Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.07.2019


Bezirk Imst

Grenzgänger erzählten ihre Geschichten

Auch Richard Hofer und Klaus Prantl (v. l.) lieferten authentische Zeitzeugenberichte.

© Ötztaler MuseenAuch Richard Hofer und Klaus Prantl (v. l.) lieferten authentische Zeitzeugenberichte.



Über ein enormes Publikumsinteresse an einem Erzählnachmittag auf der Hohen Mut Alm freuten sich am vergangenen Freitag die Ötztaler Museen. Geladen von Museumsleiterin Edith Hessenberger fanden sich vier Herren zwischen 70 und 90 Jahren ein, um von ihren Abenteuern an der italienisch-österreichischen, der innertirolerischen Grenze seit 1919, zu berichten. Vor dem Panorama des Rotmoos- und Gaisbergtales wurde die Alm so zu einem Ort der Erinnerungskultur. Damit sei „ein Zeichen für das Anliegen der Ötztaler Museen gesetzt, auch außerhalb der Museen-Mauern sichtbar zu werden", so Hessenberger.

Mit Blick auf die Joche, die von den vier Männern als ehemalige Schmuggler einst intensiv begangen worden waren, erinnerten sich Karl Giacomelli (Obergurgl), Vigil Kuprian (Pfelders), Klaus Prantl (Sölden) und Richard Hofer (Ulfas) an die Vergangenheit. Im thematischen Zentrum der Erzählungen standen die Rückkehr der Soldaten nach Kriegsende über den Alpenhauptkamm sowie die wirtschaftlich schwierigen Zwischenkriegs- und Nachkriegszeiten. Daraus resultierte, dass das Schmuggelgeschäft für viele attraktiv wurde. Unweigerlich wurden die Grenzgänger auch zu Zeugen des Südtirol-Aktivismus, der ihrerseits durch Sprengstoff-Schmuggel unterstützt wurde.

„Mit diesem hochkarätigen Podium hören wir Erzählungen der letzten Generation, für die der Schmuggel ein lukratives Geschäft war. Egal ob Saccharin, Tabak oder sogar Rinder — viele besserten sich ihre Lebensgrundlage auf", resümierte Hessenberger. Der Sölder Klaus Prantl erinnerte sich gut: „Ich weiß von meinem Vater, der ebenfalls Schmuggler war, dass es sogar mit Tageslohn bezahlte Schmugglergruppen gab." Und Richard Hofer erzählte: „Kaum fünf Stunden war ich von Obergurgl nach Pfelders zu Fuß unterwegs!"

Der Erzählnachmittag wurde als Teil des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung im Ötztaler Heimatmuseum namens „Das Gletscherrad" veranstaltet. Erzählungen der Zeitzeugen sind im begleitend erschienenen Buch „Geschichten von der Grenze und aus dem Eis der Ötztaler Alpen" nachzulesen. (prax)


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