Letztes Update am Mi, 05.07.2017 08:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Raumfahrt

Probleme mit Atomuhren bei EU-Satellitenprogramm Galileo

Jeder der 18 Galileo-Satelliten der EU hat vier Atomuhren an Bord. Laut ESA gibt es mit diesen weiterhin Probleme. Die Ursachen sind nun aber bekannt.

Wie ein Bienenschwarm umkreisen intakte Satelliten und Weltraummüll auf einer Computersimulation der ESA die Erde. (Archivbild)

© dpaWie ein Bienenschwarm umkreisen intakte Satelliten und Weltraummüll auf einer Computersimulation der ESA die Erde. (Archivbild)



Brüssel – Beim EU-Satellitenprogramm Galileo gibt es immer noch technische Problemen bei Atomuhren. Nach Prüfungen der europäischen Raumfahrtbehörde ESA seien die Ursachen nun aber bekannt, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Aktuell würden Gegenmaßnahmen getroffen. Auswirkungen auf die Leistung des Systems, das zum Beispiel Daten für Auto-Navigationsgeräte liefert, habe es nicht gegeben.

Jeder der 18 Galileo-Satelliten im All ist nach Angaben der EU-Kommission sicherheitshalber mit vier Atomuhren ausgestattet, damit es bei Problemen an einzelnen Geräten nicht zu Ausfällen kommt. Eines der festgestellten Probleme ist demnach, dass es unter bestimmten Umständen zu Kurzschlüssen kommen konnte.

Weniger als 20 Uhren betroffen

Wie viele Uhren ausgefallen sind, wollte die Brüsseler Behörde nicht sagen. Im Umfeld des Galileo-Programms hieß es aber, Berichte der französischen Zeitung La Tribune, wonach um die 20 Uhren betroffen seien, seien übertrieben. Die ESA hatte Anfang des Jahres von neun Uhren gesprochen.

Womöglich führen die Schwierigkeiten auch zu Verzögerungen bei weiteren Satellitenstarts. Laut EU-Kommission sollen erst im Dezember vier zusätzliche Galileo-Satelliten ins All gebracht werden und vier weitere Mitte 2018. Ursprünglich war der Start für August geplant. Die ESA hatte nach Bekanntwerden der Probleme im Jänner gesagt, dass darüber nachgedacht werde, den Start zu verschieben.

Ob die Änderungen im Zeitplan mit den Problemen an den Atomuhren zusammenhängen, blieb zunächst unklar. Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB, der die aktuellen Satelliten baut, hat jüngst einen 340-Millionen-Auftrag für den Bau von acht weiteren Navigationssatelliten für das Galileo-Programm erhalten.

Erste Galileo-Dienste sind seit Dezember verfügbar. Das Prestigeprojekt war in den vergangenen Jahren wegen großer Kostensteigerungen und jahrelanger Verzögerungen immer wieder in der Kritik. Galileo soll Europa vom amerikanischen GPS unabhängig machen. (APA/dpa)




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