestand in diesem Bereich aber keine Gefahr mehr, betonte Huber.

Bereits am Samstagnachmittag kam es außerdem auch im Raum Wiener Neustadt zu Überflutungen. Die Feuerwehr wickelte innerhalb weniger Stunden mehr als 25 Einsätze ab und war etwa mit unter Wasser gesetzten Kellern beschäftigt.

Regen und Blitzschlag in der Steiermark

Auch die steirischen Feuerwehren mussten am Samstagabend gleich zu mehreren Unwettereinsätzen ausrücken. Wie der Feuerwehrverband Liezen in einer Aussendung mitteilte, spielten sich die Einsätze vor allem in der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr ab. Es galt auch, zwei Brände zu löschen, die durch Blitzschlag ausgelöst wurden. Der Großteil der Einsätze war rund um die Bezirkshauptstadt Liezen zu bewältigen. In Tausing stand eine Hausetage unter Wasser, die von der Feuerwehr ausgepumpt wurde. In Stainach trat ein Bach über die Ufer und vermurte Verkehrswege, auch bei der Volksschule Wörschach galt es einen Unwettereinsatz zu bewältigen. Weiters waren die Feuerwehren Niederöblarn und Stein an der Enns mit Auspumparbeiten beschäftigt.

In Irdning wurde ein Zimmerbrand nach einem Blitzschlag gemeldet, der von zwei Feuerwehren bekämpft wurde. Und zu einem Brand wegen eines Blitzschlags kam es auch in der Gemeinde Kindberg (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag), teilte die Polizei am Sonntag mit. Das Feuer war im Bereich des Vorhauses ausgebrochen, den Hausbewohnern gelang es, den Großteil des Brandes zu löschen. Die Freiwillige Feuerwehr Kindberg-Hadersdorf und die Berufsfeuerwehr der Voestalpine übernahmen die Nachlöscharbeiten. Verletzt wurde niemand. (APA/TT.com)