Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.06.2015


Wissen

Von kopflosen Märtyrern und Matreier Eiern

© Landesarchiv TirolWilfried Beimrohr, Landes­archiv-Leiter i. R., ist Experte für Heraldik.Foto: Oblasser



Lienz – Jedes Wappen hat eine eigene Geschichte. Der Lienzer Historiker und ehemalige Leiter des Tiroler Landesarchivs, Wilfried Beimrohr, kennt sie (fast) alle. Schließlich unterstützte das Tiroler Landesarchiv jene Gemeinden, die nach dem Zweiten Weltkrieg eigene Gemeinde­wappen erhielte­n, bei der Gestaltung. Denn vor dieser Zeit hatten nur Tiroler Städte und größere Ortschaften ein eigenes, historisch gewachsenes Wappen, etwa Lienz. Darin ist die Lienzer Rose mit dem Löwen der Görzer Grafen kombiniert. Erst 1995 hatte mit Stumm im Zillertal die letzte der 279 Tiroler Gemeinden ein eigenes Wappen.

„Wir machten der Gemeindeführung Vorschläg­e für Motiv und Farben und nahmen dabei auf historische Begebenheiten oder den Schutzheiligen Bezug“, schildert Beimrohr. Im Fall von Matrei in Ost­tirol war das der Märtyrer Alban, dem der Kopf abgeschlagen wurde. „Ursprünglich hielt die Gestalt des Alban den Kopf nur in der Hand“, erinnert sich der Historiker. „Doch dann wünschte sich die Gemeinde eine Abänderung, der Kopf sollte auch auf dem Rumpf des Alban zu sehen sein.“ Grund: Die Matreier hätten sich nicht ständig als „die Kopf­losen“ aufziehen lasse­n wollen.

Ein Beispiel für ein „sprechendes“ Wappen ist Nessel­wängle. Der Namensteil „Nessel“ findet sich als Abbildung auf dem Gemeindewappen wieder. In Thurn, das sein Wappen seit 1956 hat, ist ein Turm zu sehen, daneben Ähren, die auf die Landwirtschaft hinweisen. Dass der Volksmund manchmal eine eigene Deutung des Ortsnamens wählt, zeigt Sillian. Auf dem Gemeindewappen prangt ein Zaumzeug für Pferde, eine so genannt­e „Sille“. „Dabei hat das Wort ,Sillian‘ ganz andere sprachliche Ursprünge“, meint Beimrohr. Einfach machten es sich die Bewohner von Matrei am Brenner. Mit den im Ortsnamen enthaltenen Wortteilen „trei“ und „ei“ war auch schon das Motiv gefunden: drei Eier. (co)

Die Wappen im Uhrzeigersinn von links oben: Thurn, Lienz, Nesselwängle, Sillian, Matrei am Brenner, Matrei in Osttirol.Fotos: Landesarchiv
- Landesarchiv Tirol