Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.09.2019


Innsbruck-Land

2000 Jahre alte Figuren in Museum wiederentdeckt

Zwei Bronzefigürchen aus Pfaffenhofen, die als verschollen galten, wurden im Depot des Kunsthistorischen Museums in Wien ausfindig gemacht.

Der Altertumsforscher Anton Roschmann hatte die Statuetten im 18. Jahrhundert beschrieben und gezeichnet (Bild unten). Genau diese Figuren wurden von Forschern nun im Kunsthistorischen Museum aufgespürt.

© MG Telfs/DietrichDer Altertumsforscher Anton Roschmann hatte die Statuetten im 18. Jahrhundert beschrieben und gezeichnet (Bild unten). Genau diese Figuren wurden von Forschern nun im Kunsthistorischen Museum aufgespürt.



Pfaffenhofen, Wien – Dass archäologische Entdeckungen nicht nur im Erdboden, sondern auch in den Tiefen von Museumsdepots gemacht werden können, zeigt jetzt eine spektakuläre Wiederentdeckung: In Wien sind zwei für lange Zeit verschollene „Ur-Pfaffenhofer“ aufgetaucht. Es handelt sich um zwei über 2000 Jahre alte Bronzefigürchen, die aus dem Umfeld des einstigen Opferheiligtums am „Trappele-Acker“ oberhalb von Pfaffenhofen stammen.

null
- MG Telfs/Dietrich

Der frühe Tiroler Altertumsforscher Anton Roschmann (1694–1760) hatte die Statuetten gleich zweimal – nämlich 1736 und 1756 – in seinen Aufzeichnungen erwähnt und auch gezeichnet. Er schrieb, dass sie „nicht weit vom Schloss Hertenberg im Jahr 1630 auf dem Acker Kuchl“ gefunden und dann ins Schloss Ambras gebracht worden seien. Dort war das Pärchen in jüngerer Zeit aber nicht mehr auffindbar – „verschollen“, hieß es.

Der Telfer Historiker Stefan Dietrich wollte sich damit nicht zufriedengeben und durchsuchte alte Aufzeichnungen nach Hinweisen auf die beiden „Ur-Pfaffenhofer“. Dabei stellte sich heraus, dass die Bronzemännchen sehr wahrscheinlich 1808, nachdem Tirol bayerisch geworden war, nach Wien gebracht wurden. Nun stiegen auch der Archäologe Harald Stadler von der Universität Innsbruck und sein Assistent Philipp Lehar in die Nachforschungen ein – und wurden tatsächlich fündig: Im Depot des Kunsthistorischen Museums in Wien stieß Lehar auf zwei 6,4 und 9,4 cm große Figuren, bei denen alles passte: Als Fundort war das Gericht Telfs, als Fundjahr 1630 angegeben.

„Es besteht kein Zweifel, dass das die von Roschmann erwähnten Statuetten sind“, sagt Stadler. „Die alten Zeichnungen sind natürlich nicht fotografisch genau, aber die wesentlichen Merkmale stimmen überein. Ein wichtiges Indiz ist auch: Die Männchen wurden als Paar gefunden, als Paar beschrieben und sind jetzt als Paar wieder aufgetaucht.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Statuetten stammen aus den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, sind also mehr als 2000 Jahre alt. Sehr wahrscheinlich waren sie Votiv- oder Opfergaben, die man beim Heiligtum – ähnlich wie in heutigen Wallfahrtsorten – geweiht und aufgestellt hat.

Dass sie mit aufgerichtetem Phallus dargestellt sind, ist in dieser Zeit durchaus üblich. Dieses Merkmal könnte mit einem speziellen Kult im einstigen Heiligtum zu tun haben oder ein Fruchtbarkeitssymbol sein.

Im Depot des Landesmuseums Ferdinandeum gibt es eine Figur, von der man bisher annahm, dass sie der kleinere der beiden „Pfaffenhofer“ sein könnte. Stadler: „Diese Statue ist sehr ähnlich, aber es passen nicht alle Details. So fällt etwa der abgebrochene linke Arm ins Auge, der in der Zeichnung intakt ist. Sehr wahrscheinlich stammt dieses Objekt aber aus derselben Werkstatt. Somit haben wir vielleicht sogar eine dritte Figur aus dem Umfeld der Kultstätte am Trappele-Acker.“

Auch der Pfaffenhofer Bürgermeister Andreas Schmid zeigte sich sehr erfreut über die Entdeckung: „Vielleicht gelingt es uns, die Fundstücke, zumindest als Leihgabe, nach Pfaffenhofen zurückzubekommen. Eine Idee wäre es auch, von den Figuren, die ja nur ein paar Zentimeter groß sind, exakte Nachbildungen machen zu lassen.“ (TT)