Letztes Update am Mi, 21.02.2018 12:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Medizin

Innsbrucker Neurowissenschafter Kummer erhält Weiss-Preis

Das Projekt erhält knapp 400.000 Euro und will neue Wege für die Behandlung von neuropathischem Schmerz aufzeigen.

© MUI/Florian LechnerRudolf Bauer (Vorstand Weiss-Wissenschaftsstiftung) mit Preisträger Kai Kummer (Medizin Uni Innsbruck), Christine Bandtlow (Vizerektorin für Forschung und Internationales, Medizin Uni Innsbruck) und Klement Tockner (Präsident FWF Der Wissenschaftsfonds).



Innsbruck – Dem Innsbrucker Neurowissenschafter Kai Kummer ist der renommierte Weiss-Preis verliehen worden. Insgesamt erhält sein Projekt knapp 400.000 Euro. Der Wissenschafter möchte mit dem drei Jahre laufenden Forschungsprojekt neue Methoden für die Behandlung von neurophatischem Schmerz aufzeigen. „20 bis 40 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen Schmerzen“, berichtete Kummer am Mittwoch.

„Herr Kummer hat eine bemerkenswerte Neuorientierung hinter sich“, meinte Christine Bandtlow, Vizerektorin für Forschung und Internationales der Medizinischen Universität, zur Entwicklung des jungen Wissenschafters, die in der heutigen Preisverleihung in Innsbruck gipfelte. „Als Psychologe begann er sich ungewohnterweise für Elektrophysiologie zu interessieren“, ergänzte Bandtlow. Von dort sei er auch zu dem Thema „neuropathischer Schmerz“ gelangt.

„Chronifizierung von Schmerzen“

Eben diesem Themenkomplex werde er sich mit einem „kleinen Team“ widmen, sagte Kummer. Es gehe um die „Chronifizierung von Schmerzen“, so Kummer. „Die Behandlungsmöglichkeiten sind im Moment unzureichend“, konstatierte der junge Neurowissenschafter. In den drei Jahren will sich Kummer mit seinem Team unter anderem mit „Signalwegen“ beschäftigen.

Der präfrontale Kortex - ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde an der Stirnseite des Gehirns - ist an der Verarbeitung von Schmerzsignalen beteiligt. Nunmehr möchte Kummer Hirnregionen untersuchen, die Informationen zum präfrontalen Kortex leiten und durch schmerzhafte Reize aktiviert werden. Aus den Forschungserkenntnissen möchte man „Tools“ zur Behandlung etablieren, betonte Kummer. „Damit möchten wir vor allem bei Betroffenen den Schmerz eliminieren oder zumindest minimieren“, sagte Kummer. Außerdem sollen dadurch wichtige Daten für andere neurologische Erkrankungen gewonnen werden.

Vergeben wird der Weiss-Preis bereits zum vierten Mal. Zum dritten Mal geht er nach Innsbruck. Die von der Weiss-Wissenschaftsstiftung verliehene Auszeichnung wird vom Wissenschaftsfonds FWF abgewickelt. Begutachtet werden die Anträge von FWF-Begutachtern, die Auswahl erfolgt anschließend durch ein Kuratorium, ehe die Weiss-Stiftung eine finale Auswahl trifft. Die knapp 400.000 Euro setzen sich aus dem Weiss-Preis und einer zusätzlichen Förderung des FWF zusammen. (APA)