Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 23.01.2017


Tirol

Auf der Spur der Überflieger: Bertrand Piccard im Ötztal

Solarflieger-Pionier Bertrand Piccard stattete dem Ötztal in sozialer Mission einen Besuch ab. Bei der Gelegenheit erinnerte er an das Tirol-Abenteuer seines Großvaters.

Bertrand Piccard am Sonntag im Ötztal, wo er auf die Stelle zeigte, an der einst sein Großvater landete.

© Ötztal-TourismusBertrand Piccard am Sonntag im Ötztal, wo er auf die Stelle zeigte, an der einst sein Großvater landete.



Von Philipp Schwartze

Obergurgl – Die Sonne strahlt über dem Ötztal. Es ist die Sonne, die Bertrand Piccard – der am Wochenende in Obergurgl weilte – und sein Flugzeug „Solar Impulse 2“ angetrieben hat. Ohne einen Tropfen Sprit sind der Schweizer und sein Kollege André Borschberg im vergangenen Jahr um die Welt geflogen – eine Pionierleistung.

„Nach der Landung in Abu Dhabi war ich sehr erleichtert, weil wir oft zurückgeworfen wurden. Ich war mir nicht sicher, ob wir es schaffen würden – und ich hatte 15 Jahre meines Lebens daran gearbeitet“, bleibt der Überflieger im TT-Interview am Boden.

Piccards erster Ötztal-Besuch hat zwei Gründe – und dabei hat keiner etwas mit seiner Flieger-Glanzleistung zu tun. Erstens einmal geht es um die Familie: Denn bereits Piccards Großvater Auguste ist über die Grenzen des zur damaligen Zeit Möglichen gegangen. Mit einer Art Ballon flog er in die Stratosphäre. „Sein Ziel war es, zu demonstrieren, dass man auch in dünnerer Luft fliegen kann“, schildert der berühmte Enkel.

Ohne Treibstoff um die Welt: Bertrand Piccard in der "Solar Impulse 2".
Ohne Treibstoff um die Welt: Bertrand Piccard in der "Solar Impulse 2".
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Das Experiment im Jahr 1931 glückt. Nur am Ende läuft nicht mehr alles nach Plan und Auguste Piccards Ballon, in Augsburg gestartet, legt auf dem Gurgler Ferner eine Notlandung hin. Einheimische helfen dem Abenteurer – noch heute erinnert ein Denkmal an jenen Tag, den 27. Mai 1931. Mehr als 85 Jahre später ist sein Nachkomme Bertrand Piccard einer der größten Pioniere seiner Zeit.

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„Eigentlich war ich bereits zum 50. Jubiläum im Jahr 1981 eingeladen. Da habe ich mir aber kurz zuvor beim Drachenfliegen den Arm gebrochen und konnte nicht kommen. Ich war sehr enttäuscht“, ist Bertrand Piccard an diesem Wochenende umso begeisterter, endlich einmal nach Obergurgl zu kommen. „Es ist ein besonderer Ort in unserer Familiengeschichte.“

Es war auch Großvater Auguste, der bereits 1941 einen Artikel darüber verfasst hat, dass Solarenergie für Flugzeuge genutzt werden müsse, wie Bertrand Piccard in Obergurgl erzählt. „Als ich mit der Solar Impulse 2 geflogen bin, hab ich gedacht: Eigentlich mache ich gerade, was er bereits gesagt hat.“

Doch im Ötztal wandelt Piccar­d nicht nur auf den Spuren seiner Ahnen in Obergurgl-Hochgurgl. Bevor der 58-Jährige nämlich zum Abenteurer wurde, mit einem Ballon nonstop die Welt umrundete und sich Techniken zur Gewinnung erneuerbarer Energien widmete, war er Entdecker in einem komplett anderen Fachgebiet: Piccard ist studierter Psychiater.

Zum Beginn des 50. Pädiatrischen Fortbildungskurses in Obergurgl hielt er einen Festvortrag und präsentierte seine Kinder-Stiftung „Winds of hope“, mit der er die Noma-­Krankheit bekämpfen will. Die schreckliche, von Bakterien verursachte Krankheit breitet sich in der Mundschleimhaut aus und zerfrisst das Gesicht von Kindern und Jugendlichen.

Piccard geht es – wie seinem Großvater und seinem Vater Jacques, einem Pionier der Tiefseeforschung – um Fortschritt und Lösungen – und zwar in allen Lebensbereichen. „Von der Bekämpfung der Armut bis zu erneuerbaren Energien.“ Die Zukunft soll genauso strahlen wie die Sonne über dem Ötztal.