Letztes Update am Mi, 26.06.2019 23:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hitze im Juni

„Ulla“ lässt Tirol schwitzen: Österreich-Topwert 37,5 Grad in Imst

Heiß, heißer, Juni 2019: Temperaturen deutlich jenseits der 30 Grad haben das ganze Land fest im Griff. Innsbruck stellte am Dienstag einen neuen Juni-Rekord auf – der schon am heutigen Mittwoch in Imst geknackt wurde. Auch andere Länder bringt Hoch „Ulla“ ins Schwitzen, und das auch die nächsten Tage.

Der Sprung ins kühle Nass hilft.

© TT/Rudy De MoorDer Sprung ins kühle Nass hilft.



Innsbruck – 36,7 Grad. Nachdem es im Juni in Innsbruck noch nie so heiß war wie am Dienstag, ging es mit der Rekordjagd am Mittwoch gleich weiter – am Nachmittag wurden in Imst 37,5 Grad gemessen. Der alte Juni-Hitzerekord für Tirol lag bei 36,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2012 in Imst. Die 37,5 Grad am Mittwoch in Imst sind außerdem der dritthöchste jemals in Österreich in einem Juni gemessene Wert. In der gesamten Messgeschichte der ZAMG seit 1767 ist das erst das fünfte Jahr, in dem im Juni mehr als 37 Grad heiß wurde. Die anderen Jahre waren 2013, 2012, 2000, 1950.

Laut Wetterexperten war das aber noch nicht alles, es dürfte im Laufe der Woche noch heißer werden. Auch Temperaturen bis zu 40 Grad sind drin. Der Schwerpunkt der Hitze verlagert sich allerings nach Süden. Vor allem in Kärnten und Osttirol wird es lokal noch etwa ein Grad wärmer als am Mittwoch. Den Norden und Osten Österreichs hingegen erreicht eine Kaltfront mit einzelnen kräftigen Gewittern, hinter der es zum Freitag hin etwas kühler wird.

Für die derzeitige Hitzewelle ist das Hoch „Ulla“ im Zusammenspiel mit einem ausgeprägtem Höhenhoch über Mitteleuropa verantwortlich. Heiße Luft aus Nordafrika, die Tonnen an Saharastaub zu uns weht, tut ihr Übriges. Auch Spanien, Frankreich und Deutschland stöhnen derzeit unter der ungewöhnlichen Hitzewelle – bis zu 45 Grad werden erwartet. In Österreich waren die Temperatur-Spitzenreiter am Mittwoch in Tirol: In Imst war es, wie gesagt, mit 37,5 Grad am heißesten, es folgen Landeck mit 37,1 Grad und Innsbruck mit 37 Grad. Auf Platz 4 und 5 liegen St. Pölten mit 36, 9 Grad und Wien mit 36,5 Grad.

„Hitzewellen sind an sich ein natürliches Phänomen, das schon immer vorgekommen ist. Durch den Klimawandel werden sie aber häufiger und intensiver“, erklärt der Leiter der ZAMG-Abteilung für Klimaforschung, Marc Olefs, die Juni-Hundstage. Die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) hat in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten etwa in den Landeshauptstädten um rund 50 Prozent zugenommen. In Wien hatte zum Beispiel (über die gesamte Fläche gemittelt) im Zeitraum 1971 bis 2000 ein durchschnittliches Jahr elf Hitzetage. Im Zeitraum 1981 bis 2010 waren es zwischen 13 Hitzetage in Mariabrunn und 21 in der Inneren Stadt. Prognosen lassen für 2021 bis 2050 durchschnittlich 19 Hitzetage erwarten und für 2071 bis 2100 41. „Die Prognosen gelten bei ungebremsten Treibhausgasemissionen ‚Business-as-usual-Szenario‘“, so die ZAMG.

Spürbar mehr Patienten an Innsbrucker Klinik

Die Hitzewelle ist auch in der Notaufnahme der Innsbrucker Klinik deutlich spürbar. „Wir haben merkbar mehr Patienten“, sagte Alexandra Kofler, ärztliche Direktorin, am Mittwoch im Gespräch mit der APA am Rande einer Pressekonferenz. Vor allem ältere Menschen, die meistens zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen haben, würden derzeit vermehrt in die Notaufnahme kommen, so Kofler.

„Ältere Menschen haben ein vermindertes Durstgefühl und merken gar nicht, dass sie zu wenig trinken“, erklärte die Medizinerin. Trotz des größeren Patientenaufkommens würden die Kapazitäten der Innsbrucker Klinik vorerst leicht ausreichen. Sollte die Hitzewelle aber noch länger andauern, müssten unter Umständen zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. „Denn nicht alle Patienten, die in die Notaufnahme kommen, können auch gleich wieder heim geschickt werden. Einige müssen wir auch stationär aufnehmen“, sagte Kofler.

