Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.02.2015


Wetter

Der Winter kam trotz „Bild“

Holprig, weil schneearm war der Start in die Wintersaison, hämisch mancher Kommentar von außen. Aber jetzt zeigt sich Tirol in all seiner Pracht.

Dieser Prachtblick ist Frühaufstehern vorbehalten. Der Wilde Kaiser im ersten Morgenlicht, betrachtet vom Standort Weiler Reitham in St. Johann in Tirol.

© Claudia EggerDieser Prachtblick ist Frühaufstehern vorbehalten. Der Wilde Kaiser im ersten Morgenlicht, betrachtet vom Standort Weiler Reitham in St. Johann in Tirol.



Innsbruck, München – Schlechtere Vorzeichen zum Start einer Wintersaison sind kaum vorstellbar. „Kein Schnee in Österreich – Hoffentlich haben Sie noch keinen Skiurlaub gebucht!“ titelte das deutsche Massenblatt Bild Ende November.

Garniert war der Bericht mit Schnappschüssen von aperen Tiroler Skigebieten, freilich ausschließlich von solchen in relativ geringer Seehöhe. Der Gschwandtkopf und die Rosshütte in Seefeld, das Rangger Köpfl in Oberperfuss, die Mutterer Alm und der Patscherkofel im Raum Innsbruck: Sie alle boten vor zwei Monaten dasselbe wenig winterliche Bild. Das gleichnamige Boulevardblatt aus dem Nachbarland trug Tirol ohne Schnee genüsslich in die weite Welt hinaus. Grün-braune Wiesen statt weißer Pracht.

Der Aufschrei hierzulande war groß, ist Deutschland doch mit Abstand der wichtigste Markt für den heimischen Wintertourismus. Zudem hatte Bild es unerwähnt gelassen, dass die Bedingungen in Tirols höher gelegenen Skigebieten sehr wohl zum Skifahren einluden. Und auch in den fünf Gletscherarenen des Landes herrschte trotz Schneearmut Ende November/Anfang Dezember Hochkonjunktur.

Inzwischen sieht Tirol so aus, wie man es im Winter erwarten darf. Schon nach Weihnachten hatten die ersehnten Schneefälle das Land in ein reinweißes Farbkleid gehüllt. In den vergangenen Tagen kam noch eine weitere Ladung Zuckerguss dazu. Prachtvoll winterlich zeigt sich das ganze Land, wie die Fotos auf diesen Seiten veranschaulichen. Beim Blick aus dem Fenster juckt es so manchen Büromitarbeiter regelrecht in den Wadeln: „Aufi möcht i.“

Und die Bild? Sie hat ihre Schussfahrt noch im Dezember beendet und sich in Wiedergutmachung geübt. 23 österreichische Skigebiete wurden damals den Lesern nachgereicht, auf denen dem Wintersport gefrönt werden konnte.

Inzwischen herrschen überall beste Wintersportbedingungen auf gesicherten Pisten. Im freien Gelände ist jedoch die Lawinengefahr heuer ein besonderes Problem.

Die Tirol Werbung nützt das verschneite Tirol, um Tausenden Empfängern im In- und Ausland Appetit auf Winterurlaub zu machen. Große Skiereignisse wie die Weltcuprennen in Kitzbühel (alpin) und in Seefeld (nordisch) dienen als touristische Lokomotiven.

Das Zwischenergebnis sieht gut aus. Die Zahl der Nächtigungen steigt gegenüber dem Vorjahr; vielleicht ist sogar ein neuer Rekord möglich. Nicht schlecht, nach diesem Beginn. (mark)

Ein medialer Aufreger deutscher Herkunft. Die „Bild“-Zeitung warnte Ende November vor aperen Tiroler Pisten.
Ein medialer Aufreger deutscher Herkunft. Die „Bild“-Zeitung warnte Ende November vor aperen Tiroler Pisten.
- Screenshot: Bild.de