Letztes Update am Di, 27.08.2019 17:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bilanz und Ausblick

Sonniger Abschied vom zweitwärmsten Sommer in Tirol

Nur einmal war es seit Beginn der Messgeschichte 1767 noch heißer: im Jahr 2003. Die letzten Tage des Rekordsommers haben noch einmal einiges an Sonnenschein zu bieten, erst zum Beginn der neuen Woche kühlt es wieder ab.

Ein wunderschöner Sonnenaufgang auf der Serles, so lässt sich der Spätsommer in Tirol aushalten.

© TT-Leser Karl SchuchterEin wunderschöner Sonnenaufgang auf der Serles, so lässt sich der Spätsommer in Tirol aushalten.



Innsbruck — Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Eine Frage, die sich vielen Tirolern noch im Mai stellte, der Kälterekorde brach. Siehe da, der Sommer kam, sah und geht nun als zweitwärmster in die Messgeschichte ein. Noch wärmer war es nur im Jahr 2003. Zum Ausklang zeigt sich Tirols Spätsommer noch einmal von seiner besten Seite. Abgesehen von einem kleinen Dämpfer am Donnerstag ist bis Sonntag Badewetter angesagt. Mit dem September hält dann herbstliches Wetter Einzug.

Vorläufige Bilanz: Zweitwärmster Sommer der Messgeschichte

Der Sommer 2019 war der zweitwärmste seit Messbeginn 1767 - er lag um 2,7 Grad über dem Mittel und damit knapp hinter dem Rekord aus dem Jahr 2003 (2,8 Grad). Das ist das Ergebnis der vorläufigen Sommerbilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Zudem war es mit 30 Prozent weniger Niederschlag einer der sieben trockensten Sommer der Messgeschichte.

Gleich in mehreren Bereichen reiht sich der heurige Sommer in Rekordlisten ein. „Der Sommer 2019 kam in der österreichweiten Auswertung knapp an den Rekord des Sommers 2003 heran", erklärte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik am Dienstag. Auf Platz drei liegt der Sommer 2015, der 2,4 Grad über dem Mittel lag. Die höchste Lufttemperatur wurde im heurigen Sommer mit 38,8 Grad in Krems (NÖ) am 1. Juli gemessen, die tiefste am Brunnenkogel in Tirol mit minus 6,6 Grad am 14. August.

Der meteorologische Sommer 2019, der am 31. August endet, bestätige den Trend zu immer heißeren Sommern. „Unter den zehn heißesten Sommern der 253-jährigen Messgeschichte liegen neun Sommer aus der jüngeren Vergangenheit", so Orlik. Die fünf heißesten Sommer der Messgeschichte gab es alle in den 2000er-Jahren (2003, 2019, 2015, 2017, 2018). Von den 20 wärmsten Sommern liegen zwölf im 21. Jahrhundert.

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Die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) lag laut ZAMG um etwa das Zwei-bis Dreifache über einem durchschnittlichen Sommer, der Rekord sei aber nicht in Gefahr gewesen. An der Spitze findet sich die Wetterstation Wien-Innere Stadt mit 39 Hitzetagen. Der Rekord liegt noch immer bei 56 Hitzetagen im Jahr 2003 in Leibnitz.

Am heißesten war es im Juni

Den größten Anteil zum Beinahe-Rekord trug der Juni bei, erläuterte die ZAMG. Denn dieser war gleich um 4,7 Grad wärmer als das Mittel. Im Juli war es um 1,7 Grad wärmer als im Durchschnitt. Die Temperaturabweichung wird im August 2019 voraussichtlich plus 1,8 Grad betragen. Im Westen Österreichs (Vorarlberg und Tirol) war der Sommer 2019 um 2,2 bis 2,7 Grad zu warm. Weiter östlich lagen die Temperaturabweichungen zwischen 2,5 und 3,3 Grad.

Bilanz in Tirol

Niederschlagsabweichung: -20%

Temperaturabweichung: +2.4 °C

Abweichung der Sonnenscheindauer: 8%

Temperaturhöchstwert: 38.5 °C am 30.6. an der Uni Innsbruck

Temperaturtiefstwert: -6.6 °C am 14.8. am Brunnenkogel

Höchste Sonnenscheindauer: Rinn mit 710 Stunden

Am Beginn des heurigen Sommers stand der sonnigste Juni der Messgeschichte (seit 1925). Er brachte um 50 Prozent mehr Sonnenschein als im Mittel. Darauf folgten jedoch, verglichen mit dem Juni, relativ sonnenarme Monate. Im Juli schien die Sonne um fünf Prozent länger als im Mittel. Der August wird voraussichtlich um 15 Prozent weniger Sonnenschein bringen.

Sehr wenig Frost im Hochgebirge

Bemerkenswert ist diesen Sommer auch die geringe Zahl an Tagen mit Minusgraden im Hochgebirge. Beim Sonnblick-Observatorium der ZAMG in Salzburg (3109 Meter Seehöhe) gab es bisher nur 18 Frosttage (Temperatur zeitweise unter 0 Grad). In einem durchschnittlichen Sommer sind es dort 43. Eistag (Temperatur ganztägig unter 0 Grad) gab es nur einen. In einem durchschnittlichen Sommer sind es elf bis zwölf. Damit entsprechen die Frost- und Eistage am Sonnblick derzeit genau den Rekordwerten aus dem Jahr 2003.

Wenig Regen, schwächste Blitzsaison

Ungewöhnlich war auch die Trockenheit: Österreichweit brachte der Sommer 2019 um 30 Prozent weniger Niederschlag als ein durchschnittlicher Sommer. Das ergibt einen Platz unter den sieben trockensten Sommern der Messgeschichte. Es begann bereits mit dem trockensten Juni seit Messbeginn. Aber auch die beiden folgenden Monate brachten jeweils um 25 Prozent weniger Niederschlag. Der nasseste Ort lag heuer mit St. Leonhard im Pitztal in Tirol.

Die Gewittersaison 2019 brachte bisher so wenige Blitze wie noch nie. Den Grund dafür sieht die ZAMG im kühlen Mai und den oft stabilen Hochdruckwetterlagen im Juni, Juli und August. Das Blitzortungssystem ALDIS registrierte heuer bisher rund 77.700 Blitzeinschläge zum Boden. Das waren um rund 50 Prozent weniger als im Mittel (Zeitraum 1992 bis 2018).

Sonne bleibt bis zum Wochenende in Tirol, dann naht der Herbst

"Es bleibt erstmal sommerlich in Tirol" prognostiziert Werner Troger von den Meteo Experts. Der Dienstag endet so freundlich wie er angefangen hat, der Mittwoch macht es ihm bis auf ein paar einzelne Wolken nach. Schauer und Gewitter stören den Sommertag laut Troger wenn überhaupt erst am Abend und nur Richtung Arlberg und Alpenhauptkamm.

Einen kleinen Dämpfer muss Tirol dann am Donnerstag hinnehmen, Regenschauer und Gewitter drohen "zwar nicht großflächig, aber öfter", erklärt der Meteorologe. Das macht sich auch am Thermometer leicht spürbar, es bleibt aber war bei Höchsttemperaturen zwischen 20 und 25 Grad.

Schnell vergessen ist der Einbruch am Freitag, wenn der Hochdruckeinfluss wieder zunimmt und das Wetter stabilisiert. "Das Wochenende ist dann wieder hochsommerlich", meint Troger, erst am Montag sieht er eine "größere Umstellung". Nord-West-Wind dürfte dann für Abühlung sorgen. Vorher heißt es aber erstmal: Zurücklehnen und den Spätsommer genießen. (kla/APA)