Letztes Update am Fr, 26.07.2019 14:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unwetter in Tirol

Entwarnung nach Mure im Kaunertal, Heli birgt Eingeschlossene

Bei dem schweren Murenabgang am Donnerstagabend im Kaunertal gab es zum Glück keine Verschütteten. Bundespräsident Van der Bellen dankte den Einsatzkräften an Ort und Stelle für ihre Arbeit. Eingeschlossene Personen wurden am Freitag ausgeflogen.

Die im hinteren Kaunertal eingeschlossenen Personen wurden mit dem Hubschrauber geborgen.

© zeitungsfoto.atDie im hinteren Kaunertal eingeschlossenen Personen wurden mit dem Hubschrauber geborgen.



Kaunertal, Gschnitz — Nach dem schweren Murenabgang am Donnerstagabend im Kaunertal konnte am Freitag Entwarnung gegeben werden: Unter den Geröllmassen wurden keine verschütteten Personen oder Fahrzeuge gefunden. Im hinteren Kaunertal waren am Vormittag noch rund 40 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Sie wurden im Laufe des Tages nach und nach aus dem Tal geflogen. Mehrere Bagger waren am Freitag mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die unterbrochene Stromversorgung wurde von Mitarbeitern der TINETZ repariert. Die Gletscherstraße soll nach Informationen des Landes voraussichtlich bis morgen, Samstag, wieder befahrbar sein.

Geröll türmte sich bis zu fünf Meter hoch

Ein heftiges Gewitter hatte die die Kaunertaler Gletscherstraße gegen 18.30 Uhr im Bereich Wolfskehr verlegte. Die Geröllmassen breiteten sich auf einer Länge von rund 300 Metern bis zu fünf Meter hoch auf der Straße aus, berichtete das Land Tirol.

Aufgrund der Ausmaße der Mure konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden, dass sich Fahrzeuge oder Personen darunter befinden — ein Sucheinsatz wurde ausgelöst. Die Feuerwehr und Bergrettung Kaunertal, zwei Hubschrauber, zwei Suchhunde und die Polizei Ried im Oberinntal suchten nach etwaigen Verschütteten, bis der Einsatz wegen Dunkelheit und eines weiteren herannahenden Gewitters unterbrochen werden musste. Am Freitag wurde der Einsatz fortgesetzt. Schon bald konnte Entwarnung gegeben werden.

„Mehrere Bäche haben gemurt, sodass sie im Zusammenfluss dann die große Mure auf die Gletscherstraße ausgelöst haben. Grund dafür war ein starkes stationäres Gewitter mit Hagel und intensivem Regen", erklärte Landesgeologe Werner Thöny am Freitag nach einem Erkundungsflug mit dem Landeshubschrauber. „Vorrangig bei den Aufräumarbeiten ist jetzt, die Fagge wieder in ihr Flussbett zurückzudrängen, um die Straße freiräumen zu können."

Die Kaunertaler Gletscherstraße wurde von einer großen Mure verlegt.
Die Kaunertaler Gletscherstraße wurde von einer großen Mure verlegt.
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Der Bundespräsident an Ort und Stelle

Der Murenabgang hat auch den obersten Kaunertaler nicht kalt gelassen: Bundespräsident Alexander Van der Bellen bedankte sich am Freitag persönlich bei den Einsatzkräften an Ort und Stelle, wie das Staatsoberhaupt auf Twitter mitteilte und ein Foto dazu postete. Van der Bellen verbrachte laut eigenen Angaben die vergangenen Tage in seiner Tiroler Heimat.

„Ein Glück, dass niemand zu Schaden gekommen ist", meinte der Präsident unter anderem und fuhr fort: „Vor meiner Abreise nach Salzburg konnte ich den Helferinnen & Helfern für ihren Einsatz danken. Es ist gut zu wissen, dass wir uns in Österreich darauf verlassen können, dass es in Notfällen rasche Hilfe gibt". Van der Bellen, der im Kaunertal einen Teil seiner Kindheit verbrachte und dort nach wie vor eine Wohnung hat, war erst Anfang Juni die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Kaunertal verliehen worden.

Mehrere Straßensperren

Auch in anderen Teilen Tirols kam es nach dem extrem heißen Tag am Donnerstag zu Unwettern mit Starkregen und teilweise auch Hagelschauern. Besonders heftig traf es neben dem Kaunertal das Gschnitztal, wo es ebenfalls zu größeren Murenabgängen kam. Berichte über etwaige Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Im Pitztal musste die L16 zwischen Neuruhr und Trenkwald nach einem Murenabgang gesperrt werden. Der Landesgeologe wird die Situation am Freitag beurteilen, hieß es seitens der Verkehrsabteilung der Polizei gegenüber TT.com. Vorübergehend gesperrt wurden am Abend zudem die Tiroler Straße (B171) in Mils bei Imst und die Gemeindestraße in Obernberg.

Auch am heutigen Freitag soll es nach einem heißen Tag wieder teils heftige Gewitter geben. (TT.com)

Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang im Gschnitztal.
Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang im Gschnitztal.
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