Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.04.2017


Außerfern

Kostbare Fresken in Bach vor der Abrissbirne gerettet

Vom alten Gemeindehaus Bach blieb nur ein Haufen Schutt. Die zwei wertvollen Wandbilder von Anton Christian sind aber in Sicherheit.

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© Friedle Peter



Von Peter Friedle

Bach – Vor geraumer Zeit präsentierte die Gemeinde Bach die Pläne für ein neues Gemeindezentrum. Auf der Außenseite des alten Gebäudes befanden sich seit 50 Jahren die einzigen zwei erhaltenen Fresken von Anton Christian. Der Maler, Jahrgang 1940, ist der wohl bedeutendste lebende Künstler Tirols, der weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Bach hat auch einige Fassadenmalereien seines Vaters Anton Kirchmayr zu bieten – u. a. die Außengestaltung des Gasthauses „Grüner Baum“, den Eingang zur Volksschule und den heiligen Christophorus an der Außenseite der Pfarrkirche. Mit den beiden Fresken seines Sohnes „Leben und Schaffen im ländlichen Raum“ und „Hl. Florian“ war ein einzigartiges Ensemble gegeben.

Der Kulturverein LechtalSpuren mit Obmann Stefan Hanny und seinem Team setzte sich über Monate hinweg aktiv für die Erhaltung der wertvollen Fresken ein (die TT berichtete).

Am 15. Februar fasste die Gemeinde schließlich den Beschluss, die Fresken dem Kulturverein kostenlos zu übergeben. So groß die Freude innerhalb des Vereins in diesem Moment auch war, stellte sich sogleich das Problem der Finanzierung von Abnahme- und Restaurierungsarbeiten sowie der Anbringung an neuen Standorten.

Dank der hohen künstlerischen Wertigkeit und dem öffentlichen Interesse kamen die Kulturabteilung des Landes unter Landesrätin Beate Palfrader und die Landesgedächtnisstiftung unter Vorsitz des Landtagspräsidenten Herwig van Staa schließlich überein, die Gesamtkosten von 50.000 Euro zu gleichen Teilen zu übernehmen.

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Das größere der beiden Fresken (4,7 m x 3,3 m) wird an der Außenfront der Neuen Mittelschule Lechtal zur Hauptstraße hin angebracht werden. Der Schulverband unter Obmann Bürgermeister Markus Gerber stimmte für diese Lösung. Für den „Heiligen Florian“, auf dem auch die Kirche von Bach zu sehen ist, gibt es derzeit noch keinen neuen Platz.

Für beide Fresken bestand auch großes Interesse im Großraum Innsbruck. Ein Bürgermeister: „So günstig wären wir nie zu einem Anton Christian gekommen.“ LR Palfrader stellte aber unmissverständlich fest: „Die Fresken gehören ins Lechtal, zumindest ins Außerfern.“

Der vom Verein LechtalSpuren aufgestellte Zeitplan für die Abnahme der Fresken – der Beginn der Abrissarbeiten des alten Gemeindehauses war mit 3. April festgelegt – konnte dank der guten Witterung und der auf Abruf einsatzbereiten Restaurierungsfirma aus Osttirol eingehalten werden. Als externer Betreuer koordinierte Anton Walch, gebürtiger Bacher und pensionierter Vorstand der Abteilung für Kunsthandwerk, Grafik und Design an der HTL Trenkwalderstraße in Innsbruck, die Arbeiten. Die Beratung erfolgte durch Experten des Bundesdenkmalamtes.

So konnten nun die Fresken ohne Beschädigung unter großer Mithilfe der Lechtaler Abbruchfirma abgenommen und in die Werkstätte des Osttiroler Restaurierungsbetriebes überstellt werden. Sie sollen in weiterer Folge in einen Metallrahmen mit einer Spezialrückseite kommen. Dadurch ist eine flexible Montage ähnlich einem Wandbild an jeder beliebigen Fassade möglich.

Wolfgang Blaas, Amtsleiter der Gemeinde Bach, unterfertigte die Schenkungs- und Übergabeverträge. Jetzt hofft Obmann Stefan Hanny nur noch, „dass es auch für den heiligen Florian einen würdigen Platz geben wird“.


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