Tropennacht sogar an Orten über 1.000 Meter

Auch nachts gibt es so gut wie kein Entkommen vor „Ulla“. In der Nacht auf Mittwoch wurde in zwei Orten in Salzburg und Vorarlberg sogar auf über 1.000 Meter Seehöhe eine Tropennacht (Tiefstwert nicht unter 20 Grad) registriert. Insgesamt registrierte die ZAMG an 32 Messstationen (von insgesamt 270 Wetterstationen) eine Tropennacht. Wien könnte am Freitag die dreizehnte Tropennacht im Juni erleben – und somit den Rekord von 2003 einstellen, berichtete die ZAMG. Die Nacht auf Donnerstag wird in Tirol sternenklar und lau, in Hanglagen dürfte es stellenweise auch tropisch werden. Die Tiefstwerte liegen bei 15 bis 21 Grad.

In Salzburg und in Oberösterreich wurde der Juni-Hitze-Rekord für das jeweilige Bundesland am Mittwoch knapp verfehlt: In St. Johann im Pongau hatte es am Mittwoch 35,7 Grad. Der Rekord liegt im Bundesland Salzburg bei 37,0 Grad, gemessen in Hallein am 14. Juni 1980. Heißester Ort Oberösterreichs war am Mittwoch Bad Goisern mit bis zu 36,3 Grad. Der Oberösterreich-Rekord für Juni ist weiterhin 36,7 Grad, gemessen in Weyer am 20. Juni 2013.

Wer auf der Suche nach Abkühlung ist, dem sei ein Sprung ins kühle Nass empfohlen. Der Achensee zählt mit aktuell 18 Grad Wassertemperatur zu den Kältepolen der österreichischen Seen. Mit 24 Grad sind es im Piburgersee und im Walchsee schon etwas wärmere Gefilde.

30,3 Grad um 7 Uhr morgens in Spanien

Auch die Urlauber auf Mallorca und den anderen Balearischen Inseln müssen in diesen Tagen bei Werten von rund 35 Grad schwitzen. Etwas angenehmer ist es auf den Kanaren und in Katalonien mit der bei Touristen beliebten Metropole Barcelona. Rekordwerte würden unter anderem in Saragossa im Nordosten Spaniens, Logrono in der Provinz La Rioja sowie in der Hauptstadt Madrid erwartet, berichtete die Zeitung El Pais.

Laut Daten des staatlichen Wetterdienstes Aemet wurden am Mittwoch in der Gemeinde Arroyo del Ojanco in Andalusien bereits um 7 Uhr 30,3 Grad gemessen. In mehreren anderen Orten lagen die Temperaturen um Mitternacht noch bei 30 Grad. Der Höhepunkt der „ola de calor“ soll Spanien am Wochenende treffen: Dann würden in einigen Landesteilen Werte von bis zu 44 Grad erwartet, sagte Aemet-Sprecher Fernando Garcia.

72 Jahre alter Rekord in Deutschland geknackt

Auch in Frankreich herrscht aktuell „Alarmstufe orange“. Das bedeutet, dass gefährliche Wetterphänomene erwartet werden. Am Donnerstag und Freitag werden vor allem im Süden Spitzenwerte von bis zu 45 Grad erwartet. Große Städte kämpfen bei der Hitze besonders auch gegen schlechte Luft. In Paris gibt es kostenlose Parkplätze – so sollen Anwohner animiert werden, ihr Auto stehen zu lassen und stattdessen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Ab Mittwoch sollen Autos nur noch eingeschränkt fahren dürfen.

Und auch bei unseren deutschen Nachbarn geht es heiß her. Mit 38,6 Grad ist am Mittwoch ein neuer Temperaturrekord für den Monat Juni aufgestellt worden. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, wurde dieser Wert an einer Wetterstation in Coschen in Brandenburg am Nachmittag erreicht. Damit wurde die bisherige Maximaltemperatur für Juni aus dem Jahr 1947 knapp überboten. Damals waren an der Wetterstation Bühlertal in Baden-Württemberg 38,5 Grad gemessen worden. Im Osten des Landes gibt es erste Tempolimits auf Autobahnen. Der Hintergrund: Geschädigte Betondecken könnten bei den anhaltend hohen Temperaturen abrupt aufbrechen und sich anheben („Blow up“).

2018 gab es mehr Hitze- als Verkehrstote in Österreich

Hitzewellen sind freilich auch ein enormes Gesundheitsrisiko. Im Jahr 2018 starben in Österreich bei einem Rekord an Sommertagen mit mindestens 25 Grad 766 Personen. Das waren mehr als im Jahr 2017 (586), aber deutlich weniger als im Jahr 2015 (1.122), berichtete die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Zum Vergleich: Bei Verkehrsunfällen starben 2018 409 Menschen. (APA, TT.com)