Letztes Update am So, 21.07.2019 11:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Faktencheck

Nach 50 Jahren noch Zweifel: Mondlandung echt oder fake?

Um die erste Mondlandung ranken sich viele Mythen. Auch nach 50 Jahren bezweifeln Verschwörungstheoretiker noch, dass Menschen auf dem Erdtrabanten waren. Die zehn wichtigsten Argumente im Faktencheck.

US-Astronaut Buzz Aldrin als zweiter Mann auf dem Mond.

© APA/AFP/NASA/HOUS-Astronaut Buzz Aldrin als zweiter Mann auf dem Mond.



Berlin — Zugegeben, es ist noch immer unfassbar: Menschen flogen zum Mond, fuhren dort Auto und spielten sogar Golf. Der 20. Juli 1969 — die Landung der ersten Mondmission ist ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. 50 Jahre später bezweifeln immer noch manche, dass Menschen auf dem Erdtrabanten waren. Sie glauben, die Aufnahmen seien im Studio entstanden. Die zehn wichtigsten Argumente:

1. Behauptung: Die „wehende" Flagge

Die „wehende" US-Flagge ist das anschaulichste Beispiel für die angeblich gestellte Mondlandung. Da auf dem Mond kein Wind bläst, dürfe die Fahne nicht wehen, monieren Kritiker. Allerdings: Die Bewegungen des Stoffes, der an einer Querstrebe hängt, stammen von keiner Brise, sondern von Erschütterungen des Fahnenmastes — etwa beim Einstecken oder Ausrichten, wie Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betont. Da der Mond keine Atmosphäre hat, wird das Wackeln des Stoffes kaum gebremst.

Das Bild der NASA zeigt die US-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin (eigentlich Edwind E. Aldrin, Jr.) beim Aufstellen der US-Flagge auf dem Mond.
Das Bild der NASA zeigt die US-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin (eigentlich Edwind E. Aldrin, Jr.) beim Aufstellen der US-Flagge auf dem Mond.
- dpa

2. Behauptung: Fußabdrücke im Mondstaub

Viele Bilder zeigen Spuren der Raumfahrer im Mondstaub. Wie kann der knochentrockene Staub die Form halten, fragen Kritiker. Urs Mall vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erklärt die gute Bindung vor allem mit der Konsistenz des extrem feinen Mondstaubs. Dessen Bausteine seien nie durch Wind oder Wasser abgeschliffen worden, kantig geblieben und hafteten daher besonders gut aneinander.

US-Astronaut Buzz Aldrin bei der ersten Mondbegehung. Die Fußspuren am Boden sind für Verschwörungstheoretiker der eindeutige Beweis dafür, dass die Mondlandung in Wirklichkeit nie stattgefunden hat.
US-Astronaut Buzz Aldrin bei der ersten Mondbegehung. Die Fußspuren am Boden sind für Verschwörungstheoretiker der eindeutige Beweis dafür, dass die Mondlandung in Wirklichkeit nie stattgefunden hat.
- NASA

3. Behauptung: Zu niedrige Hüpfer

Die Sprünge der Astronauten auf der Mondoberfläche seien zu niedrig, wenden Zweifler ein. Angesichts der geringen Gravitation - etwa ein Sechstel der irdischen Schwerkraft - hätten die Raumfahrer meterhoch springen können. Mall führt die niedrigen Hüpfer vor allem auf die etwa 85 Kilogramm schweren Raumanzüge und die eingeschränkte Beweglichkeit zurück. Jaumann ergänzt, es sei nicht um hohe Sprünge gegangen. Aus Sicherheitsgründen hätten sich die Raumfahrer mit kleinen Hüpfern oder Trippelschritten bewegt.

4. Behauptung: Mangelnde Haftung des Mondfahrzeugs

Die Astronauten fuhren mit Fahrzeugen über den Mond. Angesichts der geringen Schwerkraft hätten die Rover aus den Kurven rutschen müssen, meinen Zweifler. Die Fliehkraft hängt jedoch insbesondere von Radius und Geschwindigkeit ab. Das Höchsttempo der Fahrzeuge lag laut Nasa bei etwa 15 Kilometern pro Stunde. Das entspricht — bei ähnlichem Untergrund — rechnerisch etwa der Fliehkraft, die ein irdisches Auto bei gleichem Radius mit 37,5 Stundenkilometern hätte. Dass die Astronauten die Kurven mit Vollgas fuhren, ist äußerst unwahrscheinlich.

