Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.09.2019


Bezirk Landeck

Vom Riesenbovist aus die Weiten des Alls erkunden

Am 27. September wird bei Neumond das neue Observatorium am Venet eröffnet. Die Arbeiten befinden sich derzeit im Finale.

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© Zangerl



Von Matthias Reichle

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Fließ, Landeck, Zams – Was ist denn das? Angesichts des guten Schwammerljahrs muss vielleicht der ein oder andere an einen Riesenbovist denken, der da am Krahberg aus dem Boden geschossen ist. In den sozialen Medien jedenfalls werden fleißig Fotos der weißen Kuppel geteilt, die vor wenigen Tagen neben der Venet-Gipfelhütte auf 2212 Metern Seehöhe montiert wurde. Tatsächlich ist es das neue Observatorium, das langsam Gestalt annimmt. Am Venet entsteht laut den Betreibern die erste größere Volkssternwarte Tirols.

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- Venet Bergbahnen AG

„Die Bauarbeiten sind abgeschlossen“, sagt Venet-Bergbahnen-Vorstand Werner Millinger. Bis zum Eröffnungstermin am 27. September wird das Gebäude noch barrierefrei mit einem Weg erschlossen, am Montag startet die Montage der Technik. Dann werden die Teleskope innerhalb von drei Tagen und Nächten präzise eingestellt.

Am Venet kommen zwei Instrumente zum Einsatz: ein Spiegelteleskop mit rund 60 Zentimetern Durchmesser für die Nacht sowie ein Linsenteleskop mit 10 Zentimetern Durchmesser zur Sonnebeobachtung.

„Das Echo ist derzeit sehr groß“, so Millinger. „Ob das der Familienvater ist, der seinen Kindern die Sterne zeigen will, oder ein Fotoklub.“ Er sieht ein großes Potenzial. Die Szene sei eher im Verborgenen unterwegs. Der Standort am Venet mit dem uneingeschränkten Blick nach Süden sei auch für Kenner ideal, erklärt er.

Die Eröffnung erfolgt zu Neumond. Was auch Millinger nicht klar war: „Da sieht man aufgrund der Dunkelheit das Meiste am Himmel.“ Bis zwei Uhr Früh sollen an diesem Abend Interessierte ins neue Gebäude und damit über den Nachthimmel geführt werden. Insgesamt 15 Sternenguides werden derzeit ausgebildet – sie erhalten im September ihre dritte Schulung bereits an den neuen Teleskopen – und sollen schon bald die ersten Führungen anbieten. Ziel sei, den Betrieb der Sternwarte in zwei Jahren an einen Trägerverein zu übergeben, so Millinger. Projektträger für die rund 150.000 Euro teure Investition ist der TVB TirolWest. Finanziert wird die Sternwarte als Interreg-Mittel-Projekt Italien-Österreich von RegioL.

Aktuell erarbeiten die Venet-Bergbahnen bereits ein Programm für das Observatorium – zwischen sechs und acht Termine sieht man heuer noch vor. Zum Beispiel wenn sich der Merkur am 11. November vor die Sonne schiebt oder am 17. und 18. November der Leoniden-Sternschnuppenregen zu sehen sein wird. „Entweder in Kombination mit Übernachtungen in der Gipfelhütte oder mit Abendfahrten“, wie Millinger erklärt. Zudem soll die neue Volkssternwarte auch für interessierte Schulen und Gruppen offen stehen. Allerdings immer mit Guide.