Letztes Update am Do, 01.02.2018 10:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Österreicher wird Anästhesie-Klinikchef an der Universität Chicago

Peter Nagele, ehemals Medizinstudent an der Universität Innsbruck, wird Chef einer der weltweit besten Hochschulen.

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Wien/Chicago – Der österreichische Mediziner Peter Nagele (46) wird Chef der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universität Chicago (USA). Wie die in Rankings stets unter den weltbesten Hochschulen rangierende Uni mitteilte, wird der Spezialist für Trauma-Anästhesiologie seinen Job am 1. März antreten. Nagele war bisher an der Washington University School of Medicine in St. Louis tätig.

Medizinstudium in Innsbruck absolviert

Die University of Chicago, die laut Nobelpreisstiftung 18 Nobelpreisträger hervorgebracht hat, bezeichnet Nagele als „Autorität auf dem Gebiet der perioperativen Pharmakogenomik“, in dem der Einfluss der Erbanlagen auf die Wirkung von Arzneimittel untersucht wird. Nagele, geboren am 29. April 1971 in Ried im Innkreis (OÖ), wuchs in Salzburg auf, studierte Medizin in Innsbruck und absolvierte seine Facharztausbildung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Wiener AKH.

Mit einem Erwin Schrödinger-Stipendium ging er 2000 für zwei Jahre an die Washington University in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri), wohin er nach Abschluss seiner Ausbildung wieder zurückkehrte. An der Anästhesie-Abteilung der Washington University ist er derzeit Chef der Trauma-Anästhesie und Associate Professor für Anästhesie und Genetik.

Nagele hat in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten publiziert und hoch dotierte Förderungen der NIH (National Institutes of Health) erhalten. So hat er in den vergangenen Jahren u.a. herausgefunden, dass mit Hilfe spezieller Biomarker Herzinfarkte bei Patienten nach einer Operation vorhergesagt werden können und dass die Inhalation von Lachgas bei schweren Depressionen hilft.

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Nagele will Forschung auf Weltklasseniveau bringen

In Chicago wird er für das gesamte Spektrum der Klinik zuständig sein, das Patientenversorgung, Lehre, Wissenschaft und Forschung umfasst. Er verantwortet dabei ein Klinikbudget in zweistelliger Millionenhöhe und ist für rund 50 Fach- und Oberärzte sowie ebenso viele Assistenzärzte zuständig. „Ich bin sehr glücklich über diese tolle Herausforderung“, sagte Nagele im Gespräch mit der APA. Er wolle die Klinik zu einer der international führenden Abteilungen machen und speziell die Forschung langsam auf Weltklasseniveau bringen. Wichtig sei ihm dabei „auch ein Zentrum für Innovation aufzubauen, das Forschern ermöglicht, ihre Ideen in neue Medizinprodukte und Medikamente umzusetzen und im Rahmen von Start-Ups auf den Markt zu bringen“.

Der Mediziner, der als Milizoffizier in der Abteilung für Militärmedizin im Verteidigungsministerium beordert ist, wird auch für das neue Trauma-Zentrum der University of Chicago mitverantwortlich sein, das Mitte des Jahres eröffnet werden soll. Der Uni-Campus mit dem Uni-Spital liegt ganz in der Nähe der von hohen Kriminalitätsraten geprägten South Side von Chicago. „Angesichts der hohen Zahl an Schussverletzungen in diesem Stadtteil hat diese Einrichtung das Potenzial, zu einem der größten Trauma-Zentren in den USA zu werden“, sagte Nagele, der sich hier eine Kooperation mit der österreichischen Trauma- und Militärmedizin gut vorstellen kann.

Nagele, ehemaliger Präsident des österreichischen Forschernetzwerks ASCINA, wurde u.a. mit dem Otto-Kraupp-Preis für die beste medizinische Habilitation in Österreich (2006), dem Billroth-Preis der Wiener Ärztekammer (2011), dem Presidential Scholar Award der American Society of Anesthesiology (2012) und dem „Ziskind-Somerfeld Research Award“ der US-Society of Biological Psychiatry (2016) ausgezeichnet. (APA)


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