Ein zurückgelassenes Fahrzeug der Apollo-15-Mission im Jahr 1971.
Ein zurückgelassenes Fahrzeug der Apollo-15-Mission im Jahr 1971.
- AFP

5. Wiederkehrende „Kulissen"

Ähnlichkeiten der Mondlandschaft auf verschiedenen Bildern gelten als Beleg dafür, dass im Studio stets gleiche Kulissen verwendet wurden. Allerdings verwundern wiederkehrende Motive nicht, schließlich machten die Astronauten an ihren Landestellen Tausende Fotos aus verschiedenen Perspektiven, wie Mall erläutert. Außerdem betont er, dass sich die Landschaften an den Landestellen ohnehin stark ähneln - auch weil markante optische Elemente wie auf der Erde fehlten.

6. Behauptung: Fehlende Fadenkreuze auf den Bildern

Die Linsen der Hasselblad-Kameras der Astronauten enthielten Fadenkreuze - etwa um Distanzen besser einschätzen zu können. Diese Fadenkreuze scheinen an manchen Stellen hinter Objekten zu verschwinden, was Kritiker als Fotomontage deuten. Bei näherem Hinsehen zeigt sich oft, dass die Kreuze durchaus da, aber vor dunklem Hintergrund kaum erkennbar sind. Allerdings, so Jaumann, wurden später auch bearbeitete Bilder veröffentlicht.

Der Abstieg von der Mondlandefähre auf den Erdtrabanten.
Der Abstieg von der Mondlandefähre auf den Erdtrabanten.
- NASA

7. Behauptung: Keine Sterne am Himmel

Auf den Bildern der Astronauten sind am Himmel keine Sterne zu sehen. Die Astronauten betraten den Erdtrabanten tagsüber - ein Mondtag dauert zwei Wochen. Auf den Bildern ist der Kontrast zwischen der grellen Mondoberfläche und dem dunklen Himmel viel zu stark, als dass lichtschwache Pünktchen am Firmament sichtbar wären.

Der "Erdaufgang" vom Mond aus.
Der "Erdaufgang" vom Mond aus.
- APA/AFP/NASA/HO

8. Behauptung: Der Schattenwurf passt nicht

Dass Schatten auf den Bildern in verschiedene Richtungen verlaufen oder gestaucht sind, führen Kritiker auf verschiedene Lichtquellen zurück. Grund dafür sind laut Mall vor allem Unebenheiten der Mondoberfläche. Dadurch können Schatten länger, kürzer oder verzerrt erscheinen.

9. Behauptung: Fehlender Landekrater

Unterhalb der Landekapseln sieht man keinen Landekrater und kaum Staub. Kein Wunder, sagt Jaumann: Die Landestellen seien nicht senkrecht, sondern seitlich angeflogen worden. Die Triebwerke hatten demnach nicht die Kraft, Krater in das feste Mondgestein zu brennen.

Für Skeptiker ist klar: Die Triebwerke hatten nicht die Kraft, Krater in das feste Mondgestein zu brennen.
Für Skeptiker ist klar: Die Triebwerke hatten nicht die Kraft, Krater in das feste Mondgestein zu brennen.
- AFP

