Letztes Update am Mo, 29.08.2016 17:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Genetik

Innsbrucker „Lückenfüller“-Software hilft bei Erbgut-Erforschung

Nord- und Südtiroler Forscher stellen mit Kollegen aus den USA ihr neues Programm online zur Verfügung. Bereits jetzt gibt es eine enorme Nachfrage.

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Innsbruck – Mithilfe einer Online-Software werden aufwendige Genomstudien ein Stück weniger aufwendig. Ein Forschungsteam aus den USA, Innsbruck und Bozen hat ein „Lückenfüller“-System entwickelt, mit dem sich genetische Daten automatisch vervollständigen lassen, wie es in einer Aussendung heißt. Das nun im Fachjournal „Nature Genetics“ vorgestellte Service soll Forscher entlasten.

Im Rahmen sogenannter „Genomweiter Assoziationsstudien“ (GWAS) werden möglichst weite Teile des Erbguts von möglichst vielen Menschen auf Auffälligkeiten durchleuchtet, die mit dem Auftreten bestimmter Erkrankungen zu tun haben könnten. Mit der Identifikation solcher genetischer Risikofaktoren kann die Diagnose und Behandlung verbessert werden, betonen die Forscher. Dazu müssen aber Unmengen an Daten analysiert werden, was große Ansprüche an die Computer-Infrastruktur stellt.

„Einen Service, der so simpel ist wie möglich“

Ein Problem bei der Durchführung solcher Studien sind Fehlstellen in den Genom-Daten. Die Wissenschafter wissen sich aber zu helfen, und ersetzen diese mit einer „Imputation“ genannten Methode. Auch das sei allerdings mit viel Aufwand verbunden. Automatisch leistet das aber die Entwicklung der Experten der Sektion für Genetische Epidemiologie der Medizinischen Universität Innsbruck und der Europäischen Akademie (EURAC) Bozen, die unter Federführung von Kollegen University of Michigan (USA) entstand.

„Wir haben einen Service entwickelt, der so simpel wie möglich ist. Wir wollen, dass sich die Forscherinnen und Forscher wieder mit essenziellen Aufgaben wie der Interpretation von Daten beschäftigen können und nicht mit der Ausführung der Analyse selbst“, so die beiden Innsbrucker Erstautoren der Publikation, Sebastian Schönherr und Lukas Forer. Dass hierfür unter Kollegen große Nachfrage herrscht, zeige sich anhand der bereits ungefähr 1.300 Forscher, die sich für am „Michigan Imputation Server“ registriert haben. (APA)