Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Tirol

Tiroler Preis für Medizin-Nobelpreisträger Stanley Prusiner

Die “Bischof Dr. Karl Golser Stiftung“ fördert die Erforschung von atypischem Parkinson. Der Preis der Stiftung geht im nächsten Jahr an Stanley Prusiner.

Nobelpreisträger Stanley Prusiner hat die Prionen entdeckt.

© PrusinerNobelpreisträger Stanley Prusiner hat die Prionen entdeckt.



Innsbruck – Der wissenschaftliche Beirat der „Bischof Dr. Karl Golser Stiftung“ hat entschieden. Nächstes Jahr, wenn die Stiftung am 20. Juni den „Bischof Dr. Karl Golser Preis“ verleihen wird, heißt der Preisträger Stanley Prusiner.

Zumindest in Fachkreisen ist dieser Name schon lange ein Begriff: Der Neurologe aus San Francisco wurde 1997 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. „Prusiner hat erstmals entdeckt, dass weder Bakterien noch Viren für die Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (Anm. d. Red.: Rinderwahnsinn) verantwortlich sind, sondern Prionen, eine Art gestörtes Eiweiß“, wie Gregor Wenning, Vorstand der Abteilung für klinische Neurobiologie an der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck erklärt.

Hier kommt die „Bischof Dr. Karl Golser Stiftung“ ins Spiel, deren Präsident Wenning ist. Morbus Parkinson und Alzheimer gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Spektrum der infektiösen Prion-Erkrankungen. Prusiner erforscht mit der Multisystematrophie (MSA) eine der vier atypischen Formen von Parkinson. „Er behauptet, dass MSA nach Creutzfeldt-Jakob, das in den 1960er-Jahren erstmals ausgebrochen ist, die nächste Prion-Erkrankung ist“, sagt Wenning.

Unter den 30.000 Parkinson-Patienten in Österreich sind 2000 von einer der vier Formen betroffen, für die es noch kein Heilmittel gibt. Etwa 500 von ihnen leiden an MSA, 50 davon in Tirol.

Bei der Erkrankung trifft auf die bekannten Parkinson-Symptome wie Muskelsteifheit und Zittern noch eine vegetative Störung, die Blasenschwäche bis hin zu Ohnmachtsanfällen umfassen kann.

Die Stiftung, die bisher rund 200.000 Euro großteils aus Spenden der Südtiroler Bevölkerung lukrieren konnte, wird Prusiners Forschung mit 10.000 Euro fördern. „Ich fühle mich geehrt, dass wir dieses Geld so einsetzen können. Wir werden dafür in den nächsten zwei, drei Jahren in den Publikationen Prusiners als Sponsor aufscheinen, damit das Licht der Stiftung weiterbrennen kann“, sagt Wenning. Der Preis ist ihm zufolge der höchstdotierte für diese Art der Forschung im deutschsprachigen Raum.

Der Brixner Bischof Golser ist zu Weihnachten 2016 an der Parkinson-Form CBD (corticobasale Degeneration) verstorben. Als sein behandelnder Arzt hat Wenning mit Kollegen die Stiftung initiiert. Ihre Ziele sind, die Erforschung von atypischem Parkinson voranzutreiben, die Vernetzung der Wissenschafter zu fördern und die Öffentlichkeit aufzuklären. In Innsbruck werden etwa 100 Patienten mit atypischem Parkinson betreut. (thm)