Letztes Update am Sa, 08.06.2019 13:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Raumfahrt

NASA will ISS für Touristen öffnen, Trump reagiert mit Kritik

58 Millionen Dollar soll für Weltraumtouristen der Hin- und Rückflug zur Internationalen Raumstation kosten. Hinzu kommen rund 35.000 Dollar täglich für Verfplegung. US-Präsident Trump ist wenig begeistert.

Die Internationale Raumstation ISS.

© APA/AFP/NASADie Internationale Raumstation ISS.



New York, Washington — Die US-Raumfahrtbehörde NASA will die Internationale Raumstation (ISS) für Touristen öffnen. Ab 2020 solle es eine „kommerzielle" Nutzung der ISS für Weltraumtouristen geben, kündigte NASA-Finanzvorstand Jeff DeWitt am Freitag in New York an. Die NASA wolle bis zu „zwei kurze Missionen pro Jahr für Privat-Astronauten" genehmigen, erklärte die für die ISS zuständige NASA-Vertreterin Robyn Gatens.

Die privaten Reisen ins All können laut NASA bis zu 30 Tage dauern. Bis zu einem Dutzend Weltraumtouristen könnten somit jährlich an Bord der ISS kommen. Dorthin sollen sie von zwei Anbietern gebracht werden, die derzeit Raumkapseln für die NASA entwickeln: das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk und der US-Flugzeugbauer Boeing.

Die beiden Unternehmen wählen die Weltraumtouristen aus. Hin- und Rückflug sollen rund 58 Millionen Dollar kosten. Für das Leben an Bord der Raumstation müssen die Urlauber laut DeWitt rund 35.000 Dollar täglich bezahlen.

Kritik von US-Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump hat mit Kritik auf die Ankündigung der NASA reagiert. Er scheint sich daran zu stoßen, dass die NASA als Grund für ihr Tourismus-Programm die Finanzierung einer bemannten Mondmission nannte.

"Für all das Geld, das wir ausgeben, sollte die NASA NICHT darüber reden, zum Mond zu fliegen - das haben wir schon vor 50 Jahren gemacht", schrieb Trump am Freitag (Ortszeit) auf Twitter. Stattdessen solle sich die Behörde auf "größere Dinge" wie den Mars, die Verteidigung oder die Wissenschaft konzentrieren. Für Verwirrung und Schmunzeln in sozialen Netzwerken sorgte er mit der Behauptung, dass der Mond ein Teil vom Mars sei.

Trump schien damit dem von seiner eigenen Administration unterstützten Plan zu widersprechen. Dieser sieht vor, auf dem Mond einen Außenposten für eine geplante Mars-Mission zu errichten. Trump selbst hatte die "Space Policy Directive 1" im Dezember 2017 unterschrieben und sie als "das Fundament für eine Mars-Mission" beschrieben.

NASA-Leiter Jim Bridenstine antwortete auf Trumps Tweet ebenfalls auf Twitter: "Wie der Präsident der Vereinigten Staaten sagt, benutzt die NASA den Mond, um Menschen zum Mars zu schicken!" Zudem verwies er auf unbemannte Missionen, die sich gegenwärtig auf dem Roten Planeten befinden oder auf dem Weg dorthin sind.

Dabei dürfte dem US-Präsidenten Bridenstines Plan für die kommerzielle Nutzung der ISS gefallen: Die US-Raumfahrtbehörde NASA will Touristen ab 2020 in großem Stil und zu hohen Preisen auf der Raumstation ISS beherbergen. Das soll auch gut für die Steuerbelastung der US-Bürger sein. Die Vereinigten Staaten tragen den Großteil der Kosten für die ISS von weit mehr als drei Milliarden Euro im Jahr. Die Gesamtkosten für Aufbau und Betrieb belaufen sich nach Schätzungen bereits auf deutlich über 100 Milliarden Euro. (APA/AFP, dpa, TT.com)

Touristen im Weltall

Permanent von Raumfahrern bewohnt ist die Internationale Raumstation (ISS) seit Ende 2000. Mehr als 200 Menschen waren bereits an Bord. Kommandant ist meist ein Russe oder US-Amerikaner. Zu den Besuchern der Raumstation zählten auch sieben Touristen. Seit 2001 erfüllen sich wohlhabende Abenteurer ihren Traum von einer Reise ins All und bezahlen dafür Millionen - darunter bisher erst eine Frau:

DENNIS TITO: Der amerikanische Multimillionär flog im April 2001 zur Weltraumstation ISS und war der erste Weltraumtourist überhaupt.

MARK SHUTTLEWORTH: Der südafrikanische Geschäftsmann war 2002 der erste Afrikaner im All.

GREGORY OLSEN: Der US-Millionär kehrte im Oktober 2005 von der ISS zurück. Er war auch an wissenschaftlichen Experimenten beteiligt.

ANOUSHEH ANSARI: Die US-Unternehmerin iranischer Abstammung machte 2006 im Auftrag der europäischen Weltraumbehörde ESA Experimente.

CHARLES SIMONYI: Der US-Millionär und Software-Entwickler leistete sich den Trip gleich zweimal: 2007 und 2009.

RICHARD GARRIOTT: Der amerikanische Spieleentwickler und Sohn eines Raumfahrers war im Oktober 2008 gut eine Woche auf der ISS.

GUY LALIBERTE: Der kanadische Gründer des Zirkus-Unternehmens "Cirque du Soleil" kam im Oktober 2009 zur ISS.

Weltraumtourismus gilt als eine Möglichkeit, die immensen Kosten für den Betrieb der ISS zu stemmen. Den Großteil der Kosten von weit mehr als drei Milliarden Euro im Jahr tragen die USA. Die Gesamtkosten für Aufbau und Betrieb belaufen sich nach Schätzungen bereits auf deutlich mehr als 100 Milliarden Euro.


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