Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Bezirk Schwaz

Sommer mit Verspätung: Schnee macht Hüttenwirten zu schaffen

Von der Lamsenjochhütte im Karwendel bis zur Olpererhütte im hintersten Zillertal: Der viele Schnee machte den Hüttenwirten heuer zu schaffen. Der Start in die Saison musste teils um 14 Tage verschoben werden.

Noch vor wenigen Wochen versank das Friesenberghaus (l.) im Schnee.

© FreisenberghausNoch vor wenigen Wochen versank das Friesenberghaus (l.) im Schnee.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Noch vor drei Wochen ist Hüttenwirtin Susanne Albertini mit den Schneeschuhen bis zum Friesenberghaus auf 2498 Metern im Zillertal gestapft. An eine Eröffnung war da noch nicht zu denken. Nicht weit entfernt wagte auch Hüttenwirtin Katharina Daum mit den Tourenskiern den Aufstieg zur Olpererhütte. Und am Weg zur Kellerjochhütte musste Pächterin Veronika Felderer erst mit versammelter Mannschaft den Weg zum Lastenlift freischaufeln.

Während im Tal schon alle mit kurzen Hosen und T-Shirts herumgelaufen sind, herrschte auf den alpinen Hütten im Bezirk Schwaz teils noch tiefster Winter. „Von unserem Ziegenstall war zehn Tage vor der Eröffnung am letzten Wochenende noch nichts zu sehen“, erzählt Daum von der Olpererhütte. Sie konnte heuer erst mit 14-tägiger Verspätung aufsperren. „Dann mussten wir in den ersten Tagen noch die Heliversorgung wegen Föhnsturms verschieben. Mit einem Sack Kartoffeln, Speck und Eiern sind wir aber gut über die Runden gekommen“, sagt die Wirtin. Mittlerweile werde es grün um die Hütte. Innerhalb von zehn Tagen habe sich nun viel getan. Der Zustieg zur Hütte vom Schleigeisstausee ist mittlerweile frei. Alle anderen Wege seien aber noch zum Teil schneebedeckt und nur mit entsprechender Ausrüstung machbar. Vor allem die Neumarkterrunde in Richtung Friesenberghaus.

Dort hatten die Hüttenwirte noch vor wenigen Wochen alle Hände voll zu tun – beim Schneeschaufeln. Sie haben letzten Samstag geöffnet. „Vorher wäre nicht gegangen. Die Schwierigkeit war, dass wir kein Wasser hatten“, sagt Albertini. Die zwei Quellen für die Hütte sind mit drei Meter hohen Stangen markiert. „Die ragen normalerweise aus dem Schnee heraus. Wir haben lange gesucht, konnten aber nur eine finden“, sagt die Wirtin. Mittlerweile lichten sich die letzten Schneefelder. Ein paar müsse man auf dem Weg zur Hütte noch überwinden, aber das sei kein Problem.

Mittlerweile wird es langsam grün rund um die Hütte im Zillertal.
Mittlerweile wird es langsam grün rund um die Hütte im Zillertal.
- Friesenberghaus

Auch der Zustieg zur Zittauer Hütte im Wildgerlostal ist ausgeapert. „Wir haben heuer ein bis zwei Wochen später erst öffnen können. Ob sich das mit Einbußen auf die Saison auswirkt, wird sich erst später zeigen“, meint Hüttenwirtin Barbara Kogler. Auch Veronika Felderer von der Kellerjochhütte über Schwaz ist froh, in die Sommersaison gestartet zu sein. Geplante Bauarbeiten an der Fassade müssen bis Herbst warten. „Jetzt kann man aber zuschauen, wie der Schnee schmilzt“, sagt sie.

Erst heute sperrt auch die Lamsenjochhütte im Karwendel ihre Türen auf. Auch hier war die Wasserversorgung eine der größten Herausforderungen. „Wir mussten eine 600 Meter lange Leitung legen, das ging nur, wenn keine Lawinengefahr mehr herrscht“, sagt Christian Füruter. Beim Zustieg von der Eng müsse man noch Schneefelder überwinden. „Mit Turnpatscherln ist das nicht zu empfehlen. Aber wenn das Wetter so bleibt, wird der Schnee jetzt schnell schmelzen“, sagt er voller Vorfreude auf den heutigen Saisonsstart. Trotzdem: Vom Aufstieg zur Lamsenspitze rät der Hüttenwirt ab. „Da liegt noch zu viel Schnee“, sagt er.

Bis die Blumen rund um die Olpererhütte so blühen wie auf diesem Archivbild vom Vorjahr, dauert es wohl noch einige Tage oder Wochen.
Bis die Blumen rund um die Olpererhütte so blühen wie auf diesem Archivbild vom Vorjahr, dauert es wohl noch einige Tage oder Wochen.
- Olpererhütte