Letztes Update am So, 21.10.2018 19:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Kopfloses Hühnermonster: Forscher filmen kuriose Seegurke

Viele Tiefseetiere sehen aus, als kämen sie von einem anderen Stern. So auch die Tiefsee-Seegurke, die zwar nicht unbekannt ist, allerdings vorher noch nie im Bereich der Ostantarktis gesichtet wurde. Neue, robuste Kameratechnologie macht das möglich.

Die Tiefsee-Seegurke erinnert an ein küchenfertiges Hähnchen in Rot.

© NOAADie Tiefsee-Seegurke erinnert an ein küchenfertiges Hähnchen in Rot.



Antarktis — Forscher haben in der Tiefsee um die Antarktis eine kuriose Seegurke gefilmt. Die auch „kopfloses Hühnermonster" (headless chicken monster) genannte Art Enypiastes eximia war vorher erst einmal im Golf von Mexiko gefilmt worden, wie die Australian Antarctic Division (AAC) am Sonntag mitteilte. Die Organisation erforscht für das australische Umweltministerium die Antarktis samt Umgebung.

Die fassförmige Seegurke ist je nach Alter zartrosa bis rotbraun. Das Aussehen des Tiefseetieres erinnert an ein kopfloses, gelatineartiges Hühnermonster, das schwimmen kann. Es wird bis zu 25 Zentimeter lang und bewohnt Tiefen zwischen 300 und 6000 Metern. Insgesamt gibt es rund 20 verschiedene Arten von Tiefsee-Seegurken, die sich mit dem in ihrer Haut befindlichen Leuchtstoff gegen Angreifer verteidigen.

Das Südpolarmeer enthält eine unglaubliche Vielfalt von Meeresorganismen, darunter viele kommerziell begehrte Arten, deren Entnahme mit Blick auf künftige Generationen sorgfältig gehandhabt werden muss, sagte die australische Beauftragte für die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCLR), Gillian Slocum.

Besonders robustes Gehäuse

Die Daten, die in der Tiefsee des Südpolarmeeres von den Forschern gesammelt werden, sollen helfen, ein neues Meeresschutzgebiet im Südlichen Ozean zu schaffen. Sie sollen auf der diesjährigen Konferenz im australischen Hobart vorgestellt werden.

Die faszinierenden Aufnahmen machten die Wissenschafter des Australian Antarctis Divison, kurz AAD, mit einer selbst entwickelten Kameratechnik, die mit einem besonders robusten Gehäuse ausgestattet ist. „Das Gehäuse, das die Kamera und die Elektronik schützt, muss so konzipiert sein, das es an Langleinen ins Südpolarmeer gelassen werden kann", erklärt Dirk Welford, der das Projekt bei der AAD leitet. „Wir brauchten etwas, das von einem Boot geworfen werden kann und zuverlässig über lange Zeiträume unter extremen Druck im Stockdunkel funktioniert", so Welford weiter.

Die Aufnahmen, die gemacht wurden, bestätigen, dass den Forschern die Entwicklung einer solchen Kameratechnologie gelungen ist. Aus diesem Grund arbeiten auch Forscher in anderen Ländern, wie beispielsweise Chile, Frankreich oder Großbritannien bereits mit den robusten Geräten, die in Australien hergestellt werden. (dpa)