Letztes Update am Sa, 20.07.2019 11:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NS-Widerstand

Stauffenberg-Attentat auf Hitler jährt sich zum 75. Mal

Eine Gruppe hochrangiger Offiziere wollte am 20. Juli 1944 Adolf Hitler in seinem ostpreußischen Hauptquartier töten, um dann in Berlin einen Militärputsch durchzuführen. Das Unterfangen scheiterte, Hitler überlebte.

Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) und der Chef der "Kanzlei des Führers", Martin Bormann (l.), begutachten die Zerstörung im Raum der Karten-Baracke in Rastenburg, wo Stauffenberg am 20. Juli 1944 eine Sprengladung zündete.

© dpaReichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) und der Chef der "Kanzlei des Führers", Martin Bormann (l.), begutachten die Zerstörung im Raum der Karten-Baracke in Rastenburg, wo Stauffenberg am 20. Juli 1944 eine Sprengladung zündete.



Wien — Ein misslungenes Attentat als größtes Symbol des Widerstandes im Dritten Reich: Am Samstag jährt sich die "Operation Walküre" zum 75. Mal. Eine Gruppe hochrangiger Offiziere wollte am 20. Juli 1944 Adolf Hitler in seinem ostpreußischen Hauptquartier töten, um dann in Berlin einen Militärputsch durchzuführen. Trotz generalstabsmäßiger Planung scheiterte das Unterfangen - weil Hitler überlebte.

Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg.
Der deutsche Offizier und spätere Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg.
- dpa

Der Anführer der Putschisten, Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg, deponierte am 20. Juli bei einer Lagebesprechung in Hitlers ostpreußischem Hauptquartier, der heute in Polen gelegenen "Wolfsschanze", die Aktentasche mit einer Bombe unter einen Kartentisch, an dem Hitler über die militärische Lage informiert werden sollte. Doch der mit einem chemischen Zeitzünder versehene Sprengstoff verfehlte sein Ziel: Hitler überlebte leicht verletzt, vier seiner hohen Militärs fanden den Tod.

Kennwort "Walküre"

Stauffenberg verließ das Hauptquartier in der Annahme, Hitler sei tot, und flog zurück nach Berlin. Denn im dortigen Bendlerblock, der Unterkunft des Heeresamtes, sollte unter dem Kennwort "Walküre" der eigentliche Staatsstreich gegen Hitler ausgelöst werden. Da die in Berlin versammelten Verschwörer keine klaren Informationen über die Vorgänge in der "Wolfsschanze" hatten, zögerten sie mit der Ausführung der Umsturzpläne. Zwischen dem Attentat und Stauffenbergs Ankunft im Bendlerblock vergingen deshalb Stunden ungenutzt. Auch die geplante Nachrichtenblockade von Hitlers ostpreußischer Zentrale misslang.

Zwar schafften es die Putschisten in Berlin, Befehle zur Verhaftung hoher SS-Funktionäre zu erlassen und Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben zum Oberbefehlshaber im "Heimatkriegsgebiet" zu ernennen. Doch weil Hitler überlebt hatte, und einige zögernde Generäle den Verschwörern die Unterstützung versagten, gewannen die Anhänger des Regimes am Abend wieder die Oberhand.

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Stauffenberg noch in der Nacht erschossen

Stauffenberg und einige Mitverschwörer wurden noch in der Nacht auf den 21. Juli auf Befehl von Generaloberst Friedrich Fromm erschossen. Es folgte ein großangelegter Rachefeldzug, dem etwa 5000 Menschen zum Opfer fielen. Allein der berüchtigte "Volksgerichtshof" erließ über 200 Todesurteile, die allesamt vollstreckt wurden.

Für das heutige demokratische Deutschland hat der 20. Juli eine große Bedeutung. Im "Bendlerblock" findet sich die Staatsspitze alljährlich zu einer Gedenkfeier ein. Seit 1999 wird am 20. Juli mit einem Gelöbnis von Bundeswehr-Rekruten an den Widerstand der Offiziere gegen Hitler erinnert. Ihr Streben nach Frieden und für Menschenrechte soll als Traditionslinie für die Deutsche Bundeswehr bewahrt werden. (APA/AFP)

Attentate auf Hitler

Das missglückte Attentat vom 20. Juli 1944 war keineswegs der einzige Anschlag auf Adolf Hitler. Mehr als 40 gescheiterte Versuche oder Pläne, den Diktator zu beseitigen, sind überliefert. Einige Beispiele:

1935: In Berlin plant eine oppositionelle Gruppe um den Verleger Helmuth Mylius, die SS zu unterwandern. Sie will Hitler verhaften oder töten. Die Gestapo schleust Spitzel ein, das Vorhaben platzt, Mylius kann fliehen.

9. November 1938: Der Schweizer Theologiestudent Maurice Bavaud will Hitler bei einer Nazi-Gedenkfeier in München erschießen, aber er kommt nicht nah genug an den Diktator heran. Bavaud wird später verhaftet, vom "Volksgerichtshof" verurteilt und 1941 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

8. November 1939: Der Tischler Georg Elser deponiert im Münchner Bürgerbräukeller eine Zeitbombe. Als der Sprengsatz explodiert, hat Hitler das Gebäude bereits vorzeitig verlassen. Die Bombe tötet acht Menschen. Elser wird in Konstanz an der Schweizer Grenze verhaftet. Er kommt ins Konzentrationslager Sachsenhausen, später nach Dachau, wo er am 9. April 1945 ermordet wird.

13. März 1943: Die Heeresgruppe Mitte um Oberst Henning von Tresckow im russischen Smolensk plant während eines Besuchs von Hitler mehrere Attentate, die jedoch misslingen. Der Plan, ihn zu erschießen, wird fallen gelassen. Stattdessen platzieren die Verschwörer mithilfe des gebürtigen Österreichers Erwin Lahousen in Hitlers Flugzeug eine Zeitbombe, deren Zünder jedoch versagt.

21. März 1943: Rudolf von Gersdorff, Offizier der Heeresgruppe Mitte, will sich in Berlin während einer Ausstellung mit Hitler in die Luft sprengen. Doch der Diktator verlässt die Beutewaffen-Schau vorzeitig. Später scheitern ähnliche Vorhaben der Offiziere Axel von dem Bussche-Streithorst und Ewald-Heinrich von Kleist.