Letztes Update am Mo, 14.05.2018 17:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Forscher entdeckten „Einer-für-alle-Antikörper“ gegen Bakterien

In der Behandlung von Krankheiten ist ein Durchbruch erzielt worden. Forscher entdeckten Antikörper für alle möglichen Bakterien auf einmal.

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Wien/Heidelberg – Bisher war jeder entdeckte Antikörper des Immunsystems auf ein spezielles Ziel fixiert. Ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung fand nun jedoch einen, der den kleinsten gemeinsamen Nenner aller möglichen Bakterien als Angriffspunkt erkennt und dadurch viele verschiedene Mikroben bekämpfen kann. Die Studie erschien im Fachjournal „Nature Immunology“.

Die Forscher um Tim Rollenske und Hedda Wardemann vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg haben aus dem Blut und Darm von gesunden Personen Antikörper gegen „Klebsiella pneumoniae“-Bakterien isoliert. Normalerweise sind diese unauffällige Bewohner des Magen-Darm-Trakts, bei immungeschwächten Menschen können sich die Mikroorganismen aber stark vermehren und lebensbedrohliche Krankheiten verursachen, so die Forscher in einer Aussendung. Sie sind auch häufige „Krankenhauskeime“, die gegen viele Antibiotika resistent sind.

Diese Antikörper erkannten aber zur Überraschung der Wissenschafter, zu denen Eszter und Gabor Nagy von der Firma Arsanis Bioscience in Wien gehören, auch andere Bakterien. Dazu hefteten sie sich an eine kleine Oberflächenstruktur aus dem Zucker „Mannose“. „Dieses ‚Epitop‘ ist quasi der kleinste gemeinsame Nenner dieser Mikroben“, erklärte Rollenske im Gespräch mit der APA. Für die Antikörper mache es keinen Unterschied, was sich rundherum befindet.

Die Forscher haben die neu entdeckten Antikörper im Labor vervielfältigt und bei Mäusen getestet. Dort konnten sie eine ansonsten tödliche Blutvergiftung (Sepsis) durch Bakterien verhindern, so Rollenske. Die Antikörper könnten nach weiteren Tests vielleicht auch bei Menschen zur Behandlung von Infektionen eingesetzt werden und bei immungeschwächten Patienten prophylaktisch verabreicht werden, meinen die Wissenschafter. (APA)