Letztes Update am Sa, 16.11.2019 16:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hochwasser in Venedig

Touristen stürmten überfluteten Markusplatz, weitere Flutwelle erwartet

Der Markusplatz in Venedig, der trotz Überschwemmung wieder zugänglich war, ist am Samstag von Touristen gestürmt worden. Am Samstagvormittag kam es zu einem Wasserhöchststand von etwa 120 Zentimetern über dem normalen Meeresspiegel.

Viele Museen und Sehenswürdigkeiten, darunter auch der Dogenpalast am Markusplatz wurden wieder geöffnet.

© AFPViele Museen und Sehenswürdigkeiten, darunter auch der Dogenpalast am Markusplatz wurden wieder geöffnet.



Venedig — Venedig rechnet mit der dritten schweren Flutwelle binnen einer Woche. Am Samstag wurde der Markusplatz wieder überschwemmt, er war jedoch für Touristen und Einwohner auf Stegen wieder zugänglich. Am Sonntag sollte das Wasser bis Mittags auf einen Stand von 160 Zentimetern steigen.

Am Samstagvormittag kam es zu einem Wasserhöchststand von etwa 120 Zentimetern über dem normalen Meeresspiegel. Der Wert lag weit unter jenem von Dienstag, als 187 Zentimeter erreicht wurden und fast die ganze UNESCO-Welterbestadt überschwemmt war. Es war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren.

Der Markusplatz wurde am Samstag von Touristen gestürmt. Schlangen bildeten sich vor den Holzstegen, auf denen der Markusplatz erreichbar ist. Mit Gummistiefeln wateten Touristen über den Platz und fotografierten. Der öffentliche Wasserverkehr auf dem Canal Grande wurde nicht wieder aufgenommen. Die Messen in der Markusbasilika wurden vorübergehend ausgesetzt.

Die Schulen blieben am Samstag in der Lagunenstadt geschlossen, auch der öffentliche Wasserverkehr auf dem Canal Grande wurde nicht wieder aufgenommen. Bürgermeister Luigi Brugnaro machte seiner Stadt Mut. „Venedig muss der Welt beweisen, dass sich die Stadt wieder aufraffen kann", sagte er in einem Interview mit der römischen Tageszeitung „Il Messaggero". Er drängte auch zum Fertigbau des geplanten Dammsystems MOSE, das Venedig künftig vor Hochwasser schützen müsse. . Er bezifferte die Schäden auf eine Milliarde Euro. Die Regierung will der Bevölkerung unter die Arme greifen. Eine Entschädigung von 5.000 Euro ist für Private vorgesehen, Unternehmer können mit 20.000 Euro rechnen.

Mehrere Politiker, darunter Senatspräsidenten Maria Elisabetta Alberti Casellati, besuchten am Samstag Venedig. Auf dem Markusplatz traf auch eine Delegation der italienischen Fußball-Nationalmannschaft ein. "Unser Ziel ist, dieser wunderbaren Stadt unsere Solidarität zu bringen", berichtete Gianluca Vialli.


Besitzer von Ferienwohnungen meldeten, dass 35 Prozent der für die nächsten Monate gebuchten Aufenthalte storniert wurden. In Hotels betrugen die Stornierungen 15 Prozent, so der Touristikverband Confturismo. Shop-Inhaber säuberten ihre Geschäfte von Wasser und Schlamm. Inzwischen werden auch die Schäden geprüft, die das Hochwasser dem Kunsterbe der Stadt zugefügt hat. Von 120 Kirchen wurde die Hälfte überschwemmt, beklagte die Tageszeitung Il Gazzettino. Fünf Vaporetti, die Wasserbusse Venedigs, und sechs Landungsbrücken wurden schwer beschädigt.

Auch die Gondolieri erlitten erhebliche Schäden. 25 Gondeln müssen repariert werden. Wegen der Flutwelle ging kostbares Holz verloren, das dem Gondelbau dient. Der Gondelbauer Alberto Della Toffola verlor im Wasser über 30 Holztafeln, die von der Flutwelle weggeschwemmt wurden. "Wir kaufen das Holz in Slowenien, es ist nicht einfach, das richtige Material für unsere Gondeln zu finden. Die Schäden sind groß", sagte Della Toffola laut der Tageszeitung Corriere della Sera.

Tote Ratten schwammen im Wasser

Am Freitag hatte das Wasser erneut große Teile der Stadt überflutet. Tote Ratten schwammen im Wasser, Bewohner versuchten ihre Geschäfte und Bars zu reinigen.

Für Samstag verhängte der Zivilschutz für Teile der Region Venetien die höchste Unwetterwarnstufe — allerdings nicht für die Stadt Venedig. Schnee richtete unterdessen schon am Freitag in Südtirol Chaos an, einige Dörfer waren abgeschnitten, weil Straßen gesperrt waren. Tausende Menschen waren ohne Strom, wie die Südtiroler Landesverwaltung mitteilte. (APA)