10. Behauptung: Tödliche Strahlung

Beim Hin- und Rückflug waren die Besatzungen vor allem im Van-Allen-Gürtel, einem die Erde umgebenden Strahlungsring, erhöhter Teilchenstrahlung von der Sonne ausgesetzt. Diese Belastung hätte Stunden angedauert und tödlich sein können, wenden Kritiker ein. Mall schätzt die Dauer für die Durchquerung des Van-Allen-Gürtels auf etwa eine Stunde, wobei die Crew durch die Aluminium-Hülle der Raumkapsel geschützt war. Die Astronauten waren demnach zwar erhöhter Strahlung ausgesetzt, aber die Dosis war überschaubar. Die Nasa habe die Flugbahn der Missionen so gelegt, dass die intensivsten Strahlungsbereiche umflogen wurden.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa selbst äußert sich zu Fälschungstheorien grundsätzlich nicht. Doch sie hat vor einigen Jahren Bilder der Mission „Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) veröffentlicht. Die Raumsonde hatte Aufnahmen von Apollo-Landestellen in hoher Auflösung zur Erde gefunkt. Auch wenn sie hartnäckige Zweifler nicht umstimmen mögen - die Bilder zeigen neben zurückgelassenen Instrumenten die Spuren der Rover und sogar Fußspuren der Astronauten.

Zudem, so Jaumann und Mall, hätten Tausende Mitarbeiter an den sechs Missionen mitgewirkt. „Fälschungen über Jahrzehnte geheim zuhalten, halte ich für sehr schwierig", sagt Mall. Außerdem ein eindeutiger Beleg: die über 380 Kilogramm Mondgestein, welche die Astronauten zur Erde mitbrachten. Im Gegensatz zu den - erst später entdeckten - Mondmeteoriten, die auf die Erde fielen, wurden diese Brocken nicht durch ihre Reise durch die Erdatmosphäre verändert. (APA/dpa)

“Apollo 11“ - Tagebuch einer Mondreise

13,5 Tonnen Treibstoff verbrennen pro Sekunde kontrolliert unter Michael Collins, Buzz Aldrin und Neil Armstrong. Tausende Zuschauer jubeln am 16. Juli 1969 um 9.32 Uhr Ortszeit rund ums Cape Kennedy in Florida, als sich die Saturn-V-Rakete in den Himmel schiebt. Ein Bilderbuch-Start für die Mission "Apollo 11", die erstmals Menschen auf den Mond bringt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg:

16. Juli: Nach knapp zwölf Minuten erreicht das Raumschiff den Erdorbit. Die Crew kümmert sich nach dem erfolgreichen Start um kleinere Projekte ("Wie ging das noch mal mit dem Zoom von der Kamera?"). Mit einer letzten Zündstufe schießt die Saturn V das Raumschiff aus dem Orbit in Richtung Mond. Die Reste der Rakete werden abgesprengt, nur das Raumschiff und die Landesonde "Eagle" fliegen weiter. Damit es dabei nicht einseitig von der Sonne erhitzt wird, dreht es sich mit drei Umdrehungen pro Stunde um die eigene Achse wie ein Grillhuhn - die US-Raumfahrtagentur Nasa spricht von "Barbeque technique".

17./18. Juli: Gut gelaunt, so klingt es jedenfalls im Funkverkehr, bereiten die drei Astronauten die Annäherung an den Mond vor. Nennenswerte Probleme gibt es nicht, die Crew kann bis zu zehn Stunden pro Nacht schlafen. Nicht alles, was das Team in Houston und die "Columbia"-Mannschaft in dieser Phase besprechen, ist hohe Wissenschaft. Es geht auch um profanere Fragen wie die Temperatur des morgendlichen Kaffees ("nicht brühend heiß, aber warm") oder - aus heutiger Sicht recht unspektakuläre - Beobachtungen zum Wetter auf der Erde. So gibt etwa Aldrin zu Protokoll, dass Großbritannien deutlich grüner sei als Spanien.

19. Juli: Der Mond rückt näher. Die "Columbia" fliegt aus dem Bereich der Anziehungskraft der Erde in jenen, in dem die Anziehungskraft des Mondes auf sie einwirkt. Hinter dem Mond schwenkt das Raumschiff mit einem Bremsmanöver auf eine Umlaufbahn um den Mond ein.

20. Juli: Armstrong und Aldrin stellen sich - denn es gibt keine Sitze - in die Landefähre "Eagle" (deutsch: Adler). Von Kabeln werden sie gehalten. Die Landefähre wird vom Mutterschiff abgekoppelt. Sie sei "der am komischsten aussehende Apparat, den ich je am Himmel sah", sagt Collins später. Nasa-intern wird die Fähre auch "fliegendes Bettgestell" genannt. Collins wird auf einer Umlaufbahn etwa 111 Kilometer über dem Mond auf seine Kollegen warten.

