Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


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Dunkle Farben wärmen mehr: So wird den Pilzen nicht kalt

Das Geheimnis der Pilzfarben scheint bis zu einem gewissen Punkt gelüftet. Franz Krah von der TU München fand heraus, dass die Fruchtkörper in kalten Zonen dunkler sind.

Die Farbe des Fruchtkörpers spielt bei den Pilzen eine entscheidende Rolle.

© iStockphotoDie Farbe des Fruchtkörpers spielt bei den Pilzen eine entscheidende Rolle.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Mit seinem kräftig roten Hut und den weißen Punkten sticht der Fliegenpilz im Wald schnell ins Auge. Trotz der Farbenpracht sind Kulinarikfreunde bei seinem Anblick alles andere als verzückt – ist der Fliegenpilz doch giftig. Dafür freuen sie sich umso mehr über die gelben Eierschwammerl.

Bei der Bestimmung der Pilzart sind Farbe und Geruch wichtig. Hinter der Färbung steckt jedoch noch einiges mehr, wie Franz Krah von der Technischen Universität München nun herausgefunden hat: „Auch Pilze sind ektotherm. Das bedeutet, dass sie von der Umwelttemperatur abhängig sind und die Farbe ein wichtiger Faktor ist.“

In der Tierwelt spielt die Färbung bekanntlich eine entscheidende Rolle. So sind z. B. Tarnfarben ein Schutz vor Feinden. Auch das Klima hat Einfluss. „Was hinter der Färbung bei Pilzen steckt, war bislang jedoch unverstanden“, erklärt der Forscher. Die Tatsache, dass für wechselwarme Tiere dunkle Färbung oft wichtig ist, da so Wärme schneller aufgenommen werden kann, vermutete Krah auch bei Pilzen. „Daher haben wir uns die Helligkeit angeschaut. Dies war auch von den Daten gut zu erheben“, berichtet Krah.

Vorhandene Aufzeichnungen aus acht Ländern wurden herangezogen, so konnten 3054 Pilzarten untersucht werden. Die Vermutung des Forschers wurde bestätigt: „In kalten Klimazonen sind die Fruchtkörper der Pilze dunkler. Die Ergebnisse könnte man so interpretieren, dass sich die Pilze durch die dunklen Farben schneller aufwärmen und Sporen schneller verbreitet werden.“ In wärmeren Regionen ist die Farbe indes heller: „Was in kalten Regionen ein Vorteil ist, könnte in warmen ein Nachteil sein. Durch dunkle Farben könnten sie überhitzen und austrocknen.“ Auch die Höhenlage und die damit verbundenen Temperaturunterschiede sorgen für Farbänderungen: „Wenn man zum Beispiel in Tirol auf den Berg geht, können auf 2000 Meter dunklere Pilze als im Tal sein.“ Bei der Studie hat sich das internationale Forschungsteam jedoch nicht mit Einzelarten beschäftigt: „Man kann nicht ausschließen, dass sich eine Art in anderen Regionen anpassen kann. An kalten Orten wachsen jedoch andere Arten, die dunkler sind als an wärmeren Gebieten.“

Zudem gibt es eine weitere Erkenntnis. Pilze unterscheiden sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensstrategien, wie der Regensburger schildert: „Destruenten, Pilze, die auf Totholz wachsen und daher Baumstämme zersetzen, werden im Frühjahr und Herbst dunkler.“ Destruenten werden häufig kultiviert, typische Beispiele dafür sind Champignons, Shiitake und der Austern-Seitling.

Bei symbiotischen Pilzen wie Steinpilzen und Pfifferlingen, die schwer zu kultivieren sind, bleibt die Farbe gleich: „Wir vermuten, dass so genannte Mykorrhizapilze, die vom Wirt leben, nicht so einen evolutionären Druck haben.“ Noch eine gute Nachricht: Der Klimawandel hat die Pilze bislang nicht beeinflusst. „Wir haben bei unseren Daten keinen Effekt gefunden, dass die Pilze heller wurden in den vergangenen 40 Jahren“, so Ökologe Krah.