Letztes Update am So, 28.07.2019 10:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien/Österreich

„Wie nach Krieg“: Tote und Schäden durch Unwetter im Süden

In Italien forderten die heftigen Unwetter in der Nacht auf Sonntag zwei Tote. Verletzte gab es auch in der Steiermark und Kärnten durch Blitzeinschläge. Verheerend fällt die Bilanz für Landwirte aus: Tennisballgroße Körner richteten Schäden in Millionenhöhe an.

Überflutungen in der Nähe von Graz: In der Steiermark waren mehr als 1000 Feuerwehrkräfte im Einsatz.

© BFV. GRAZ-UMGEBUNGÜberflutungen in der Nähe von Graz: In der Steiermark waren mehr als 1000 Feuerwehrkräfte im Einsatz.



Rom, Graz – Heftige Unwetter mit Sturm und Niederschlägen haben in der Nacht auf Sonntag nicht nur Tirol heimgesucht. Auch in der Steiermark, in Kärnten, im Burgenland sowie in Vorarlberg war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Vor allem in der Steiermark haben Hagel und Hochwasser massive Schäden angerichtet. In Italien forderte das Unwetter zwei Tote.

Italien: „Wie nach einem Krieg“

In der toskanischen Stadt Arezzo wurde ein 72-Jähriger tot in einem Kanal gefunden. Die Leiche wurde unweit des Autos des Pensionisten entdeckt, das von einem Bach weggerissen worden war, während es in der Gegend zu schweren Niederschlägen kam. In der Gemeinde Fiumicino nahe des internationalen Flughafens „Leonardo da Vinci“ kam eine 27-jährige Frau ums Leben, nachdem ihr Auto wegen einer Windböe umkippte und in einen Kanal stürzte.

Der Flughafen musste einige Stunden lang den Betrieb einstellen. Der Sturm verursachte erhebliche Schäden in Fiumicino. „Es ist wie nach einem Krieg“, kommentierte Bürgermeister Esterino Montino. Schäden und Hochwasser wurden auch in Rom gemeldet. Wegen der Überschwemmung eines Gebäudes musste die Feuerwehr einige Wohnungen räumen lassen. Wasser drang in die U-Bahn-Stationen Repubblica und Cipro ein, die vorübergehend geschlossen wurden.

Drei Millionen Euro Schaden für Bauern in Südösterreich

Tennisballgroße Hagelkörner zogen am Samstag eine Spur der Verwüstung durch das südliche Burgenland, die Steiermark und Kärnten. Dabei entstanden Schäden von drei Millionen Euro an landwirtschaftlichen Kulturen, teilte die Österreichische Hagelversicherung nach ersten Erhebungen am Abend mit. 12.000 Hektar mit Getreide, Mais, Soja, Kürbis oder Wein seien betroffen.

Hagelschaden an Wein im steirischen Mitteregg.
Hagelschaden an Wein im steirischen Mitteregg.
- ÖHV

In der Steiermark seien die Bezirke Leibnitz, Hartberg-Fürstenfeld und Bruck-Mürzzuschlag betroffen, in Kärnten die Bezirke Feldkirchen und Klagenfurt und im Burgenland der Bezirk Oberwart. Die Unwetter zerstörten auch Grünland sowie Glas- und Folienhäuser.

Alleine in der Steiermark waren bin in die Nacht „mehr als 1000 Feuerwehrkräfte im Einsatz“, berichtete Feuerwehrsprecher Christian Karner im ORF-Radio Ö3. Die Wehren waren in vielerlei Hinsicht gefordert: Dazu zählten das Freimachen von Verkehrswegen durch umgestürzte Baume, das Auspumpen von Kellern sowie das provisorische Abdecken von beschädigten Dächern. Auch Stromleitungen waren durch umgestürzte Bäume beschädigt. Geknickte Bäume führten dazu, dass das Passieren von Straßen, Gehwegen oder Gleisanlagen unmöglich war.

Blitz schlug in der Nähe von Bergrettern ein

Vermutlich Blitzschläge setzten ein Wirtschaftsgebäudebrand im oststeirischen Gnas sowie einen Dachstuhl in Buch-Geiseldorf im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in Brand. Im obersteirischen Palfau wurden sechs Bergretter durch einen Blitzschlag nach der Bergung eines verunglückten Kletterers verletzt.

Tennisballgroße Hagelkörner sorgten für Schäden in Millionenhöhe.
Tennisballgroße Hagelkörner sorgten für Schäden in Millionenhöhe.
- APA

Auch ein 53-jähriger Landwirt aus dem Kärntner Bezirk Wolfsberg ist am späten Nachmittag auf einer Alm von einem in der Nähe in einen Baum einschlagenden Blitz verletzt worden. Der Mann wurde rund fünf Meter weit weggeschleudert und blieb bewusstlos liegen. Sein Sohn verständigte die Rettungskräfte. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte war der 53-Jährige wieder bei Bewusstsein. Er wurde nach der Erstversorgung ins Spital eingeliefert.

Mure und lokale Überschwemmungen in Vorarlberg

Insgesamt 27 wetterbedingte Einsätze hatten die Vorarlberger Einsatzkräfte in der Nacht. In erster Linie mussten Keller ausgepumpt und umgestürzte Bäume weggeräumt werden. Schwerpunkt der Einsätze war der Bereich zwischen Dornbirn und Bludenz.

In Sonntag-Buchboden im Großen Walsertal wurden laut Polizei vier geparkte Autos teils bis zum Dach von einer Mure verschüttet. Außerdem wurde die Stromversorgungsleitung eines Gasthauses beschädigt. Hinweise auf Verletzte oder Verschüttete gibt es nach Angaben der Polizei keine. Die Autos werden in den kommenden Tagen geborgen. In Nenzing und Bludesch-Gais wurden Straßen überflutet. Ein stecken gebliebenes Auto musste aus einer Unterführung geborgen werden. Verletzt wurde niemand. (TT.com/APA)