Letztes Update am Do, 27.06.2019 14:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Lebensraum im Wandel: Erste Sonderausstellung im „Tirol Panorama“

„(Un)natürlich urban - Lebensraum in Wandel“ heißt die erste Sonderausstellung im Museum am Bergisel. Sie zeigt die tierische und pflanzliche Artenvielfalt im städtischen Umfeld.

Ein Steinbock am Dach des "Tirol Panorama" begrüßt die Besucher zur Sonderausstellung.

© TLM/Martin GamperEin Steinbock am Dach des "Tirol Panorama" begrüßt die Besucher zur Sonderausstellung.



Innsbruck – Unter dem Titel „(Un)natürlich urban – Lebensraum in Wandel“ thematisiert das zu den Landesmuseen gehörige „Tirol Panorama“ in seiner ersten Sonderausstellung die tierische und pflanzliche Artenvielfalt im städtischen Umfeld. Dafür wurde unter anderem mit Tierpräparaten sowie historischen und aktuellen Fotografien von Innsbruck gearbeitet.

„Bitte berühren“ – das könnte als alternatives Motto über der Ausstellung stehen oder den Besuchern zumindest als Hinweis zur Hand gegeben werden. „Man darf die Präparate definitiv angreifen und den Wolf auch streicheln“, meinte die Leiterin des „Tirol Panorama“, Christine Gamper, am Donnerstag bei einer Presseführung in Innsbruck.

Dafür, dass man mehr streicheln kann als lesen muss, sorgt die sparsame Verwendung von Textinterventionen. Anstelle von Textfluten erwarten die Besucher Wolf, Biber, Luchs, Maulwurf, Igel & Co – alle bestens präpariert. Der Bär, der derzeit kein allzu gutes Image hat, wurde bewusst ausgespart. „Einer Bärenmutter mit zwei Kindern möchte auch ich nicht begegnen“, sagte der Präparator und Kurator der Ausstellung, Peter Morass, in diesem Zusammenhang. Dem Wolf hingegen hielt er die Treue: „Der Wolf ist eigentlich nicht böse“, betonte er.

„Das leise Sterben“

Im Verlauf der Ausstellung begegnet man aber nicht nur dem „nichtbösen“ Wolf, sondern auch Fotografien von Innsbruck, die auf Monitoren gezeigt werden. Die Fotos zeigen den Kontrast vom besiedelten Innsbruck im Gegensatz zur unberührten Natur. „Der Mensch braucht Platz“, sagte Gamper diesbezüglich und verwies dabei auf die Gegenüberstellung von Innsbruck-Fotografien aus den 1950er-Jahren und der Gegenwart. Auf diesen ist gut sichtbar, dass Haus und Mensch immer mehr Raum von der ursprünglichen Natur erobert haben.

Folglich liegt auch das Thema Artenvielfalt und Reduktion ebendieser überaus nahe. Der Ideengeber und Kurator der Ausstellung, Andreas Eckelt, dachte sich zur Illustration dafür unter anderem eine Vitrine mit dem drastischen Titel „Das leise Sterben“ aus. Auch künstlerisch wird den gefährdeten Insektenarten Raum gegeben. Die Osttiroler Künstlerin Alexandra Kontriner hat in naturalistisch anmutenden, präzisen Zeichnungen diverse bedrohte Insekten porträtiert.

Insgesamt fällt die organische Einbettung der Sonderausstellung in die bereits bespielten Flächen des „Tirol Panorama“ und das gute Händchen für punktgenaue Platzierung der Tierpräparate auf. Vom Wolf aus fällt der Blick der Besucher notwendigerweise auf den umliegenden Wald und vor allem auf die nahe Autobahn. Im Riesenrundgemälde, der Hauptattraktion des Museums, finden sich nur vereinzelt Vögel, die das historische Szenario rund um die Bergisel-Schlacht bereichern. Beim Ausgang aus dem Tiroler Panorama darf man wiederum dem Biber, ungewöhnlich inmitten einer Glasfläche platziert, leise Servus sagen. (APA)


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