Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.10.2018


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Mit Gelassenheit am Weg zum Mars

Das Österreichische Weltraum Forum steckt die nächste Generation von Mars-Forschern in ein neues Gewand. Schüler helfen beim Bau des 100.000-Euro-Anzugs.

© OeWF-BernhardKaliauerDesignStudiHTL-Schüler helfen bei der Entwicklung des Helms.



Von Matthias Christler

Innsbruck – Der Mensch, der als Erster den Mars betritt, ist schon geboren. Und er besucht die HTL Anichstraße. Die erste Behauptung würden zahlreiche Weltraumexperten, zu denen Gernot Grömer zählt, schon unterschreiben. Der Gründer und Direktor des ÖWF (Österreichisches Weltraum Forum) war vor wenigen Wochen bei einem Arbeitstreffen in Washington, und dort wurde das Ende der 2030er-Jahre als Zeitraum genannt, in dem der erste Mensch den Mars betritt. Die Behauptung, dass es ein Tiroler Schüler sein könnte, ist eine gewagtere. Bei der Präsentation eines neuen Raumanzug-Simulators formulierte es Grömer gestern in Innsbruck so: „Die Generatio­n, die am Mars landen wird, geht jetzt in die Schule, vielleicht in New York oder in der Anichstraße.“ Grömer nennt die Schule nicht ohne Grund.

In den neuen Marsanzug-Simulator des Österreichischen Weltraum Forums steigt man von hinten ein.
- OeWF-BernhardKaliauerDesignStudi

Schüler der HTL Anichstraße, der HTL Jenbach und HTL Fulpmes sowie der Ferrarischule in Innsbruck beteiligen sich mit Projekten an der Entwicklung des Raumanzug-Simulators. Seit zehn Jahren testet das ÖWF Anzüge unter Mars-ähnlichen Bedingungen bei Missionen in Wüsten und auf Gletschern. Jetzt wird „Aoud­a“ ausgemustert und soll bald durch „Serenity“ (zu Deutsch „Gelassenheit“) ersetzt werden. Nicht nur das Design, auch das Anziehen durch einen Einstieg auf der Hinterseite wurde modernisiert. „Statt zwei bis drei Stunden werden wir nur noch eineinhalb Stunden in der Missionsplanung vorsehen“, beschrieb Grömer einen Vorteil.

Außerdem kann man mit dem neu konzipierten Rücken­einstieg zum Beispiel an der Außenschleuse eines Simulations-Habitats der Universität von North Dakota andocken. Das neue Modell, von dem es bis Ende Sommer 2019 zwei Prototypen geben soll, sei laut Grömer der weltweit am weitesten entwickelte Raumanzug-Simulator. „Die NASA schaut uns über die Schulter, wie wir bestimmte Ideen umsetzen.“ Die Entwicklung und der Bau eines Prototyps kosten das ÖWF, das unter anderem vom Förderverein Technik Tiro­l finanziell unterstützt wird, ca. 100.000 Euro.

Einige Schüler der HTL Anichstraße sind bei konkreten Projekten wie der Helm-Entwicklung beteiligt. Lehrer Benedikt Frischmann erzählte, dass die Jugendlichen von der Weltraum- und Mars-Faszination gepackt worden seien. Und sie sind mit ungewohnten Herausforderungen konfrontiert. „Sie müssen sich Budget-Vorgaben beschäftigen, mit Vorgaben für Masse und Energie. Da heißt es: Spare bitte 5 Gramm dort ein, dann bekommst du 3 Joule Energie hier“, meinte Frischmann.

Das ÖWF, das seit etwa 20 Jahren in der Mars-Forschung tätig ist, nutzt den Austausch mit den Schulen zum Aufbau von Nachwuchs in den eigenen Reihen. Dabei hilft es natürlich, wenn der neue Anzug ein modernes Design hat. Und auch hinter dem Namen „Serenit­y“ – so heißt nicht ganz zufällig eine bei Science-Fiction-­Fans beliebte Serie – versteckt sich eine Botschaft. „Gelassenheit, dieser Name ist für uns Programm. Denn bei den ganzen Herausforderungen, die der Mars und auch Mars-Simulationen bieten, wäre es ganz gut, gelassen zu bleiben“, meinte Grömer.


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