Letztes Update am Di, 25.06.2019 14:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sommer

Faktencheck: Was hilft am besten bei Hitze?

Temperaturen von bis zu 40 Grad bringen diese Woche Tirol ins Schwitzen – und die Gerüchte zum Kochen. Was ist dran an den verbreiteten Hitze-Tipps?

(Symbolfoto)

© Thomas Böhm(Symbolfoto)



1. Mittags ist es am heißesten.

Falsch! Die Sonne steht um die Mittagszeit zwar am höchsten und gibt die stärkste Strahlung ab. Die Lufttemperatur erreicht ihr Maximum aber erst mit einigen Stunden Verzögerung. Erst wenn die Erdoberfläche soweit aufgeheizt ist, dass auch Straßen, Dächer und andere Objekte wieder Wärme abgeben, entstehen nach Aussage von Wetterexperten die Höchstwerte des Tages.

2. Beduinen schützen sich mit dunkler Kleidung gegen Hitze.

Richtig, aber entscheidend ist eher der Schnitt als die Farbe der Kleidung. Weiße Kleidung wirft das Sonnenlicht zurück, schwarze dagegen saugt es auf. Dennoch bevorzugen viele Wüstenbewohner in Nordafrika und dem Nahen Osten dunkle Gewänder. Israelische Forscher haben das schon 1980 genauer untersucht und Vergleichsmessungen mit Beduinen in der Negev-Wüste vorgenommen.

Das Ergebnis: Die Farbe der Gewänder machte kaum einen Unterschied, wohl aber der Schnitt. Denn die Beduinen tragen ihre Roben locker um den Körper - so kann zwischen den Lagen Luft hindurchströmen, die die Wärme abtransportiert und die Haut so kühlt. Probanden in eng sitzenden hellbraunen Uniformen oder kurzen Hosen wiesen dagegen höhere Hauttemperaturen auf.

3. Eine kalte Dusche stoppt die Schweißproduktion.

Falsch! Durch das kalte Wasser geht die Körpertemperatur erstmal runter, das Gehirn bekommt ein Kältesignal. Die unter der Oberfläche gelegenen Blutgefäße ziehen sich zusammen, um Wärmeverlust zu verhindern. Nach der Dusche muss sich der Körper dann wieder auf die heiße Außentemperatur einstellen - die Gefäße reagieren mit verstärkter Schweißproduktion.

Experten raten deshalb dazu, im Hochsommer nicht unter Körpertemperatur zu duschen.

4. Warmer Tee kann bei Hitze mehr erfrischen als eine eiskalte Limonade.

Richtig! Wie bei kalten Duschen wird mit Kaltgetränken der Stoffwechsel angeregt, der Körper reagiert auf den Kälteimpuls mit Wärmeproduktion. Am Ende fließt sogar mehr Schweiß, der Körper verliert die dringend benötigte Flüssigkeit, man hat mehr Durst - ein gefährlicher Kreislauf.

Der menschliche Körper ist darauf eingerichtet, alle Speisen und Getränke an die etwa 36,7 Grad Körpertemperatur anzugleichen. Kaltes wird erwärmt, Heißes gekühlt - beides ist mit kleinen Anstrengungen verbunden. Hitzeprofis bevorzugen deshalb warme Getränke. Das zusätzliche Wärmesignal sorgt dafür, dass sie ständig - aber nur leicht – schwitzen, was zu Verdunstungskühle führt. Der in Nordafrika besonders beliebte Pfefferminztee hat zudem eine kühlende Wirkung.

5. Bei Sommerhitze können Ventilatoren Abkühlung schaffen.

Ungewiss. Ventilatoren bringen die Luft in ihrer Umgebung in Bewegung. Wer sich in diesem Luftzug befindet, spürt eine Abkühlung, wenn Schweiß auf der Haut verdunstet. Die Raumtemperatur sinkt durch den künstlich erzeugten Wind aber nicht.

Eine Studie von 2016 zu den Wirkungen von Ventilatoren konnte deren positive Effekte nicht belegen. Bei Temperaturen über 35 Grad könnte der allzu warme Luftstrom sogar zu einer Überhitzung und Dehydrierung des Körpers führen, heißt es. (dpa/TT.com)

Enorme Hitzewelle in Tirol