Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.07.2019


Wetter

Hitzewelle: Kinder und ältere Menschen besonders gefährdet

Die Temperaturen der kommenden Tage sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt das Land. Es könnte bis zu 37 Grad heiß werden.

Für Kleinkinder kann es im heißen Auto rasch gefährlich werden.

© iStockFür Kleinkinder kann es im heißen Auto rasch gefährlich werden.



Innsbruck – Es wird wieder heiß. Sehr heiß. Nach einer ersten Hitzewelle in der letzten Juniwoche hat gestern die zweite Hitzewelle des Jahres begonnen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik prognostiziert für die kommenden Tage Temperaturen um 35 Grad, am heißesten dürfte es am Donnerstag mit bis zu 37 Grad werden.

Angesichts der tropischen Temperaturen rät das Land Tirol dazu, die Hitze nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die hohen Temperaturen stellen für alle Altersgruppen eine außergewöhnliche Situation dar“, erklärt Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. „Vor allem älteren und geschwächten Personen können sie Probleme bereiten. Aber auch Kleinkinder können die Körpertemperatur weniger gut regulieren. Die im geschlossenen Auto schnell steigende Temperatur kann bereits innerhalb einer Viertelstunde zu einer tödlichen Überhitzung führen. Deshalb Kleinkinder nie – auch nicht für kurze Zeit – alleine im Auto zurücklassen“, so Tilg. Das Gleiche gelte auch für Tiere.

Autos sollte man auf schattigen Parkplätzen abstellen oder sonst eine Sonnenblende hinter der Windschutzscheibe anbringen. Beim Losfahren gilt, bei offenen Autotüren gut durchzulüften und bei großer Hitze die Klimaanlage auf Umluft zu stellen. „Zugluft und zu starke Kühlung sollte man vermeiden, leichte Kleidung tragen und ausreichend trinken“, betont Amtsarzt Karl Heinz Fischer von der Landessanitätsdirektion.

Doch nicht nur körperlich, sondern auch psychisch stellen die heißen Temperaturen eine Belastung für Menschen dar. Während einer Hitzewelle komme es laut Medizinern bei älteren und geschwächten Menschen, aber auch bei jüngeren Personen mit mangelnder Fitness zu einer deutlichen Zunahme an Stress, Ängsten und Depressionen. „Die Aussicht, dieser Hitze nicht entfliehen zu können, führt zu seelischen Problemen, die nicht unterschätzt werden dürfen“, warnte gestern Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner der Med-Uni Wien. „Das führt bis hin zu Panikattacken“, erläuterte Hutter, „diese Menschen haben richtig Angst, dass ihnen etwas passiert und dass sie diesen Belastungen nicht standhalten.“ Mentale Probleme können auch durch Existenzängste ausgelöst werden – bei großer und langanhaltender Hitze betreffe das insbesondere Landwirte. „Dürre, Waldbrände, aber in der Folge auch Hagel und Unwetter sowie andere Wetterkapriolen belasten die Landwirtschaft schwer – und damit auch die davon lebenden Menschen“, so der Umweltmediziner.

Außerordentlich beansprucht durch die Hitze wird auch die Infrastruktur. Die ÖBB haben daher auf einer Teststrecke in der Nähe von Bludenz fünf Kilometer Schienen weiß eingefärbt. Damit sollen die Temperaturen auf den Gleisen um bis zu acht Grad gesenkt werden. Hitzebedingte Schienenverdrückungen oder Gleisverwerfungen sollen dadurch vermieden werden. (np, APA, TT)