Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.07.2019


Osttirol

Campus Technik in Lienz: Geheimnisse von Sensoren und Rotordynamik

Fadi Dohnal ist der wissenschaftliche Leiter des Campus Technik in Lienz. Der Akademiker engagiert sich sehr für internationale Zusammenarbeit. Derzeit arbeiten Gastforscher aus Indien bzw. Mexiko in Lienz.

Fadi Dohnal, wissenschaftlicher Leiter am Campus Technik, hat die Forscher Miguel Ramírez Barrios (Mexiko) und Arnav Gupta (Indien) nach Lienz geladen (v. l.).

© Christoph BlassnigFadi Dohnal, wissenschaftlicher Leiter am Campus Technik, hat die Forscher Miguel Ramírez Barrios (Mexiko) und Arnav Gupta (Indien) nach Lienz geladen (v. l.).



Von Christoph Blassnig

Lienz – Miguel Ramírez Barrios kommt aus Mexiko und hat ein technisches Doktoratsstudium absolviert, Arnav Gupta aus Indien macht in einem Jahr seinen Masterabschluss. Beide Gastforscher arbeiten derzeit auf Einladung des wissenschaftlichen Leiters Fadi Dohnal am Campus Technik Lienz.

Sie untersuchen Schwingungen und mit welchen Einflüssen man sie vermindern kann. Praktische Anwendungsfälle können mikroelektromechanische Systeme (MEMS) wie Sensoren sein, Hörgeräte oder die magnetisch gelagerten Antriebe von großen Unterwasser-Erdölpumpen, die jeweils bei Start und Stopp starke Vibrationen erzeugen. Auch beim Bau von Brückenkränen wird es künftig nicht mehr allein um statische Berechnungen gehen. Zum Beispiel kann ein bestimmter Abstand von Tragwerken Eigenschwingungen vorbeugen oder ganz vermeiden helfen.

„Ich habe Fadi Dohnal Ende des Jahres 2016 im Rahmen eines von ihm organisierten internationalen Workshops in Udine kennen gelernt“, erinnert sich Ramírez. Weltweit anerkannte Gelehrte aus Deutschland, Dänemark, Polen und den USA berichteten beim Zusammentreffen dort von ihren Ergebnissen, um Nachwuchsforscher für ihre Themen zu begeistern. „Das war meine erste Veranstaltung, die ich als wissenschaftlicher Leiter des Campus Technik Lienz organisiert habe“, denkt auch Dohnal zurück. Ramírez ist nach einem Aufenthalt im letzten Jahr heuer erneut für drei Wochen in Lienz. Inzwischen hat der Akademiker sowohl in Mexiko als auch in Österreich um ein Stipendium für einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Lienz angesucht.

In ihrer Arbeit untersuchen sie Schwingungen.
In ihrer Arbeit untersuchen sie Schwingungen.
- Arnav Gupta

Ein indischer Professor von Gupta wiederum, ist ebenfalls bei einem Kongress mit Fadi Dohnal ins Gespräch gekommen. „Wir haben eine längerfristige Zusammenarbeit vereinbart. So kam der Forschungsaufenthalt von Arnav Gupta zustande“, erklärt Dohnal. „Erste Ergebnisse aus der bisherigen Kooperation sind aktuell zur Begutachtung in Fachzeitschriften.“

Am Hochstein ist der Student bis zum Speicherteich gewandert und anschließend mit der Sommerrodelbahn ins Tal gerauscht. „Ich war bei einem Volksfest in Oberlienz, war von Schloss Bruck beeindruckt, war beim Tristacher See, habe Konzerte und Theateraufführungen genossen.“

Ramírez hat den Bauernhof von Fadi Dohnals Schwiegereltern besucht, war Pilze sammeln und am Wörthersee. „Was ich schätze, ist die Ruhe oder hier am Campus das Rauschen der Isel“, schwärmt der Forscher. Denkarbeit sei in dieser erholsamen Umgebung ganz anders möglich als in der schnellen und lauten Hauptstadt Mexikos.