Letztes Update am Fr, 12.06.2015 07:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Roboter

Roboter im Vormarsch: Künstlich und bald auch intelligent

Noch greifen in der Roboter-Entwicklung nicht alle Rädchen ineinander. Die breite gesellschaftliche Akzeptanz fehlt ebenso. Beides wird sich ändern.

© APA/EPA/SERGEI ILNITSKYHeavy Metal. Der vierarmige Roboter „Stickboy“ spielt in der Band „Compressorhead“. Entwickelt von deutschen Technikkünstlern.



Von Matthias Christler

Innsbruck — Der Wettbewerb am vergangenen Wochenende in Kalifornien, bei dem Roboter in ein Katastrophen-Szenario geschickt wurden, Hindernisse überwinden, Wände durchbrechen und Türen öffnen mussten, war ein Reinfall. Stehen, gehen, stolpern, stürzen. Für den am wenigsten ungeschickten unter den humanoiden Robotern, DRC-Hubo, bekam das südkoreanische Entwicklerteam zwei Millionen Dollar Preisgeld.

Einerseits zeigt die hoch dotierte Veranstaltung, dass Roboter im Alltag an Wertigkeit gewinnen werden. Beispiele gefällig? „Japanische Großbank will Roboter im Kundenservice einsetzen“ — „Roboter-Astronaut zur Erde zurückgekehrt“ — „Roboter für Krankenhäuser und Pflegeheime entwickelt“ — „Roboter werden bei Opferrettung wichtiger“. Und das sind nur einige der Meldungen der vergangenen Wochen.

Andererseits bewiesen der Wettbewerb, dass eine unter Laborbedingungen funktionierende Mechanik im Alltag scheitert. Der Roboter muss auch „schlau“ bzw. lernfähig sein, wie Roland Stelzer von der Österr. Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften sagt. „Mechanik, Sensoren und eben auch die künstliche Intelligenz müssen miteinander verbunden werden.“ Die Räder greifen ineinander. „Dann kann der Roboter aus seiner Erfahrung heraus Entscheidungen treffen und nicht weil es ihm einprogrammiert wurde“, sagt der Robotik-Experte. Äußerlich nähern sich die Modelle dem an, was sich ein von Büchern und Filmen beeinflusster Geist unter Robotern vorstellt. Einen wie C3PO (großes Bild) aus Star Wars.

Den Goldjungen hat man lieb gewonnen, weil er autonom agiert, wichtige Entscheidungen selbst getroffen hat. Doch wie viel Verantwortung will der Mensch abgeben? „Es gibt Unis, wo das als Roboter­ethik intensiv diskutiert wird. Dabei lassen wir viel schon von Systemen regeln — beim Bremssystem vom Auto oder beim Aktienmarkt, wo im Hintergrund ein Computer spekuliert“, sagt Stelzer. Er rechnet damit, dass in fünf Jahren semi-autonome Roboter Teil der Gesellschaft sind. Der Übergang zur Fremdkontrolle durch künstliche Intelligenz sei jedenfalls ein schleichender und „es braucht dann künstliche Schranken und beschränkte Einsatzgebiete“. Weil man eben nicht alles, was man technisch umsetzen kann, auch umsetzen soll.



DER NÄCHSTE SCHRITT

Fallen. Von der Mechanik her können humanoide Roboter mit zwei Beinen schon perfekt gehen — wenn nichts Unvorhergesehens bzw. vorher Einprogrammiertes passiert. Dann fallen sie.

Aufstehen. Der nächste Schritt ist, dass der Roboter selbstständig aus solchen Fehlern lernt — wie ein Kind. Man kann z.B. einem Roboter im Katastropheneinsatz nicht jeden Stein bei einem Geröllhaufen einprogrammieren. Kommt er aus der Balance und stürzt, merkt er sich das und ändert für die Zukunft sein Verhalten.

DER MASCHINENMENSCH

Roboter. Vor knapp 100 Jahren wurde der Begriff geprägt, damals meinte man damit humanoide Roboter mit zwei Armen und Beinen. Zu Robotern zählen heute auch Industrieroboter oder selbstfahrende Autos.

Semi-Autonom. Einer der am weitest entwickelten Roboter ist „ASIMO“, gebaut hat ihn Honda. Er kann laufen, Treppen steigen und sprechen. Aber nicht lernen. Das heißt, die Entwickler müssen jedes Update einprogrammieren. Ihm fehlt künstliche Intelligenz.

Autonom = intelligent. Ein Roboter, ausgestattet mit Künstlicher Intelligenz, erkennt etwas Neues und kann es interpretieren: Ist der schwarze Fleck am Boden ein gestürzter Fußgänger oder ein Schatten? Der Roboter entscheidet, ob er außen herumgeht oder draufsteigen kann.

FORSCHUNG

Challenge. Österreich veranstaltet mit der RobotChallenge, zuletzt im April, eine der größten, internationalen Meisterschaften für selbstgebaute autonome Roboter.

Forschung. Die Österr. Gesellschaft für Innovative Computerwissenschaften forciert Roboter. So entstand u.a. Taurob, der bei der Wiener Feuerwehr im Einsatz ist.

Schwarm. Vor zwei Wochen gab die Uni Graz bekannt, dass Forscher dort einen Unterwasser-Roboterschwarm ähnlich wie bei Fischen erschaffen haben. Das kollektive System autonomer Roboter lernt aus vergangenen Erfahrungen.

HOFFNUNGEN UND ÄNGSTE

Asien. Im technikverliebten Japan haben Service-Roboter (z.B. als Rezeptionist, als Restaurant-Mitarbeiter, als Museumsführer) eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz.

Europa. Mehr als der Rasenmäher-Roboter konnte sich in Europa gesellschaftlich noch nicht durchsetzen. Roboter als Bürokraft, als Hilfskraft im Lager und bei Zustelldiensten werden einer Studie zufolge als Gefahr für Arbeitsplätze gesehen. Derzufolge könnten mittel- und langfristig 59 Prozent der Stellen in Deutschland von Robotern übernommen werden.

USA. Experten erwarten, dass selbstfahrende Autos, wie sie derzeit vor allem in den USA getestet werden, die Akzeptanz von computergesteuerten, intelligenten Maschinen erhöhen.