Letztes Update am Mi, 21.03.2018 11:29

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Branchentreffen

Coole Chemie: Papier aus Elefantenkot und kleckerfreies Eis

Einen bunten Markt der Möglichkeiten präsentiert die Chemie-Branche bei ihrem Treffen in New Orleans. Ob diese Erfindungen und Entwicklungen einmal im Alltag eine Rolle spielen werden?

© APA / Roland Schlager(Symbolbild)



Von Andrea Barthélémy, dpa

New Orleans - Wer bei Chemie vor allem an zähe Unterrichtsstunden vor dem Bunsenbrenner denkt, der kann sich vom weltgrößten Treffen der Branche in New Orleans neu inspirieren lassen. Noch bis zum 22. März hält die Amerikanische Chemische Gesellschaft (ACS) dort ihr 255. Nationales Treffen ab - mit mehr als 13.000 Präsentationen.

Ein Überblick über einige Highlights:

PAPIER AUS ELEFANTENKOT: Der Dung von Elefanten oder Kühen enthält wertvolle Zellulose, die relativ einfach zu Papier verarbeitet werden kann. Gras-fressende Ziegen auf Kreta brachten den Chemiker Alexander Bismarck (Uni Wien) auf die Idee, dass die Enzyme und Säuren in Tiermägen wertvolle Vorarbeit leisten können, um an winzige Zellulose-Fasern zu gelangen. Speziell in baumarmen Gegenden könnte Tierdung helfen, Papier - etwa für Wasserfilter - zu produzieren. Zumal dabei weniger Energie und Chemie verbraucht wird, als wenn diese Nanofasern aus Holz gewonnen werden, betont Bismarck.

MINI-GESUNDHEITSSCANNER: Kleiner als ein Reiskorn und aus dem gleichen Material wie eine weiche Kontaktlinse ist ein Minisensor, der - unter die Haut implantiert - über Jahre Vitaldaten liefern soll. Abgelesen werden diese mit einem kleinen Infrarotscanner auf der Haut, der die Daten dann ans Smartphone übermittelt, berichtet Entwicklerin Natalie Wisniewski (Profusa Inc). Bislang waren solche Implantate bei Tests oft abgestoßen worden - das Hydrogel hingegen nicht. Ein bestimmtes Hefemolekül auf seiner Oberfläche leuchtet unterschiedlich stark, wenn es mit Sauerstoff, Glukose oder Laktat in Berührung kommt.

HÄNDE DRUCKEN IN 4D: 4D-Druck ist das neue große Ding. Damit können Gegenstände geschaffen werden, die durch Licht, Feuchtigkeit oder Temperatur ihre Gestalt verändern. Diesen Prozess haben Forscher des Georgia Institute for Technology jetzt noch verbessert: Ihr 4D-Drucker kann gleichzeitig verschiedene Materialien verarbeiten, die dann unterschiedlich auf Licht oder Temperatur reagieren. Darunter auch bestimmte Polymere, die sich bei Hitze an ihre Ursprungsform „erinnern“. Jerry Xi möchte damit nun Handprothesen für Kinder entwickeln, die mit deformierten Armen geboren wurden.

GESUND GERÄUCHERT: Viele lieben Räucherwurst und Co. Doch selbst geringe chemische Rauch-Überbleibsel im Essen sind ungesund und schlimmstenfalls krebserregend. Ausgerechnet von der Autoindustrie schaute sich Jane Parker (University of Reading) nun einen Trick ab: Sie räucherte Testprodukte über einem speziellen Filter aus Zeolith, einem porösen Mineral. Das Ergebnis überraschte doppelt: Bis zu 93 Prozent der gefährlichen Stoffe wurden so herausgefiltert. Und die Testesser lobten das Aroma - „wie Weihnachtsschinken“. Das filterlos geräucherte Produkt erinnerte sie hingegen an „Aschenbecher“.

SCHNELLTEST FÜR DESIGNERDROGEN: Ein neuer Schnelltest soll künftig selbst kleinste Spuren synthetischer Drogen erkennen - und so dabei helfen, Menschen nach einer Überdosis das Leben zu retten. Herzstück ist eine kleine Kartusche, auf die Blutplasma geträufelt wird. Die Drogenspuren werden chemisch extrahiert, konzentriert und ionisiert, so dass ein Massenspektrometer ihre individuell typische Struktur erkennen kann. Der ganze Prozess dauert nur Minuten. Bislang seien dafür langwierige Blutproben nötig gewesen, berichtet Nicholas Manicke (Indiana University).

KLECKERFREIES EIS: Wer es leid ist, heruntertropfendes Eis von der Waffel zu lecken, darf auf Bananenstauden hoffen. Deren Fasern können verhindern, dass Eiskrem zu schnell schmilzt, fand Douglas Goff (University of Guelph) heraus. Die stabilisierenden Zellulose-Fasern, gewonnen aus zerriebenen Bananenblatt-Stielen, sind tausendmal dünner als ein Haar. Außerdem würden sie die Cremigkeit von fettarmem Eis verbessern, sagt Goff. Sein Fund dürfte jedoch eher die Eiskrem-Industrie als traditionelle Gelato-Freunde beflügeln.