Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Wissen

Mittelalter-Waffen lagerten auf Innsbrucker Dachboden

Bei Renovierungsarbeiten stieß ein Hausbesitzer auf ein Kurzschwert und eine Speerspitze. Die Gegenstände sind über 1300 Jahre alt.

Kurzschwert (oben) und Speerspitze befinden sich in Anbetracht ihres Alters in einem außerordentlich guten Zustand.

© Florian MessnerKurzschwert (oben) und Speerspitze befinden sich in Anbetracht ihres Alters in einem außerordentlich guten Zustand.



Innsbruck – Einen Fund mit Seltenheitswert hat gestern das Institut für Archäologien der Innsbrucker Universität bekannt gegeben. Auf einem Dachboden in der Innsbrucker Innstraße stieß Robert Bachmann, der Hausbesitzer, vor bereits rund 30 Jahren auf zwei Metallgegenstände, die er dann bis vor Kurzem in seiner Wohnung lagerte.

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Schließlich bat er Hannes Lehar, freier Mitarbeiter am Institut für Archäologien, um dessen Einschätzung. „Ich bin kein Mittelalter-Experte – mein Forschungsgebiet ist eher die klassisch-griechisch-römische Zeit –, aber als ich die zwei Metallgegenstände sah, die lange in einem Dachboden in St. Nikolaus gelagert wurden, war ich mir ziemlich sicher, dass es sich dabei um ein mittelalterliches Kurzschwert, einen so genannten ‚Sax‘, und eine Speerspitze handeln muss“, sagt Lehar.

Florian Messner, ebenfalls freier Mitarbeiter und Dissertant am Institut für Archäologien, hat sich auf mittelalterliche Waffen in Tirol spezialisiert und verfasst auch seine Dissertation zu diesem Thema. „Als Hannes Lehar mir die Fundstücke zeigte, war ich sehr überrascht. Üblicherweise sind Dachbodenfunde maximal 200 bis 300 Jahre alt“, sagt Messner. Aufgrund ihrer Bauart schätzt der Experte allerdings, dass der Sax und die Speerspitze aus dem späten 7. Jahrhundert stammen und damit über 1300 Jahre alt sind. „Saxe lassen sich sehr gut datieren. Diese Art des Kurzschwerts hat immer einen breiten Klingenrücken und ist nur einseitig geschliffen – die Länge, der einseitige Schliff und der breite Rücken beim Fundstück sind typisch für einen schweren Breitsax aus dem frühen Mittelalter“, erklärt Messner. Auch die Speerspitze ist etwas Besonderes: „Hierbei handelt es sich um einen eigenartigen Typ, den wir noch nicht genau zuordnen konnten. Das ist typisch für das Frühmittelalter, denn im Gegensatz zum Sax, für dessen Herstellung sehr gute Schmiedekenntnisse benötigt wurden, konnte jeder fähige Dorfschmied eine Speerspitze schmieden. Aus diesem Grund gibt es hier keine Standardisierungen wie bei aufwändiger geschmiedeten Waffen“, sagt Messner.

Auch wenn es auf den ersten Blick anders wirkt, sind beide Fundgegenstände in ausgezeichnetem Zustand. „Das Eisen scheint für sein Alter sehr gut erhalten zu sein, auf der Klinge sind noch Reste einer Scheide aus Leder erkennbar, am Griff dürften Holz oder Knochenreste sein“, beschreibt Messner.

Der Besitzer von Schwert und Speerspitze hat sich inzwischen bereiterklärt, die Fundgegenstände dem Institut für Archäologien für die weitere Untersuchung und anschließende Ausstellung im Archäologischen Museum der Universität Innsbruck als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. (TT)