Im Landeanflug gibt der Bordcomputer mehrfach Alarm - später stellt sich Überlastung als Ursache heraus. Houston gibt nach fieberhaften Beratungen Anweisung, die Fehlermeldungen zu ignorieren. Während des gut zwölfminütigen Landemanövers funkt Armstrong zudem: "ziemlich felsige Gegend". Der Autopilot fliegt die "Eagle" auf einen Platz voller Geröll zu, Armstrong korrigiert den Kurs und steuert einen ebenen Landeplatz an.

Um 15.17 Uhr Ortszeit empfängt die Nasa in Houston die ersten Worte eines Menschen von der Oberfläche eines fremden Himmelskörpers: "Maschinen aus. Houston, hier ist Tranquility Base. Der Adler ist gelandet". Jubel auf der Erde. "Ihr habt ein paar Leute fast blau anlaufen lassen, wir atmen wieder", funkt Mission Control zurück. Die Astronauten melden sich fortan als Tranquility Basis, benannt nach dem Landeplatz im Mare Tranquillitatis.

In den ersten Stunden nach der Landung bereiten Armstrong und Aldrin zunächst die Rückkehr zum Mutterschiff vor, essen etwas und ruhen sich kurz aus. Sechseinhalb Stunden nach der Landung auf dem Mond und fast 110 Stunden nach dem Abflug von der Erde öffnet Armstrong die Luke der "Eagle". Die Oberfläche sei von einem feinen, geradezu puderhaften Material bedeckt, berichtet er von der Leiter aus.

Schließlich setzt er an, von der letzten Stufe zu springen. Ein kleiner Schritt sei das für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit, sagt Armstrong. Geschätzt mehr als eine halbe Milliarde Menschen schauen am Fernseher zu. Aldrin beobachtet die Szene aus der "Eagle". Knapp 20 Minuten später steigt auch er herunter. "Schöne Aussicht", ist sein erster Eindruck. "Ist das nicht was? Herrliche Sicht hier", stimmt Armstrong ihm zu. Schließlich hat auch Aldrin seinen poetischen Moment: "Herrliche Trostlosigkeit".

Houston schaltet US-Präsident Richard Nixon auf den Mond durch. "Das muss der historischste Anruf sein, der je aus dem Weißen Haus getätigt wurde", sagt er und gratuliert den beiden Raumfahrern. Auch für den Fall eines Scheiterns von "Apollo 11" hatte Nixon eine Rede vorbereitet. Die Astronauten führen ein paar eher simple Experimente durch, rammen die US-Fahne in den Mondboden, hinterlassen eine Plakette und sammeln Gesteinsproben. Zweieinhalb Stunden nach Armstrongs Schritt auf den Mond sind beide Astronauten wieder in der Landefähre. Sie verstauen die Proben, werfen unnötig gewordene Ausrüstung aus der Kabine und versuchen schließlich etwas zu schlafen.

21. bis 23. Juli: Gut 21,5 Stunden nach ihrer Landung zünden die beiden die Aufstiegsstufe der "Eagle" und verlassen den Mond. Zweieinhalb Stunden später dockt die Fähre wieder an der "Columbia" an. Aldrin und Armstrong kommen mit den Proben an Bord. Danach wird die "Eagle" abgedockt und zurückgelassen. Weitere rund sieben Stunden später zündet die "Columbia" den Antrieb für den Rückflug zur Erde.

24. Juli: Das Raumschiff erreicht eine Erdumlaufbahn. Kurz darauf dockt die Crew das hintere, größere Service-Modul der "Columbia" vom Kommando-Modul ab. Von der 110 Meter hohen Rakete, mit der "Apollo 11" startete, ist etwa 195 Stunden und 1,5 Millionen Kilometer später nur noch das gut drei Meter hohe und knapp vier Meter breite, konisch geformte Kommando-Modul übrig. Darin dringen die Astronauten wieder in die Erdatmosphäre ein und landen im Pazifik. Wieder jubelt Houston, als Armstrong sich aus der gelandeten Kapsel meldet - mindestens so laut wie bei der Landung auf dem Mond.